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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

komme öfters mit Männern und Frauen zusammen, die in dieser von Vielen füranstößig gehaltenen Literatur wohl belesen seien, aber er könne versichern, daß siemeist, ja ohne Ausnahme, harmlose Personen seien. „Nach unserm Dafürhalten",sagt Parker, „ist die deutsche Literatur die schönste, die reichste, die ursprünglichste,die frischeste und religöseste Literatur der ganzen neuern Zeit." Und weiter: „Wirstehen nicht an zu behaupten, daß in unserm Jahrhundert nicht Ein griechischer oderrömischer Klassiker in einer erträglichen englischen Ausgabe erschienen ist, außer mitHülfe eines deutschen Gelehrten.. .. Wo sind die englischen classischen Gelehrtenunsers Jahrhunderts, die sich neben Wolf, Heyne, Schweighauser, Wyttenbach, Böckh,Hermann, Jacobs, Siebelis, Hoffmann, Siebenkees, Müller, Kreuzer, Wellauer undAst stellen dürften? Ja, wo finden wir nur einen zweiten Dindorf, Schäfer, Stall-baum, Spitzner, Böthe, Becker und noch viele Andere? Denn wir haben blos Dieniedergeschrieben, die uns gerade einfielen. Welcher englische Mann unsers Jahrhundertskann neben den geringsten von Diesen genannt werden? Auch nicht einer. Siearbeiten, und wir können in ihre Arbeiten eintreten, wenn wir nicht große Thorensind. Wer schreibt alte Geschichte, wie Niebuhr, Müller und Schlaffer? ... In Be-ziehung auf allgemeine Cultur- und Sittengeschichte hat England in diesem Jahr-hundert nichts auszuweisen, was den großen Werken von Hammer, Wilkens undSchlaffer gleichstünde. Wer hat die Grammatiken und Wörterbücher geschrieben,mittels deren wir das hebräische und griechische Testament lesen? Nun, die Deut-schen. Wer hat kritische Einleitungen in die Heilige Schrift geschrieben, die unsbeim Studium der Heiligen Schrift große Hülfe leisten? Nun, die Deutschen. Werhat am besten und allein die Lehren der Bibel entwickelt und sie philosophisch undpraktisch erklärt? Nun, wiederum die Deutschen. Welches Werk der Theologie,das allgemeine Aufmerksamkeit verdient oder erregt hätte, ist in unserm Jahrhundertin England geschrieben worden? Wir kennen keins. In Deutschland sind solcheWerke zahlreich." In dieser Weise geht Parker die deutschen Theologen und Kirchen-geschichtschreiber durch, und meint, daß die englischen Autoren, die in demselbenGebiete thätig waren, von den Brocken, die von dem Tische der deutschen Gelehrtenfallen, noch ein reichliches Mahl halten könnten. Es seien unter den Deutschen,sagt er weiter, im Lauf eines halben Jahrhunderts vier Philosophen aufgetreten , diein jeder Zeit ausgezeichnet gewesen wären, und die in Zukunft mit Plato, Aristoteles,Bacon, Cartesius und Leibniz unter den großen Denkern der Welt würden genanntwerden: Kant, Fichte, Schelling und Hegel. „Diese Männer", sagt er, „waren alleDenker — tiefe, mächtige Denker. Sie knieten ehrfurchtsvoll mit religiösem Herzenvor der Natur nieder und stellten ihre Fragen an sie. Sie saßen am Brunnen derWahrheit und schöpften hieraus für sich und die Welt. Nehmen wir Kant allein:im ganzen Bereich des Gedankens kennen wir Keinen, der höher stände als er."Parker geht alsdann zur deutschen Poesie und den schönen Wissenschaften über, undfindet die Deutschen auch hierin „ausgezeichnet". An die dürftigen Nachahmer derVerneinung und der Unnatur Byron's, die, wie die Nachahmer Walter Scott's,in Deutschland sehr häufig seien, dürfe man sich nicht stoßen. Im Ganzen seiauch die poetische Literatur der Deutschen höchst ursprünglich, und in Bezug auf dieFrische habe sie nicht ihres Gleichen seit den Tagen des Sophokles. „Wer", fragtParker, „soll sich mit Wieland und Lessing, den Schlegel, Herder, so süß und schön,Jean Paul, Tieck und Schiller und Goethe messen? Wir brauchen nicht geringereNamen zu erwähnen und nicht noch mehre von gleichem Werthe hinzuzufügen." DasEinzige, was Parker, wie alle Engländer und Anglo-Amerikaner, beklagt, ist: „daßdiese klaren Denker so dunkel schreiben können, wie es einige thun, und daß Philoso-phen und Theologen zufrieden sind mit ihrem schlotterigen Stile, nachdem Goetheso lichtvolle Prosa geschrieben hat." Es darf leider nicht geleugnet werden, daß einigedeutsche Literaturgeschichtschreiber, unter denen W. Menzel obenan steht, dazu bei-getragen haben, den Vorurtheilen gegen die deutsche Literatur, als ob diese eine sittcn-verderbliche sei, auch in Nordamerika Vorschub zu leisten. Auch Parker knüpfte seinen