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Brasilien und Südamerika.
ben, an Versammlungsplähen für die Gläubigen fehlt." Unter solchen traurigenUmständen mußten alle Versuche, welche von der Regierung hervorgerufen und eifrigunterstützt werden, fremde Colonisten, freie Arbeiter nach Brasilien zu ziehen, schei-tern. Die Unglücklichen, welche sich durch glänzende Versprechungen täuschen ließen,sind in dieser oder jener Weise großentheils zugrunde gegangen. Viele sind sogargleich nach ihrer Ankunft zum Militärdienste gepreßt worden. Der Brasilier scheutnämlich den Kriegsdienst, und die Regierung ist bemüht, um gegen alle Verkomm-nisse gewaffnet zu sein, ein verhäitnißmäßig starkes Heer, 30 — 10000 Mann, unterden Waffen zu erhalten. Auch die Marine ist bedeutend. Sie zählte gegen dasEnde des Jahres 1850 nicht weniger als 120 Fahrzeuge aller Art, Dampfer undgewöhnliche Schiffe, mit 118 Kanonen und einer Bemannung von 1000 Matrosenund Offizieren. Zu diesem Soldatenpreffen kam während der letzten.Jahre noch dasGelbe Fieber, welches unter den Neueingewanderten furchtbar hauste. Nach einemamtlichen Berichte des Ministers des Innern, Magalhaes Calvet, vom 1. April1851, befanden sich im Reiche von allen den zahlreichen während der letzten 30 —10Jahre eingewanderten Franzosen, von den Deutschen und Jrländern, sowie von ihrenNachkommen, kaum 18000 Personen am Leben. Die Cholera, welche im Jahre1855 hier furchtbar wüthete, hat vorzüglich die schwarze Sklavenbevölkerung getroffen.
Bei allen diesen großen Nachtheilen, unter welchen das junge Kaiserthum leidet,machte Brasilien doch während des letzten Jahrzehnds'größerc Fortschritte als irgend-ein anderer Staat im südlichen Amerika. Die liberale Parkei der Santa-Luzia,dieselbe, welche, wie man weiß, den Kaiser vor der verfassungsmäßig bestimmtenZeit mündig erklärte, behauptete sich bis zum Jahre 1818 an der Regierung. Per-sönlicher Ehrgeiz der Führer bewirkte eine Spaltung; das Ministerium löste sich auf,und die Saquarema kamen (29. Sept. 1818) ans Ruder. Zu Pernambuco erreg-ten die gestürzten Liberalen einen Aufstand, der, schnell niedergeschlagen, vikl dazubeitrug, daß die Macht der neuen Verwaltung im Innern befestigt wurde. Nachaußen hin war um diese Zest die wichtigste Angelegenheit die Sklaveneinfuhr, welcheeinen förmlichen Bruch mit England herbeizuführen drohte. Dom Pedro I. hatteschon 1826 einen Vertrag mit England geschlossen, wodurch die Einfuhr afrikani-scher Sklaven in Brasilien verboten wurde. Diese Menscheneinfuhr dauerte dessen-ungeachtet immer noch fort. Die abgetretene liberale Verwaltung wagte es nicht,solange sie am Ruder stand, streng dagegen aufzutreten, denn die Sklavenhändlerhatten einen zu großen Einfluß im Lande. Die Saquarema hingegen waren zumgroßen Theil selbst bei diesem äußerst gewinnreichen Handel betheiiigk. Englanddrang ungestüm auf die genaue Erfüllung des eingegangenen Vertrags: man drohtesogar niit Wegnahme aller des Sklavenhandels verdächtigen Schiffe, selbst in denbrasilischen Häfen. Eine Folge hiervon war das Gesetz vom 1. Sept. 1850, wo-durch der Sklavenhandel neuerdings und in geschärfter Weise verboten wurde. DieEinführung der Sklaven oder der sogengnnten freien Schwarzen ward für Seerauberklärt; alle hierbei Betheiligten sollten demgemäß bestraft werden.. Die weggenom-menen Sklaven oder freien Neger würden auf Kosten der brasilischen Regierung indie afrikanischen Häfen, woher sie gekommen, zurückgebracht werden. An- 11. Oct.1850 ward die Ordnung erlassen, nach welcher das Gesetz ausgeführt werden sollte.Dies Alles war England noch nicht genug. Es verlangte noch mehr. Die im-merdar und namentlich 1851 wiederholten Foderungen und Anmaßungen hattenendlich die Erklärung Brasiliens zur Folge, daß man, wenn dies so fortginge, denSchutz eines andern Landes — ohne Zweifel die nordamerikanische Union — herbei-rufen werde. Die britischen Staatsmänner haben alsdann die angeordneten Awangs-maßregeln zurückgenommen. Auch bot Brasilien seit der Zeit wirklich Alles auf,um die heimliche Einschleppung der Sklaven zu verhindern. Im Jahre 1850 wur-den noch 23000 eingebracht, im Jahre 1851 blos 3287.
Das Verhältniß Brasiliens zu Montevideo und den La Plata - Staaten trat,nachdem die Schwierigkeiten wegen der Sklaveneinfuhr gehoben waren, wiederum in