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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

überhaupt in England sehr beliebt ist und bis zum Jahre 1811 nicht weniger alssechs englische Bearbeitungen, darunter eine von Spencer mit Illustrationen, erlebte.Es ist wol unverkennbar, daß die kerngesunde, das Leben in seinen realistischen De-tails erfassende Darstellungsweise im „Goß" auf Walter Scott's spätere Roman-manier von größtem Einfluß gewesen ist. Ganz besonders ist hier noch der VerdiensteTaylor's um die Verbreitung der deutschen Literatur in England Erwähnung zu thun,indem Taylor sich fast ganz speciell dieser Aufgabe widmete und unter Anderwvon Bürger's „Lenore", von Goethe's „Jphigenie" und Lessing's „Nathan" Über-setzungen fertigte, die, wie das „Rcliuburgk rsviow" im Jahre 1815 versicherte, be-wundernswerth sind und ihn an die Spitzt aller Übersetzer aus dem Deutschen stellten.Noch im Jahre 1830 gab Taylor eine Anthologie: „Historie survsz- ok Osrmsnpostr^, iutsrsporssü xvitk vsrious translations", in drei Bänden heraus, in die erauch seine frühern Übertragungen der „Jphigenie" und des „Nathan" aufnahm.Ausfallend ist bei diesem Übersetzer Goethe's und Lessing's nur, daß er zugleich fürKotzebue eine ganz besondere Vorliebe bekundete. Überhaupt war Kotzebue, nebenLafontaine, seinerzeit ein sehr angesehener Autor in England. Seine Lustspiele undRührstücke wurden so gut übersetzt wie seine Schriften: „Die jüngsten Kinder mei-ner Laune" und „Das merkwürdigste Jahr meines Lebens". Die letztere Schriftwurde von Phillips übersetzt, und dieser machte damit ein so gutes Geschäft, daß erdiesen „most rsnowncl grill oslsbrstsll Lotösbus" einlud, nach London zu kommenund in seinem Hause alle Bequemlichkeiten englischer Gastfreundschaft zu genießen,unter der einzigen Bedingnng, ihm behufs einer Übersetzung Alles, was Kotzebueetwa über England schreiben würde, sofort im Manuscripte mitzutheilen. Der na-mentlich durch sein Lustspiel „l'ks sodoo! kor sosnäsi", bekannte dramatische Dich-ter und berührte Parlamenksredner Richard Brinsley Sheridan hielt es sogarnicht unter seiner Würde, Kotzebue's „Pizarro" ins Englische zu übersetzen. Wieman auch über Kotzebue denken mag, leugnen kann man nicht, daß sein sittlicherund literarischer Einfluß seinerzeit ein europäischer war. Doch fällte bereits das„Lciindurgk inontiil^ rsvisv" im Jahre 1820 ein sehr abfälliges Urtheil über ihnund warf ihm Gemeinheit der Gesinnung vor.

Man wird aus dem Mitgetheilten erkennen, daß schon vor dem Erscheinen desBuches der Frau von Stael über Deutschland die Theilnahme an deutscher Literatur inEngland nicht gering, obschon von etwas späterm Datum als in Frankreich war. .DaßDichter, wie Walter Scott, Shelley und Coleridge, aus der deutschen Literatur schöpf-ten, ja durch sie recht eigentlich zum poetischen Schaffen angeregt wurden, war eingroßes und beredtes Ehrenzeugniß für die deutsche Poesie. Aber allerdings trug dasBuch der Frau von Stael wesentlich dazu bei, noch sehr viele gegen die deutsche Literaturbestehenden Vorurtheile auch in England hinwegzuräumen und das Bedürfniß, sichmit ihr zu beschäftigen, allgemeiner zu machen. Das Wort der Stael, einer gesell-schaftlich und literarisch hochstehenden Autorität, war von entscheidendem Gewicht.Ihre Schrift wurde in den englischen Blättern lebhaft und ausführlich besprochen,und viele deutsche Dichter und Schriftsteller, namentlich die der romantischen Schule,wurden jetzt erst in England bekannt; denn vorher war man über die Namen Klop-stock, Bürger, Lessing, Kant, Goethe, Schiller und allenfalls Kotzebue nicht vielhinausgekommen.

Was in Bezug auf die Anerkennung der deutschen Literatur Frau von Stael fürFrankreich und dadurch Europa war, das wurde für England speciell ThomasCarlyle. Seine beiden ersten Werke, mit welchen er in die Öffentlichkeit trat, wa-ren eine Huldigung, die er den beiden größten Heroen der deutschen Poesie dar-brachte, nämlich eine Lebensgeschichte Schiller's und eine Übersetzung von „WilhelmMeister's Lehrjahren" (1821), wozu sich später noch eine Übertragung der „Wander-jahre" gesellte. Außerdem arbeitete er drei Jahre lang an einer Anthologie der deut»schen Poesie, die im Jahre 1828 unter dem Titel „O-srman romsnos" in vierBänden erschien. Sie enthält übersetzte Proben aus den verschiedenen Werken deut-