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Zwöflter Band.
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Das Kaisertum Brasilien und die Freistaaten Südamerikas«

I. Das Kaiserthum Brasilien.

D>ie Cordilleren Südamerikas, nach ihrer höchsten Abtheilung in Chile, Peru undEcuador, Cordillcras de los Andes oder blos die Anden genannt, sind durch die Ein-senkung der Landenge Panama von jenen im Norden gänzlich getrennt. Die Ein-senkung geht herab tief und plötzlich; selbst die Hügel Panamas erreichen kaum dieHöhe von 500 Fuß. Ebenso rasch und plötzlich beginnt die Steigerung wieder jen-seit Panamas. Die dichtgedrängten Ketten wie die Hochflächen des Südens gehensogar höher empor als jene im Norden. Südamerika ist deshalb weniger entwickelt,weniger fruchtbar, und seht der Bildung eines großen Staatenbundes größere Schwie-rigkeiten entgegen. Selbst das Ende der in Zerklüftungen und Felsentrümmern aus-laufenden patagonischen Cordilleren, das berühmte Cap-Hoorn, ein isolirter, nackterschwarzer Felsen, ragt an 5000 Fuß hinauf über die Meeresfläche.

Alle die wiederholten Versuche, im Süden Panamas einen ähnlichen Staaken-bund zu bilden wie dort im Norden, scheiterten aber nur zum Theil an diesen Na-turhindernissen, mehr an dem Wesen der Einwohner, an ihrem Widerwillen gegen-einander. Die geographische Trennung ist hier, wie in gleichem Grade wol seltenauf Erden, auch eine moralisch-politische. Die Anzahl der ursprünglichen, einereuropäischen Bildung, wie es scheint, kaum fähigen Insassen, gemeinhin Indianergenannt, ist noch sehr bedeutend im Süden Panamas. Hierzu kommt die Mengeder Neger, der Farbigen und Mischlinge aller Schattirungen. Die Creolen sind,gleichwie i» Mexico und Mittelamerika, eine durch ihre religiöse und politische Er-ziehung verdorbene Race, welche die Arbeit, Mühe und Wachsamkeit, unumgäng-lich verbunden mit der Freiheit und Selbständigkeit, scheut. Hier kann jeder kühneAbenteurer leicht eine Anzahl ehrgeiziger und raubsüchtiger Genossen finden, sie umsich versammeln, der bestehenden Regierung Trotz bieten, nicht selten diese stürzenund sich an deren Stelle sehen. Immerwährende Umwälzungen, unendbare Zerrüt-tung sind die Folgen hiervon. Nur Brasilien- die einzige Monarchie auf dem ame-rikanischen Festlande — Haiti ist die einzige in der westindischen Inselwelt —, ver-mochte eine gewisse Ordnung zu bewahren, und was hiermit verbunden, einen fort-schreitenden Entwickelungsgang einzuhalten. Die constitutionelle Monarchie scheintin jenem mehr als ein Drittel des südamerikanischen Kontinents umfassenden Landeihre Aufgabe, die Völker an Gesetz und Freiheit zu gewöhnen, zu erfüllen. Diesgereicht ihr aber nur in sehr beschränktem Grade zum Lobe. Die gefährliche Näheund Übermacht des republikanischen Staats im Norden hält die brasilische Monar-chie in einer heilsamen Scheu und Befürchtung, sodaß man in Nio de Janeiro dendespotischen Gelüsten und Übergriffen, welche hier ebenfalls genehm wären, wenigernachfolgen kann und darf als in den andern sogenannten konstitutionellen Staatenauf dem europäischen Festlande. Mit diesem Umstände hängt das Streben zusammen,einen überwiegenden, maßgebenden Einfluß in den übrigen, republikanischen LändernSüdamerikas zu gewinnen und sich gleichsam an die Spitze eines südamerikanischenStaatenbundes zu stellen. Hierzu bedarf es aber einer gewissen freisinnigen Richtungund der Ruhe im Innern, welche so oft durch die Willkür Don» Pedro's I. gefährdetwurde und, wollte man verfahren wie dieser Fürst, immer wieder gefährdet würde.Die ganze Geschichte und Politik Brasiliens, seit seiner Lostrennung von Portugal,dreht sich um diese beiden Thatsachen: Furcht vor der Republik und Hegemonie imSüden. -

, Die Übersiedelung.des Hauses Braganza von Portugal nach Brasilien, woJohann VI. im Januar 1808 landete, enthält die Keime der Selbständigkeit undder Geschichte des Kaiserthums bis auf den heutigen Tag. Ohne das längere Ver-