278 Deutsche Literatur im Auslande.
Engländer; er ist weniger vom Dämon des Materialismus und des Erwerbssinnesbefangen, selbstbeschaulicher, treuherziger, gemüthlicher und sinniger, wozu auch dieNatur des Landes das Ihrige beitragen mag. Walter Scott und Carlyle warenSchotten. Das „Lciinburgk rsvisvo" hak, wie schon bemerkt; seinerzeit für dieVerbreitung der deutschen Literatur in Großbritannien durch zahlreiche und gediegene,zum Theil wahrhaft epochemachende Artikel über Deutschland und deutsche Literaturmehr als jedes andere in englischer Sprache geschriebene Journal beigetragen, wäh-rend es jetzt, Wie auch das „tzusrtsrlz- rsvisvv", freilich viel weniger als sonst indieser Richtung wirkt und überhaupt von seinem frühern regsamen Geist viel einge-büßt hat. Auch das „Läinburgü msgs^ins" widmete unter Wilson's Leitung derdeutschen Literatur große Aufmerksamkeit, nahm jedoch später, je toryistischer sein Re-dacteur wurde, mehr und mehr einen gewissen Ton der Geringschätzung und Vor-nehmheit, selbst Schmähung an. Unter den Zeugnissen von der Theilnahmeschottischer Männer an deutscher Sprache und Literatur ist wol das merkwürdigstefolgendes in Edinburg 1854 erschienene Büchlein: „Ion Seottisk songs rsnäsrsäiirto Ksrmali. rv. 8. Uaoäonslcl os kammersoalss." Wir haben also hier einenSchotten vor uns, der sich an die selbst für Deutsche schwierige Aufgabe gemachthat, Lieder aus, seiner Landessprache rhythmisch in das Deutsche zu übertragen.Man kann die Übersetzung, der einige Scottismen und Naivetäten einen ganz eige-nen Reiz verleihen, nur gelungen nennen. Macdonald bemerkt im Vorwort, daß erdiese Gedichte hauptsächlich herausgegeben habe, um die nahe Verwandtschaft inKlang, Rhythmus und Musik zwischen der schottischen und deutschen Sprache ansLicht zu stellen. Unter den londoner Blättern beschäftigen sich gegenwärtig dasursprünglich nach dem Plane eines Deutschen gegründete und eingerichtete „4tns-oaoum", das viele gründliche Besprechungen deutscher Werke und nicht selten sogarAuszüge aus neuern deutschen Dichtungen in rhythmischer Übertragung bringt, unddie „lateral-^ garstts", ferner das „IVsstrninstsr rsvisvv" vorzugsweise mit deut-scher Literatur. Insofern vermißt man die 1859 von den Buchhändlern Black undArmstrong unternommene, später aber eingegangene „korsign gusrtsriv rsvisw"'weniger. Frühere Versuche, deutsche Blätter in London zu begründen und ihneneine Existenz zu sichern, sind gescheitert, wol nicht unverschuldet, da Ton undInhalt meist sehr wenig geeignet waren, ihnen unter den in England residirendengebildeten Deutschen und unter den deutsch verstehenden Briten selbst ein Publicumzu verschaffen. Ob die neuen Unternehmungen dieser Art, das „Deutsche Athenäum",ein kritisches Blatt, und das politische, mit einem Feuilleton versehene „Londonerdeutsche Journal" mehr Erfolg haben werden, ist abzuwarten. Jedenfalls werdensie auf eine dauernde Existenz nur dann Anspruch haben, wenn es ihnen gelingt, dieMittel und die richtige Methode zu finden, die es ihnen möglich macht, an Inhaltund stilistischer Form mit den bessern englischen Blättern die Concurrenz zu bestehen.
Der Anerkennung des deutschen Geistes und Talents war während der letztenDecennien auch der Aufschwung förderlich, zu welchem sich die Künste während die-ser Zeit in Deutschland, namentlich in Berlin (Architektur, Sculptur), in Düsseldorf(Malerei), in München (Architektur, Malerei, Sculptur), in Dresden, Wien undandern deutschen Städten erhoben. Man war überrascht zu sehen, in welcher Füllesich in diesen Städten wüste Stellen mit herrlichen Gebäuden, öffentliche Plätze mitStatuen, Wände in Palästen, Kirchen und Kunsttempeln mit Fresken bedeckten.Man reiste nun auch nach Deutschland, um diese Wunder anzuschauen und Kunstzu studiren, und brachte Eindrücke mit nach England zurück, welche den National-geist anspornten, auf diesem Gebiete hinter dem längere Zeit so verachteten Deutsch-land nicht zurückzubleiben. Die Frescomalerei insbesondere wurde erst durch deutscheKünstler wieder ins Leben gerufen, und als man den Plan faßte, das neue Par-lamentsgebäude mit Fresken zu schmücken, war es Altmeister Cornelius, dessen Rathzuvörderst einzuholen man für unerläßlich fand. Auch ist es möglich geworden, einejährliche Kunstausstellung deutscher Bilder in London zu eröffnen, und obschon die