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Brasilien und Südamerika.
bloßes lange andauerndes Zusammenwohnen mit ihnen, scheinen auch die Kaukasierjene größte menschliche Tugend, wenigstens theilweise, einzubüßen. Dies lehrt dieGeschichte der ehemaligen spanischen Colonien während der letzten 30 Jahre, vonCalifornien herab bis zu den Araucan.
Die Staatsausgaben des Kaiserreichs belausen sich im Durchschnitt auf eineSumme von ungefähr 86 Millionen Francs, welche in gewöhnlichen Jahren vonden Staatseinnahmen, wovon zwei Drittel aus Zöllen fließen, gedeckt werden. DieInteressen der an 300 Millionen Francs betragenden Staatsschuld werden immerregelmäßig bezahlt. Im Rechnungsjahre 1853—54 beließen sich die Einnahmen auf36000 Contos., Die Voranschläge deS Budgets von 1854 — 55 zeigten sogar keinenunbedeutenden Überschuß. Die Einnahmen wurden auf 34000 Contos und die Aus-gaben blos auf 31316 berechnet. Im Finanzgesetze für 1855 — 56 sind die Aus-gaben auf 31318, die Einnahmen auf 34000 Contos angesetzt. „Ohne den euro-päischen Krieg", sagte der Minister, „welcher in mannichfacher Beziehung nachtheiligauf Brasilien zurückwirkt, würden die Einnahmen viel bedeutender sein." Die Ein-nahmen bestehen, außer in dem Ertrage der Schiffsabgaben, vornehmlich in dem Er-gebniß der Ausgangssteuer, welche von den drei wichtigen Colonialartikeln: Kaffee,Zucker und Rum, erhoben wird; die namhafte Vermehrung derselben ist die natür-liche Folge des gesteigerten Verkehrs der Schiffahrt und des Ausfuhrhandels. Wasdie erstere betrifft, so beließ sich die Gesammtzahl der von fremden Häfen in Nio deJaneiro eingelaufenen Schiffe auf 1165 von zusammen '455016 Tonnen Gehalt,d. h. 154 Schiffe und 45829 Tonnen mehr als im Rechnungsjahre 1853 — 54, beiwelcher Zahl die brasilische Flagge mit 53 Schiffen, von zusammen 14167 Tonnen,d. h. mit 8 Schiffen weniger, dagegen mit 329 Tonnen mehr als im Jahre 1853— 54, betheiligt war. Die Küstenschiffahrt, welche der nationalen Flagge ausschließ-lich vorbehalten ist, wurde von 3684 Fahrzeugen von zusammen 263686 Tonnen,d. h. durch 1270 Fahrzeuge von 25865 Tonnen mehr als in letzterm Jahre betrie-ben. An Kaffee wurden ausgeführt 2,341203 Säcke ü 160 Pfund (757503 Säckemehr als 1853—54).' Der Preis, welcher auf dem Markte von Nio de Janeirobewilligt wurde, betrug im Durchschnitt 15 Thaler; der Gesammtwerth der Kaffee-ausfuhr von Rio de Janeiro beließ sich also auf 35,118045 Thaler. Der Ausfuhr-zoll beträgt 5°/» scl vglorsm. An Zucker waren 44,589758 Pfund (12,046571 Pfundmehr als 1853 — 54), an Rum 16976 Pipen (2381 Pipen mehr als 1853—54)angemeldet worden. Davon gingen 8281 Pipen in den Verbrauch der Stadt Riode Janeiro und ihres Bezirks über, 4837 Pipen wurden nach andern Theilen desLandes und 2583 Pipen nach dem Auslande geführt. Die geordneten finanziellenZustände Brasiliens sind ein wahrer Glanzpunkt in der Geschichte des jungen Reichs,welches in anderer Beziehung unter gar vielen Misständen leidet.
Das Reich ermangelt durchgängig der guten fahrbaren Straßen zu Wasser wiezu Lande. Der Volksunterricht gleichwie der der höhern Schulen befindet sich injämmerlichem Zustande. Die Bevölkerung verbringt zum großen Theile ihr Lebenin Unwissenheit und im Müßiggänge. Die in der Konstitution verbrieften Rechteüben deshalb nur geringen Einfluß: sie sind und können nur auf höchst mangel-hafte Weise ins Leben treten. Die Sklaverei hat hier, wie allenthalben, wo sieherrschte und herrscht, die traurige Folge, daß Arbeit und Thätigkeit gleichsam zurSchmach gereichen. Die Hälfte der Bevölkerung Brasiliens besteht immer aus Skla-ven. Hierzu kommen die nachtheiligen Einflüsse der katholischen Geistlichkeit, welchehier, wie allenthalben, wo sie schrankenlosen Einfluß gewinnt, jeder selbständigenEntwickelung mittelbar und unmittelbar feindlich entgegentritt. Dabei ist die „Auf-führung der Geistlichkeit", wie der Justizminister in einem amtlichen, der Deputir-tenkammer im Jahre 1846 vorgelegten Berichte sich ausdrückt, „gewaltig schlecht".„Es gibt Geistliche, welche auf viele Monate ihre Pfarreien verlassen und sich imLande herumtreiben. Sie lassen die Kirchen und alle andern kirchlichen Gebäudeverfallen. Mehre liegen bereits in Ruinen, sodaß es, wenn auch die Pfarrer blei-