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Zwöflter Band.
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296 Brasilien und Südamerika.

Christina Leopoldina, gehören am 29. Juli 1846, ward nach dem Grundgesetze zurErbin des Reichs erklärt.

Die Institutionen Brasiliens sind die freisinnigsten, welche jemals unter einerMonarchie eingeführt wurden.. Das octroyirte Grundgesetz vom 25. März 1824,durch die Neformacte vom 12. Aug. 1834 mannichfach verändert, umgestaltet undden Einrichtungen Nordamerikas nähergebracht, hat Brasilien zu einer erblichen kon-stitutionellen Monarchie erhoben, in der Familie des Kaisers Dom Pedro von Bra-ganza. Der Kaiser ist das Oberhaupt der Nation; seine Person ist heilig undunverletzlich. Er führt den Titel: konstitutioneller Kaiser und beständiger Verthei-diger Brasiliens. Die ausübende Gewalt vollzieht - er mittels der Minister. Inder Verwaltung steht ihm ein Staatsrath zur Seite, dessen Zustimmung zu jedemRegierungsact nothwendig ist. Derselbe besteht aus lebenslänglichen, vom Kaiserselbst ernannten Mitgliedern, nach dem besondern Gesetz vom 23. Nov. 1841 undder ergänzenden Ordnung vom 5. Febr. 1842. An der gesetzgebenden Gewalt hatder Kaiser seinen Antheil, indem er die Beschlüsse der Repräsentation bestätigt oderverwirft. Die Repräsentation wird gebildet aus zwei Kammern, den Deputirtenund den: Senate. Die Deputirtenkammer geht aus einer mittelbaren Volkswahlhervor; die Senatoren werden vom Kaiser aus einer dreifachen Liste gewählt, dievon den Wahlmännern, welche die Deputirten zu wählen haben, angefertigt wird.Die Senatoren sind aus Lebensdauer, die nach dem Wahlgesetze vom 19. Aug. 1846aus 104 Mitgliedern bestehende Deputirtenkammer wird alle vier Jahre vollständigerneuert. Die Gerichtsbarkeit wird ausgeübt von unabsetzbaren Richtern, die derKaiser ernennt, und von einem nach englischer Weise angeordneten Schwurgericht.Die Constitution verbürgt Preßfreiheit, das Vereinigungs- und Petitionsrecht, dieöffentliche Schuld und unentgeltlichen Primärunterricht. Kein Brasilier kann ohneNichterspruch in Haft gehalten, noch kann sein Haus ohne einen solchen Spruch vonden Beamten untersucht werden. Eine Nationalgarde, wozu alle Brasilier, mit Aus-nahme der Beamten, bis zum sechzigsten Jahre verpflichtet sind, wacht über die Sicher-heit und beschützt die Unabhängigkeit des Reichs. Die Provinzen erfreuen sich,namentlich durch die Reformacte, großer Unabhängigkeit. Sie besitzen, gleichwie dieeinzelnen Staaten der nordamerikanischen Union, besondere gesetzgebende Versamm-lungen, welche über alle innern Angelegenheiten der Provinz berathen und beschlie-ßen., An der tSpitze dieser Provinziallegislaturen stehen von der Regierung ernanntePräsidenten. Die.Stadtangelegenheiten werden von freigewählten Municipalitätenverwaltet. Brasilien zählt 398 Städte und größere Ortschaften. Der römische Ka-tholicismus ist die Staatsreligion. Die Ausübung jeder andern Religion in Pri-valhäusern oder irr Gebäuden, welche mit Kirchen keine Ähnlichkeit haben, ist ge-stattet. Die Nichtkatholiken genießen gleiche bürgerliche Rechte, können aber nichtals Abgeordnete gewählt werden. Die Bischöfe und alle andern geistlichen Vor-stände werden vom Kaiser eingesetzt.

Brasilien hat, gleichwie Nordamerika, den großen Fehler der ehemaligen spa-nischen Calvinen vermieden. Diese haben-ohne Unterschied allen Racen und Misch-lingen, den Indianern und den Negern, den Mulatten und Zampas, das höchsteRecht des Bürgers, das Wahlrecht- gegeben und sie zu gleicher Zeit mit großenAbgaben, in mancher Beziehung mit größer», als bei den Weißen geschehen, be-legt. Dieser systematische Fehler ihrer Constitutionen ist ein vorzüglicher Grund derhäufigen Unruhen und Anarchie. In Brasilien und Nordamerika erfreut sich nurdas reine Blut der kaukasischen Race jener höchsten Auszeichnung des Staatsbür-gers. Nur die Weißen wählen, nur sie können gewählt werden. Es ist wol dergrößte und gefährlichste Irrthum gewisser freisinniger Menschenfreunde, zu glauben,daß die Freiheit wie ein Geschenk ausgetheilt und dann mit Einsicht gebraucht wer-den könne. Nur die kaukasische Race und vorzüglich diejenige Abtheilung, welche derIndividualität freien Spielraum gewährt, scheint zur, Selbstregierung und damit zurWeltherrschaft berufen. Durch eine Kreuzung mit andern Nacen, selbst durch ein