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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

Kritik in einigen Blattern, die überhaupt der deutschen Kunstrichtung nicht sehr ge-wogen sind, Allerlei, namentlich an den Landschaften auszusetzen hatte, so fandensie doch in andern, z. B. „Daily iww8", sehr enthusiastische Anerkennung und unterdem Publicum viele warme Freunde. Auch die große Industrieausstellung bewiesden Briten zur Genüge, daß die Deutschen, denen sie schon früher, durch Königund-Bauer, die Erfindung und Einführung der Schnellpressen zu verdanken hatten,in manchen Industrie- und Kunstzweigen mit Ehren bestehen, in einigen sogares mit den in dieser Hinsicht entwickeltsten Völkern aufnehmen könnten. Was diedeutsche Musik betrifft, so hat diese in England seit Händel immer eines großenRufes und einer sorgsamen Pflege genossen, und stets haben uns die Briten aufdiesem Gebiete willig den Vorrang zugestanden. Weber, der für London seinen„Oberon" nach einem englischen Text componirte, wurde mit seinem „Freischütz" sopopulär, daß ein Pseudonymus, Septimus Globus, eine Travestie: „Dsr ^rsisoküls",auf ihn verfaßte, die dann mit zwölf Caricaturen von Cruikshank und der dem Kind'-schen Text zugrunde liegenden Originalerzählung versehen erschienen ist. DeutscheLieder, besonders die von Schubert, sind in den londoner Salons vorzugsweise be-liebt; deutsche Muster sind es, denen die englischen Komponisten, deren es freilichnicht sehr viele und keine sehr bedeutende gibt, nachstreben; ernste deutsche Meister, beson-ders Beethoven, Spohr und Felix Mendelssohn-Bartholdy, der namentlich in Chorley'sWerk „On musio in Lsrmsny" hochgeseiert wird, stehen bei den eigentlichen Musik-kennern in viel höherer Gunst als die französischen und italienischen Meister, obschonihre Anhänger sich gefallen lassen müssen, von den Liebhabern der welschen Musik,deren es natürlich in England so gut wie in Deutschland gibt, scherzweise die „deut-sche Legion" genannt zu werden. Einige Jahre hintereinander hatte man in LondonGelegenheit, deutsches Schauspiel zu sehen und das deutsche Talent auch von dieserSeite achten und schätzen zu lernen. Einzelne Schiller'sche Dramen, wie „WilhelmTell" und „Die Braut von Messina", erwarben sich „durch diese Darstellungen einegroße Zahl von Verehrern, während die Schlegel'sche Übersetzung des „Hamlet" Vie-len zuerst die Augen über die nahe ursprüngliche Verwandtschaft zwischen den Idio-men beider Völker öffnete. Selbst solche graziöse Tänzerinnen und Sängerinnen, wieFanny Elsler und Henriekte Sontag, kamen der deutschen Nation zugute, da durchihre Erscheinung der früher fast allgemein für gültig gehaltene Satz gründlich wider-legt wurde, daß man bei den Deutschen Anmuth vergebens suche.

Zwar fehlt es noch immer nicht in England an abfälligen arroganten Stim-men über die Deutschen, namentlich in der toryistischen Presse. Das „Eentlsman'srnggarins" sprach erst jüngst von „stoliä, üsavy Osrmgns" und „mumwiss"; der„Stanclarci" nannte die deutsche Poesie „monströs extravagant", unsere Philoso-phen bloße „Querköpfe" und unsere gesammte Gelehrsamkeit einen an den hollän-dischen Gelehrten begangenen Diebstahl; doch das sind nur vereinzelte Ausbrüche desenglischen Stockjunkerthums. Mehr muß man sich über die Oberflächlichkeit der„psnnv snoyclopasäia", von der man doch einige Gründlichkeit erwarten sollte,wundern, indem sie noch im Jahre 1838 Dichter, wie Gärtner, Götz, Götter, Kose-garten, Tiedge, Rammler u. s. w., zu den Koryphäen der deutschen Literatur rechnete,dagegen Lessing und Bürger mit drei Zeilen abfertigte und den schwedischen Ge-schichtschreiber Geiser unter den deutschen Autoren ausführte; oder wenn ein bedeu-tendes literarisches Blatt Schiller als den Dichter des „Clavigo" nannte. Aber auchin Journalen, die sich zu Zeiten mit der deutschen Literatur aufs gründlichste be-schäftigen und ihrer Anerkennung Bahn gebrochen haben, wie in dem „kclindurgürsvisvv" und in dem eingegangenen „korsizu quartsrlv revis^v", begegnete manmitunter den wunderlichsten Aussprüchen. So sagte das erstere in einem Artikel überLessing noch im Jahre 1846: die deutsche Literatur sei erst von gestern, und obschon sie inihrer kurzen Laufbahn übermäßig productiv gewesen, habe sie doch nicht das Zehntelvon dem Reichthum der englischen erlangt und werde ihr auch wahrscheinlich nie anKraft und Fülle gleichkommen; etwa ein oder zwei große Autoren ausgenommen, unter