294 Brasilien und Südamerika.
keit am 20.. Aug. 1823. Alle Acte zur Vereinigung mir Brasilien, sowie derfrühere mit Portugal, wurden als. nicht geschehen bezeichnet und eine constitui-rende Versammlung zusammengerufen. Dom Pedro erklärte den Vereinigten Staatenam Rio de la Plata am 10. Dec. 1825 den Krieg. Große Summen wurden aufdas Unternehmen verwendet, und der Kaiser gerieth in finanzielle Verlegenheiten undsah sich gezwungen, die seit langer Zeit zusammengerufene, aber mit Mißachtungbehandelte legislative Versammlung am 6. Mai 1826 wirklich zu eröffnen. Estvar aber dem Kaiser, wie man aus allen Maßnahmen ersehen konnte, kein rechterErnst mit der constitutiönellen Regierungsform. Obgleich man den Krieg gegenBuenos-Ayres und Montevideo mit großem Eifer fortsetzte, brachte es doch der Kai-ser nicht dahin, bedeutende Vortheile zu erringen. Überdies zeigten sich mehre Theiledes eigenen Reichs schwierig, sodaß sich Dom Pedro I. endlich gern zum Friedengeneigt finden ließ, der wiederum durch englische Vermittelung am 28. Aug. 1828zustande kam. Montevideo wurde hiernach von Brasilien getrennt und seine Selbstän-digkeit vom Kaiserreiche wie von der vereinigten Republik am Rio de la Plata an-erkannt. Später geschah dies auch, mittels eigener Verträge, von andern Staaten.
Der Kaiser Dom Pedro I. hatte schon längst das Vertrauen des Landes ver-loren. Die öffentliche Presse, deren Freiheit die Constitution sicherte, war ihm seitlängerer Zeit, entgegengetreten; Geheimbünde entstanden, welche aus seine Entfernungund auf die Erklärung eines Freistaats hinarbeiteten. Man behauptete, und zwarnicht -ohne Grund, der Fürst hätte sich mit einer Camarilla umgeben, welche aufeine Willkürherrschaft lossteure; man wolle auch in der Neuen Welt Volksvertretungund volksthümliches Recht vernichten. Unter solcher Strömung des öffentlichenGeistes wurde zu Rio de Janeiro am 3. Mai 1850 die erste Session der zweitenLegislatur eröffnet. Die Sitzungen der ersten, vielen seiner Wünsche entgegentreten-den Legislatur hatte der Kaiser, bald nach dem Frieden mit Montevideo, bereits imHerbste (3. Sept.) , des Jahres i829 mit folgendem höchst beleidigenden lakonischenDecrete aufgelöst und fortgeschickt: „Erleuchtete und sehr ehrenwerthe Herren Ab-geordnete'der Nation. Die Session ist zu Ende. Der constitntionelle Kaiser undimmerwährende Vertheidiger Brasiliens." Die der Regierung großentheils abgeneig-ten Abgeordneten der zweiten Legislatur erschienen mit der Absicht in Rio deZaneiro, wegen des Hohns, womit die frühere Legislatur weggeschickt worden,Rache zu nehmen.
Kaum hatten die brasilischen Kammern ihre Arbeiten mit Discussion der Re-gierungsvorlagen begonnen, als zu Rio de Janeiro die Nachrichten eintrafen von derfranzösischen Julirevolution von 1850 und den europäischen Bewegungen, welchederselben folgten. Diese Ereignisse fanden sofort auch in Brasilien Anklang undriefen ähnliche Unternehmungen hervor, namentlich zu MinaS Geraes. Der Kaisereilte selbst a» der Spitze einer starken Truppenabtheilung nach diesem Orte. Aufdem Wege dahin trat er in der berühmten Proklamation aus der Stadt OuroPreto (22. Febr. 1851) den republikanisch-föderalistischen Bestrebungen mit solchenWorten entgegen, welche bei der damaligen Volksströmung sein Verbleiben imLande unmöglich machten. „Brasiliep", schreibt Dom Pedro unter Anderm, „wirsind von einer anarchischen Partei bedroht, welche die in besondern Umständen be-gründeten Ereignisse Frankreichs , benutzen will, um die Verfassung umzustoßen. Dasallgemeine Wohl ist ihr gleichgültig; Selbstsucht ist ihr Streben; Eigennutz undpersönliche Leidenschaften sind ihre Triebfedern." Der Kaiser mußte unverrichteterDinge nach der Hauptstadt zurückkehren. Er wollte, wie in Spanien und Portugal,in Italien und Polen geschah, mit Waffengewalt dareinschlagen, aber es fehlte ihmhierzu die Macht. Gekrönte Schicksalsgenossen, die ihm mit ihren Mitteln undTruppen hätten Hülfe leisten können, waren in der Neuen Welt nicht vorhanden.Pedro hatte die Bevölkerung durch seine harten despotischen Reden zu tief beleidigt,und mit solchen hohlen abgenutzten Worten, er wolle Alles für das Volk thun,nichts aber durch das Volk, war nichts mehr zu gewinnen. Das einheimische wie