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Deutsche Literatur im Auslande.
Curiosum verdient erwähnt zu werden, daß die Abenteuer des Barons Münchhausen,von einem Deutschen, N. L. Naspe, zusammengestellt, srüher in englischer als indeutscher Sprache erschienen sind.
Großes Aufsehen erregte in England auch sofort Goekhe's „Werther", dochwar damals die Kenntniß des Deutschen noch so wenig in England verbreitet, daßdie erste englische Übersetzung des Romans unter dem Titel „Um sorrorvs (statt:<dks sullsi-uigs«) ok VVei'tsr, a üermsu Stör)'" (London 1779 und 1780), nichtnach dem deutschen^Origlnal, sondern aus dem Französischen bearbeitet war. Goetheschrieb über diese Übersetzung an Frau von Stein: das Englische gefalle ihm garwohl; was er gelesen habe, sei herzlich, verständig und geschmackvoll übertragen;es sei ihm gar anmuthig, seine Gedanken in der Sprache seiner Lehrer zu lesen;doch würde er noch mehr daraus lernen, wenn es aus dem Deutschen übersetzt wäre.Erst im Jahre 1800 erschien die erste englische Übersetzung nach dem Original. Vonder Theilnahme, welche der Roman in England fand, zeugen aber die mancherlei.Schriften, die er hervorrief. Ein Engländer mystificirte die Welt mit Lettens Brie-fen, die sofort auch ins Französische und, curios genug, selbst ins Deutsche übersetztwurden; Amalia Pickering übertrug den Roman in Verse; 1787 erschien ein Gedicht:„IVortsr to Owrlotts", dem Anna Francis eine Antwort: „Lksrlolts to ^Vorler",folgen ließ. Noch im Anfang der zwanziger Jahre gab ein Major Jacob Bell„Briefe aus Wetzlar" heraus, worin alle mit der Entstehungsgeschichte des „Werther"verbundenen Details zusammengestellt waren, und F. Reynolds, der in feinen Stückenden Einfluß der moralisirenden Jffland'schen Lustspielweise verräth, machte aus demRoman ein sentimentales dreiactiges Trauerspiel zurecht. Schiller's Jugendwerke gingensehr rasch in die englische Sprache über. Die „Räuber" wurden bereits 1792,'unddann noch zwei mal im Jahre 1800, „Fiesco" im Jahre 1796, „Cabale und Liebe"drei mal, in den Jahren 1795, 1796 und 1797, „Don Carlos" zwei mal im Jahre1798, und dann später noch öfters, z. B. von John Windham Bruce, dann noch1837 in einer in Palermo gedruckten Bearbeitung übersetzt. Auch von Schiller'sübrigen Stücken bestehen Übertragungen, von denen mehre erst während der letztenJahrzehnde erschienen, und von feinen Gedichten erschien eine Anzahl bereits im Jahre
1799 zugleich in Verbindung mit Gedichten Goekhe's, Stolberg's u. A. in Beryford's„6srman bsllalls snci sonzs". Schiller betrachtete es übrigens noch im Jahre 1789als eine seltene Anerkennung und Aufmunterung, als er davon hörte, daß das „Kent-Iswim's mggarins" seine „Geschichte des Aufstandes der Niederlande" lobend kri-tisirt habe.
Der Anerkennung und Verbreitung der deutschen Literatur in England kamnun aber der Umstand zu Hülfe, daß Autoren, die selbst einen bedeutenden Rangin der englischen Literatur einnahmen oder einzunehmen berufen waren, sich demStudium der deutschen Sprache widmeten, den Geschmack an deutscher Poesie weiter-verbreiteten und selbst das Beste ihres Talents daran setzten, deutsche Dichtungen,die zu ihren Lieblingsstücken gehörten, in ihre Muttersprache zu übertragen. Epoche-machend für die Anerkennung deutscher Poesie in England war namentlich Cole-ridäe'L meisterhafte Bearbeitung des Schiller'schen „Wallenstein", die in zwei Theilen
1800 erschien. Coleridge bereiste im Jahre 1798 Deutschland, um es zu seinemStudium zu machen, und suchte auch für das Bekanntwerden deutscher Philosophiein England zu wirken, wovon sich in seinem „Isblo-tsllc" und in dem von seinemNeffen herausgegebenen Nachlaß:„„bitsrgr^ renwins", Beweise fänden. Der DichterShelley, der durch eine englische Übersetzung der Schubart'schen Rhapsodie über denEwigen Juden für die deutsche Poesie zu lebhaftestem Interesse angeregt worden war,übersetzte einige Fragmente aus Goethe's „Faust", welche vorzüglich dazu beitrugen,die Aufmerksamkeit auf diese großartige Weltdichtung zu leiten, und Walter Scottbegann seine ^literarische Laufbahn mit einer trefflichen und kräftigen Bearbeitung vonGoethe's „Gotz von Berlichingen" und von Bürger's Balladen, „Lenore" und „Derwilde Jäger" (1797), wobei bemerkt zu werden verdient, daß Bürger's „Lenore"