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Zwöflter Band.
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285
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Deutsche Literatur im Auslande. 285

Geistescultur in erster Reihe steht und unbestritten die bedeutendsten Dichter undDenker neuerer Zeit hervorgebracht hat. Zwar soll nicht geleugnet werden, daß schonfrüher einige tüchtige deutsche Männer wie Hermann, der um das Jahr 1820 den'„Eerman corrospomlont" begründete, Follcnius, Franz Lieber, der unter Andern! in dervon ihm gemeinschaftlich mit Wigglesworth und Bradsord herausgegebenen „Lno^-clapaoüiÄ gmsriosna" das Brockhaus'sche „Convcrsations-Lexikon" sür das nord-amerikanische Publicum bearbeitete und 1835 eine englisch verfaßte, später in Englandnachgedruckte Schrift über Niebuhr („Ilsmmisosnoss c>k an intsroourss oto.") ver-öffentlichte, dann F. Grund und Andere ihre Aufgabe als Sendboten deutscher Culturrecht wohl begriffen und durch die taktvolle und besonnene Haltung ihrer Schriftenund Journalaussätze Manches zum richtigen Verständniß zwischen beiden Nationali-täten beigetragen haben; doch kann man dies von dem letzten Nachschub der deutschenEmigration keinenfalls in gleichem Maße sagen. Das pglitische Unwetter der Jahre1848 und 1849 hat zwar viele nicht ungebildete und selbst nicht geistlose Leute,zu denen selbst der Wühler Karl Heinzen und der jetzt übrigens ziemlich in einenbescheidenen Hintergrund zurückgetretene Struve zu rechnen sind, an den Strand vonNordamerika ausgeworfen, und fast Jeder von ihnen hat spsort ein Blatt oder Blätt-chen gegründet, worin er für seine politischen und socialen Grundsätze Propagandazu machen suchte; aber es herrscht in diesen fast zahllosen deutschen Journalen, einigewenige Blätter wie die deutsche „New-Aorker Staatszeitung" ausgenommen, ein soroher, vulgärer, zänkischer und schmähsüchtiger Ton, eine solche wüste, im Namender Freiheit auf Auflösung alles Bestehenden hinarbeitende, das Urbild der Demokratieverzerrende und oft in den widerlichsten Atheismus ausbrechende Gesinnung, daß sichdie Nordamerikaner, obschon sie selbst an demokratische Preßroheiten hinlänglich ge-wohnt sind, dadurch nur abgestoßen fühlen könn.en. Diese deutschen Bla'tterschreibersprechen zu den Nordamerikanern nicht wie Ankömmlinge, die erst in der praktischenDemokratie Lehre und Unterricht empfangen sollen, sondern wie Schulmeister vornBoden einer hohlen demokratischen Theorie aus, sür deren Verwirklichung im Augenblick noch nirgends Bedingungen vorhanden sind, auch wol niemals vorhanden seiltwerden. Die letzten Streitigkeiten zwischen dem von Julius Fröbel nicht übel redigirten„Sän-Francisco-Journal" und dem von Löhr und Reichert herausgegebenen „Cali-fornia Demoerat" beweisen, bis zu welchem Grade von Abscheulichkeit und Würdelosig-keit es die deutsche Zanksucht zu bringen vermag. Karl Heinzen, dem es an,, Talentund Raisonnirfertigkeit nicht fehlt und der wenigstens den Muth seiner Überzeu-gung besitzt, auch zuweilen mit ganz richtigem Blicke die Lügen und Schwächen dermodernen Civilisation erkennt, hak durch sein rücksichtloses Gebaren mit seinen Journa-len nirgends festen Fuß fassen können und in letzterer Zeit seinen „Pionnier" aus Cin-cinnati wieder nach Neuyork verpflanzt, um hier, durch Erfahrungen keineswegs klügergeworden, sein altes Wesen fortzutreiben, das sowol in religiöser wie in politischerund socialer Hinsicht auf dem rohesten Radicalismus beruht. Was soll man erstvon Misgeburten, wie von der „Nebraska-Wespe" Braunack's sagen, der sich selbst„Braunackius, den souveränen Weltmenschen", „General" und „gehumbugten Schles-Wig-Holsteiner" nennt? Wir beabsichtigen nicht, das häßliche Extrem des Nativismus,den berüchtigten Know-Nothingismus irgend in Schutz zu nehmen, aber daß dieRoheiten und Rücksichtlostgkeiten der deutschen Presse und die provocirende renom-mistische Haltung der Turnergemeinden in manchen Städten ihm gar sehr in dieHände gearbeitet haben, läßt sich wol nicht leugnen., Wollen die Deutschen Einflußbei den Wahlen, Anspruch auf Betheiligung an der öffentlichen Verwaltung undüberhaupt eine geachtete Stellung auf nordamerikanischem Grund und Boden gewinnen,so werden sie dies durch bloße Schmähungen über nordamerikanisches Wesen niemalserreichen. Der Radicalismus hat in Europa und namentlich auch in Deutschland selbstBankrott gemacht; für bankrotte Leute ziemt es sich aber, ein ganz neues, solides Lebenzu beginnen, nicht aber das große Work zu führen und mit Grundsätzen zu prahlen,denen sie ihren Ruin zuzuschreiben haben. Mögen sie doch bedenken, daß die Republik