268
Deutsche Literatur im Auslande»
pieees" von I. Pym Zohnston 1839» eine Anzahl von Gedichten ferner von I. H.Merivale unter dem Titel: „Iks minor posms ok Sokillsn ok tks sooond and tki'rckpsriocis" (1843), und die Gedichte vollständig von dem berühmten RomanschriftstellerEdward Lytton-Bulwer unter dem Titel „Iks posnm and ballads ok SotnIIsn"(1844). Edgar Alfred Bowring übersetzte noch im Jahre 1853 die Goethe'schenGedichte, wie er schon früher (1851) die Schiller'schen sammt seinen „suppressockpisoos" übersetzt hatte, wobei er sich die Mühe nahm, die Originalmetra beizubehal-ten, ohne jedoch die gleiche Mühe aus Präcision des Ausdrucks und auf melodischeVollendung des Versbaus zu verwenden. Eine gewisse Gewandtheit wird seiner immer-hin dankenswerthen Arbeit nicht in Abrede gestellt. Eine Auswahl aus Schiller's undGoethe's Gedichten übersetzte Swanwick. Einige Gelehrte versuchten sogar, nach deut-schem Muster den Hexameter in England einzuführen. So übersetzte WhewellGoethe's „Hermann und Dorothea", von ihm für das schönste Gedicht neuerer Zeitgehalten und nach ihm auch noch von Cochrane übertragen; ferner Sir John HerschelSchiller's „Spaziergang" und Erzdechant Hare Goethe's „Alexis und Dora" in eng-lischen Hexametern. Seine „Lebenserinnerungen" wie seine „Farbenlehre" (letztere vonEastlake) sind ebenfalls übersetzt. Goethe's Leben beschrieb Browning in zwei Bän-den, und im Herbst 1855 gab G. H. Lewes eine umfassende Arbeit über Goethe unterdem Titel heraus: „lüs liks snä rvorics ok 6ostüs. ^Vitli sicsteüss ok bis sgo andoontsinpoesi-lss", ein ebenso umfassendes als gewissenhaft ausgearbeitetes und aus ge-sunden Principien beruhendes Werk, das unter Andern: auch einige interessante Mit-theilungen des Humoristen und Romanschriftstellers Thackeray über Goethe und denGoethe'schen Kreis in Weimar aus dem Anfange der dreißiger Jahre enthält. DasBuch ist Carlyle gewidmet als Demjenigen, der in England zuerst ein tieferes Ver-ständniß Goethe's vorbereitet habe. Eckermann's „Gespräche mit Goethe", die, wieauch der Schiller-Körner'sche Briefwechsel und „Goethe's Briefwechsel mit einemKinde", ebenfalls ins Englische übersetzt worden, sind darin vielfach, aber kritisch be-nutzt. Auch erschien 1854 eine neue Übersetzung des „Werther", der „Wahlverwandt-schaften" und mchrer kleinerer Goethe'scher Erzählungen, gesammelt bei Bohn in Lon-don unter dem Titel: „ldostbs's novsls snä Miss." Was die „Wahlverwandtschaften"betrifft, so werden diese in England niemals besonderes Glück machen, da die Eng-länder und namentlich die Engländerinnen in ethischer Beziehung bekanntlich etwasprüde sind, und schon Das für bedenklich hallen, daß in Deutschland so viele Federnthätig wären und sind, diesen Roman von dem ihm häufig gemachten Vorwürfeder Unmoralität zu retten; denn, meinen sie, ein Werk, welches die Sittlichkeit insich selbst trägt, bedarf keines Advocaten. Dagegen erkannte man an den „Wahl-Verwandtschaften", wie überhaupt an der Goethe'schen Prosa die Klarheit, Natür-lichkeit und Einfachheit des Stils bewundernd an und zollte ihr um so größere» Lob,je mehr der Engländer an der deutschen Prosa gerade diese Eigenschaften zu vermissengewohnt ist. Im Allgemeinen mußten aber viele Vorurtheile gegen deutschen Geistund deutsche Literatur gestürzt worden sein, ehe es dahin kam, daß ein Kritiker des„Läinburzü rsvisv" Schiller's „Wallenstein" das seit Shakspeare erschienene größteDrama nannte, und ein anderer ihn als dramatischen Dichter Shakspeare sogar zurSeite stellte, abgesehen vom Humor, welcher Schiller gänzlich versagt gewesen, wäh-rend Shakspeare gerade durch ihn alle Mitbewerber überflügelt habe. In die Pe-riode, von der wir hier sprechen, fällt auch eine Übersetzung von Wieland's „Gan-delin" (von Hope), von Lessing's „Laokoon", Fabeln und Epigrammen und eineneue von Bürger's „Lenore" von Cameron, mit Illustrationen von Maclise.
Die Huldigungen, die um diese Zeit Shakspeare in Deutschland, namentlich vonSeite der Romantiker, der Schlegel, Tieck u. s. w. zutheil wurden, gaben übrigensein neues Bindemittel zwischen beiden Völkern und ihren Literaturen ab. Die Eng-länder fühlten sich in diesen Huldigungen eines Volks, aus dessen Schoose in letzterZeit selbst Dichter vom ersten Range hervorgegangen waren, nicht wenig geschmei-chelt und erkannten darin das beredte Zeichen ursprünglicher «elterlicher Verwandt-