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Deutsche Literatur im Auslande.
mcntlich mit dem preußischen Schulwesen. Beachtenswert!» ist auch die im Jahre1833 erschienene Schrift des Nordamcrikaners Charles Loring Brace: „Homo lilein Osrm-in^", worin es nicht an anerkennenden Urtheilen, aber auch nicht an Vor-würfen fehlt, die sich namentlich gegen den angeblichen Mangel an religiösem Lebenin Deutschland richten.
Aus dem Fache der eigentlichen Belletristik wird in Nordamerika Manches ins Eng-lische übersetzt. Wunderbar genug wird unter den deutschen Novellisten, außer Zschokke,in diesem Lande des Realismus der ritterliche und romantische Fouqus, unzweifelhaftwegen seiner auch unter den Frauen Englands so sehr beliebten „Unding am meistengeschätzt oder gelesen. Übersetzt wurden ferner in Nordamerika mehre Romane Seats-field's, van der Velde's, von dessen Erzählungen 1837 in Boston eine Auswahl un-ter dem Titel: „Islss lrom tko Osrms»", von N. Greene übersetzt, erschien, mehre Er-zählungen Hackländer's, Auerbach's „Schwarzwälder Dorfgeschichten", Robert Giseke's„Pfarr-Röschen", letzterer Roman unter dem Titel: „Iks ross ok tks pursonsks:sn ickM ok our orvu tünss" (Philadelphia 1854). Aus dem Vorwort zu dieserÜbersetzung, in welchem Giseke ein Schriftsteller genannt wird, dessen Stimme zumHerzen sprechen müsse, weil sie frisch vom Herzen komme, dürften einige Stellen hieram Platze sein, weil sie ungefähr zeigen, was die eingefleischten Nordamerikaner vonder deutschen Romanliteratur halten. Die deutschen Schriftsteller, sagt der Über-setzer (oder die Übersetzerin), zeichneten sich, entweder vermöge einer besondern Eigen-thümlichkeit oder des großen Reichthums ihrer Sprache, als Wortmaler aus, undbesäßen in seltenem Grade die Fähigkeit, in einigen kurzen Sentenzen eine Scenedarzustellen, deren kleinste Details durch die in den Worten selbst liegenden Grund-elemente ausgemalt würden. Der bewundernde Leser finde oft in einem einzigendieser dehnbaren Worte, welche zugleich der Reiz und der Reichthum der deutschenSprache seien, Ideen verkörpert, deren Fülle im Englischen durch weitschweifige, ver-wickelte Umschreibungen kaum annähernd wiedergegeben werden könnten. Die Vor-theile, welche die Romandichtung von dieser Eigenthümlichkeit der deutschen Spracheund des deutschen Geistes habe, seien so bedeutend, daß die deutschen Autoren ebensosehr auf diesem Gebiete wie im Gebiete der Wissenschaft in erster Reihe stehenwürden, wenn diese Vortheile nicht an gewissen, dem deutschen Geiste ebenso tiefanhaftenden Mangeln wieder ein Gegengewicht hätten. Der Deutsche habe abereinen zu überwiegenden Hang zur kleinlichen und peinlichen Motivirung, eine krank-hafte Neigung zur Sentimentalität, einen ungeläuterten Geschmack und eine fastehrfurchtslose Kühnheit in der Bloßlegung solcher heiligen Geheimnisse, welche dasHerz in seinem unentweihtern Auslande in sein Innerstes zu verschließen und vorjeder unsaubern Berührung zu schützen liebe. Deutsche Romanschriftsteller könntendaher nur selten daraus rechnen, die Gunst amerikanischer Leser zu erwerben. Trotzdieser gegen die deutsche Belletristik herrschenden Vorurtheile ist in letzterer Zeit sogarder Versuch gemacht worden, den in jeder Hinsicht indiscretesten Schriftsteller derDeutschen, Heinrich Heine,„in Nordamerika einzubürgern, indem seine „Reisebilder"jüngst in einer englischen Übersetzung von C. Leland zu Boston erschienen sind; dochdürfte diesem Versuche schwerlich ein großer Erfolg zu versprechen sein. Ein Hauptsitzder Pflege deutscher Wissenschaft und Literatur ist Boston, das nordamerikanischeAthen, wo unter Anderm im Jahre 1844 Vorlesungen über deutsche Literatur statt-fanden, die. viel besucht wurden, und fortdauernd viele Übersetzungen aus dem Deut-schen erscheinen. In Neuyork wurde im vergangenen Winter vor dem gebildetemdeutschen Publicum ebenfalls ein Cyklus von Vorlesungen über wissenschaftliche Ge-genstände gehalten.
Sehen wir nun zu, wie die gegenwärtig einen so großen Bestandtheil der nord-amerikanischen Bevölkerung bildenden Deutschen bisher ihre Aufgabe erfüllt haben.Im Allgemeinen muß man leider gestehen, daß sie in literarischer und künstlerischerHinsicht ihr Heimatland nicht ganz würdig repräsentiren, nicht, wie man es von denAngehörigen einer Nation zu erwarten und zu verlangen hat, welche in Bezug auf