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Deutsche Literatur im Auslande.
Beharrlichkeit im Festhalten des Alten, das er nicht eher für eine neue Sache auf-gibt, als bis er sich von dem wirklichen Nutzen derselben vollkommen überzeugt hat,seine Scheu, an altgültigen Satzungen zu rütteln, machen ihn gegen die deutschephilosophische Speculation verschlossen und unzugänglich. Die deutsche Metaphysikist ihm ziemlich gleichbedeutend mit Mystik, obschon doch andererseits manche mysti-sche Excentricitäten, wie die Doctrin Jakob Böhme's und anderer Mystiker, derSwedenborgianismus, Gall's Schädellehre, der Mesmerismus, der Odmagnetis-mus u. s. w. sich seinerzeit, weil man von ihnen Resultate für das praktische Lebenerwartete, viele Anhänger in England erworben, freilich auch meist bald wieder ver-loren haben. Aber noch bis auf die letzte Zeit vertheidigt der Engländer die soge-nannte schottische Philosophie und die Systeme Locke's und Hume's wie ein natio-nales Bollwerk gegen die mehr und mehr andringende Macht der deutschen philoso-phischen Systeme, namentlich gegen diejenigen Schelling's. und Hegel's, wie diesunter Antstrm durch Reid und Dugald-Stewart geschah. Der Brite setzt nur Fußfür Fuß, und thut nicht eher einen Schritt, als bis er weiß, daß er festen Bodenvor sich hak; aber er kommt dabei, wenn auch langsam, doch sicher vorwärts. Mankann in Wahrheit sagen, daß er auch in Bezug auf die Philosophie vorwärtsge-kommen ist, das heißt etwa bis zu Kant, der doch allmälig beginnt als eine Auto-rität zu gelten, auf die man sich in solchen Dingen einigermaßen verlassen kann.So erschien erst im Laufe des Jahres 1833 Kant's Hauptwerk unter dem Titel:„ Lritigus ot purs rssson. Irsnslstscl krom tks (tormsn ok Iminanusl KantI. K. v. Akoilelsjolm." Die Lockianer betrachten freilich auch jetzt noch diesen Versuch,Kant in England einzubürgern, als einen sehr bedenklichen und gewagten, als einabzuwehrendes Attentat gegen die alten Gerechtsame des Sensualismus. Deutschephilosophische Schriften werden daher in englischen Journalen auch nur selten be-sprochen oder nur mit einem spöttischen Tone über diese curiosen Deutschen, welchesich in die höchsten Regionen der Lust erheben und darüber vergessen, sich auf demfesten Erdboden recht behaglich einzurichten. Die Engländer fragen, welchen reellenNutzen wir doch von unsern dialektischen Denkprocessen haben; sie vermissen in un-sern philosophischen Terminologien allen oommon ssnss, und in der Grundlage derSysteme selbst einen echtsittlichen Inhalt; sie meinen in dem religiösen Jndifferen-tismus und im Atheismus, den sie uns vorwerfen, in diesem anmaßlichen Sicherhebendes Subjects über allen Autoritätsglauben die unseligen Früchte dieses Transscenden-talismus zu erkennen, der naturgemäß wieder aus sich den rohen Materialismus alsGegensatz erzeuge. Sie erkennen in diesen Speculationen gewissermaßen nur ein be-quemes Sichlosreißen von allen praktischen Foderungcn und den opfererheischendenPostulaten bürgerlichen Gemeinsinnsl Doch hat in letzter Zeit die Schopenhauer'-sche Philosophie mit ihrem etwas herbem Erdgeschmack, ihrer Opposition gegen dieLustgebilde des Transscendentalismus und ihrer im Princip des Mitleids ihren Kernfindenden Ethik hier und da Beifall in England gefunden, wie unter Anderm einlängerer Artikel in dem „V^sstminstsr roviscv" beweist, worin das Schopenhauer'scheSystem zergliedert und als ein viele praktische Elemente in sich schließendes der Beach-tung empfohlen wurde. Auch die „Briefe über die Schopenhauer'sche Philosophie" vonFrauenstädt, diesem „rvsll guslillöck intsrpistsr ot' tks IHsnIclort ssgo", sind nichtunbemerkt in England geblieben. Das Werk von Chalybäus: „Historische Entwicke-lung der speculativen Philosophie von, Kant bis Hegel", wurde von dem GeistlichenEdersheim ins Englische übersetzt. Überhaupt fehlt es nicht an Einzelnen, welcheden Fortschritt, den die Entwickelung des menschlichen Geistes vermittels der deut-schen philosophischen Speculation doch unleugbar gemacht hat, willig erkennen undanerkennen. Dahin gehört Samuel Lucas, der in seiner 1853 erschienenen Schrift„Uistor^ ss s oorMtion ok sooisl progress" namentlich die Verdienste Herder'shervorhob, indem derselbe Vico's bis dahin nicht verstandenem System zuerst Zu-sammenhang gegeben und den Gegenstand desselben als den zugleich ästhetischen,