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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika.

hatte, mußten die Truppen am 18. Nov. 1823 verlassen, dessen Vereinigung mit Bra-silien bald ausgesprochen wurde — ein unbesonnener Beschluß, welcher dem neuen Kai-serreiche alsbald kostspielige auswärtige Kriege und viele Verlegenheiten bereitete. Dieim Innern entstandenen Wirren und Parteiungen sanden nämlich immer an diesenauswärtigen Zuständen ihre Nahrung. Am 3. Mai 1823 eröffnete der Kaiser dieersten constituirenden Cortes Brasiliens mit einer begeisternden, die damaligen Zu-stände scharf bezeichnenden Rede. „Die Cortes sollen ein Grundgesetz schaffen, wel-ches das Land vor despotischen Gelüsten bewahrt, sich aber von theoretischen undmetaphysischen Träumereien fernhält, die, wie die Geschichte Europas seit 1792und 1793 lehrt, keinen Bestand haben können." In den mit großer Leidenschaft ge-führten Verhandlungen über die Antwort auf diese Thronrede stießen die beidenfeindlichen Parteien, die Royalisten und die Liberalen, an deren Letzten: Spitze dieBrüder des Ministers Andrada e Silva standen, hart aneinander. Dom Pedrohielt es mit den Royali-sten; das Ministerium Andrada ward entlassen. Bald her-nach wurden auch die Cortes durch den Staatsstreich vom 12. Nov. 1823 fortge-jagt, 16 Abgeordnete, worunter Andrada e Silva selbst, dann seine beiden Brü-der Antonio Carlo und Francesco, gefangengenommen, verbannt, zu Schiffe ge-bracht und nach Frankreich transportier. Man beschuldigte die Versammlung, siehabe ihren geschworenen Eid, daß sie die Unabhängigkeit des Reichs und der Dy-nastie bewahren wolle, gebrochen. Der Kaiser sei so liberal als möglich. Alsbaldsollten andere Cortes zusammenberufen rverden, welche über eine ihr vorgelegte Con-stilution berathen möchten, die mehr als noch einmal so liberal (clupliosclamontsrnais liberal) ausfallen würde als diejenige sei, welche die aufgelöste Versammlunghabe geben wollen. Zu diesem Ende ward auch in der That noch am 16. Nov.1823 eine Commission zusammengerufen, die in wenigen Wochen, unter dem Vor-sitze des Kaisers, ein Grundgesetz zusammenstellte, welches in den ersten Tageü 1824bekannt gemacht und am 25. März von: Kaiser, vom Erzbischof und von der Mu-nicipalität zu Nio de Janeiro beschworen wurde. Durch eine solche Octroyirung.sollte die Volkssouveränetät beseitigt und das Princip der Legitimität erhalten werden.Englische Vermittelung brachte um diese Zeit bereits Unterhandlungen zustande, welchezum Zwecke hatten, daß das Mutterland Portugal die Unabhängigkeit der ehema-ligen Colonie anerkenne. Es hofften nämlich die Engländer auf einen ausgebrei-teten Handel mit dem neuen Kaiserthume, und von der erwarteten Entschädigungmußte ein großer Theil zur Tilgung der Schulden des Mutterlandes verwendet undbritischen Händen übergeben werden. Der englisch - portugiesische Commissar kam am18. Juli 1825 mit dem hierauf bezüglichen Vertrage nach Nio de Janeiro, wo der-selbe nach vielem und gegründetem Widersprüche von Seiten der patriotischen Parteiam 29. Aug. 1825 unterzeichnet wurde. Brasilien, sagten die Patrioten mit Recht,brauche seine Anerkennung nicht um zwei Millionen Pfund Sterling zu erkaufen,zu deren Zahlung sich nämlich der Kaiser verpflichtet hatte. Wir Brasilier habendie Portugiesen mit den Waffen in der Hand vertrieben; wir herrschen zu Wasser,wir herrschen zu Lande; warum sollen wir uns demüthigen und kaufen, was wirschon längst besitzen? Der Vertrag schadete auch Dom Pedro in der Achtung deSbrasilischen Volks nicht minder als sein gewaltsames Verfahren gegen die constitui-renden Cortes, und die Früchte solches doppelt unklugen Verfahrens ließen nichtlange, auf sich warten. Aufstände erfolgten in den Provinzen Bahia, Pernambuco,Ceara, Parahyba und Nio Grande, sämmtlich in republikanischer Richtung, dadie Weise des nordamcrikanischen Staatenbundes als Muster vorschwebte. Manuelde Carvalho hatte bereits am 12. Juli 1824 das Kaiserthum für erloschen erklärtund zu Pernambuco die „Conföderation des Äquator" ausgerufen, welche erst nachwiederholten Kämpfen beseitigt werden konnte. Buenos-Ayres, welches der Ver-einigung Montevideos mit Brasilien immer widerstrebte, suchte wahrend dieser innernZerrüttung den Geist der Unabhängigkeit in jenem Lande aufzustacheln. Montevideoerhob sich und erklärte unter dem Beistande von Buenos-Ayres seine Unabhängig-