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Deutsche Literatur im Auslande.
gegen die englische Verfassung in Schriften und Zeitungsartikeln unterhalten wird,ist nicht sehr geeignet, unsern emigrirten Landsleuten die Sympathien denkender undverfassungstreuer Engländer zu gewinnen, zumal der Brite selbst, wenn auch alsNation in seiner äußern Politik gewaltthätig, doch als Resident in fremden Länderngewohnt ist, die bestehenden Staats- und Nationaleinrichtungen zu respcctiren. Ohne-hin macht sich seit der Allianz mit Frankreich in manchen Kreisen ein gewisses Ko-kettiren mit französischen Geschmacksrichtungen und eine künstliche affectirte Anti-pathie gegen germanisches Wesen bemerkbar. Indessen wird diese Richtung, wie sieeine auf wenige Coterien beschränkte ist, auch jedenfalls nur eine vorübergehende sein.In welcher Ausdehnung das Studium der deutschen Sprache in England betriebenwird, davon zeugen unter Anderm die zahlreichen ausdrücklich oder vornehmlich fürBriten verfaßten deutsch-englischen Grammatiken, die theils in England selbst, theilsin Deutschland (z. B. die beliebte Grammatik von Ahn) im Buchhandel erscheinenund es sehr oft zu vielen Auflagen bringen, wie die jetzt wirklich auffallend großeNachfrage nach Lehrern der deutschen Sprache in England.
In Rordämerika. -
Alles was in England geschieht, um die Kenntniß deutscher Literatur undSprache unter den Briten zu verbreiten und allgemeiner zu machen, kommt begreiflicher-weise auch den Vereinigten Staaten zugute. Doch sind diese uns im Grunde fast nochwichtiger, da sie bereits für Hunderttausende unserer Landsleute Heimat und Vaterlandgeworden sind und jährlich neue Zuflüsse deutscher Auswanderung in sich aufnehmen.Amerika ist mithin ein Land, wo das deutsche Element, wenn es seine Aufgabe richtigbegreift und erfaßt, sich auf eine große Zukunft Rechnung machen kann. Auchdarf man sagen, daß unter den wirklich gebildeten Anglo-Amerikanern das .Studiumund die Einflüsse deutscher Literatur und Wissenschaft, was namentlich die theolo-gischen und philosophischen Disciplinen betrifft, fast größere Fortschritte gemachthaben als unter den Engländern selbst. So sagt Frederike Bremer in ihremunter dem Titel „Die Heimat in der Neuen Welt" auch deutsch erschienenenTagebuch über ihren Aufenthalt in Nordamerika: „Die deutsche Literatur ist seiteinigen Jahren weit in die nördlichen Staaten eingedrungen und hat bedeutendenEinfluß auf die studirende Jugend gewonnen, namentlich die Gemüther für die Idealedes Lebens geweckt." Ähnlich sagte das „blortb ^msriosn revisw", das wie dasneuyorker Journal „Ibs obristiau examiusr sncl gsnersl rsvlsvv" bereits seit An-sang der zwanziger Jahre viele vortreffliche Aussähe über deutsche Literatur undPhilosophie gebracht hat, schon im Jahre 1840: „Auf einigen unserer Kollegien, na-mentlich aus der Havard-Universität, gibt es keinen Studirenden von nur einiger-maßen höherer literarischer Bildung, der die deutsche Sprache nicht, wenigstens ihrenElementen nach, innehat. Schon ist es dahin gekommen, daß die Ansichten deut-scher Philosophen und Theologen einen nur zu merklichen Einfluß üben." LetztererKlage begegnet man übrigens sehr häufig, und sie beweist, daß der Einfluß deutscherIdeen mächtig genug um sich gegriffen haben muß, um ihr wenigstens einen schein-baren Halt zu geben. Der freisinnige Denker Theodor Parker, Geistlicher einerCongregationalistengemeinde in Boston, hat in. seinen „Kritischen und vermischtenSchriften" (deutsch von Johannes Ziethen, Leipzig 1854—55) mit großer und ein-dringender Wärme diese Ansicht von der Verderblichkeit des Einflusses deutscherWissenschaft und Philosophie zu widerlegen gesucht. Parker, der selbst ganz aus demBoden deutscher wissenschaftlicher Forschung steht, sogar Strauß' „Leben Jesu" alsdas merkwürdigste und epochemachendste theologische Werk anerkennt, welches seit etwa150 Jahren, seit Richard Simon's „Kritische Geschichte des Alten Testaments" erschienenist, behauptet sogar, daß sich keine europäische Literatur so wie die deutsche durch ihrereligiöse Weihe auszeichne, wenn es ihr auch allerdings an leichtfertigen Schriftennicht fehle, die jedoch vergänglicher Art seien und bei Beurtheilung der deutschenLiteratur im Ganzen und Großen nicht in Betracht kommen könnten. * Er selbst