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Brasilien und Südamerika.
den Vordergrund. Brasilien strebte und strebt nach einer Art Hegemonie in jenenGegenden, welche, allerlei Verwickelungen sowol mit den einheimischen Staaten wiemit England und Frankreich hervorbringt und die Kräfte des Kaiserreichs verschlingt,die besser zur innern Entwickelung verwendet werden könnten. Dom Pedro !I.hatte am 29. Mai 1851 einen geheimen Vertrag mit der Republik Uruguay oderMontevideo und mit Urquiza, dem Statthalter der (argentinischen) Provinz Entre-Rios, zum Sturze des Dictators Rosas geschlossen, von dessen Folgen wir inder Geschichte jener Staaten sprechen werden. , Nun sollte die seit dem 3. Mai1851 zu Rio de Zaneiro tagende Legislatur die Mittel gewähren zum Vorschrei-ten und zur Befestigung des brasilischen Einflusses in jenen südlichen Grenzlanden.Die Opposition widersetzte sich, und zwar mit gutem Grunde. Die Regierung mögeihre Aufmerksamkeit nach dem Innern des Reichs wenden. Hier habe sie einensegensreichen, für Jahrhunderte unerschöpflichen Wirkungskreis, man möge das Volknicht mit neuen Abgaben belasten um einer eiteln Ruhmsucht willen; man möge denAndern die Freiheit lassen nach ihren Gesetzen zu leben; die Unterdrückung der Frem-den bringe die eigene Freiheit in Gefahr. Die Streitigkeiten hierüber, die vielenReden für und gegen nahmen den größten Theil der viermonatlichen Session derLegislatur in Anspruch (3. Mai bis 14. Sept. 1851). Allen Widerspruchs un-geachtet ließ sich die Regierung von dem eingeschlagenen Wege nicht abbringen, undsie erlangte endlich auch die Zustimmung und die Mittel von den Kammern. IhreBemühungen wurden auch bald von dem größten Erfolge gekrönt, denn die brasi-lische Macht rettete Montevideo 1851 vom drohenden Untergänge. Die Schlachtvon Monte-Castros, welche Rosas zur Flucht zwang, wurde unter Beihülfe derBrasilier geschlagen, und Brasilien erlangte so durch folgenreiche Thaten einen über-wiegenden Einfluß in den südlichen Grenzstaaten, in den La Plata-Ländern, inPeru, Bolivia und Uruguay. Auch die Grenzbestimmung gegen diese letztere Re-publik wurde mittels der Verträge vom 12. Ock. 1851 und 15. Mai 1852 zuBrasiliens Vortheil entschieden. Brasilien unterstützte das ganz arme Uruguay aufzwei Jahre mit Subsidien, wogegen ein brasilischer Conimissar Sitz und Stimme inder zu Montevideo errichteten Schuldencommission erhielt. Das ganze Land nahmendlich eine Art Schutzoberherrlichkeit des benachbarten Kaiserreichs an, und in diewichtigsten Orte der Republik wurden brasilische Truppen gelegt. Der Hof zu Rio deJaneiro suchte alsdann einen ähnlichen überwiegenden Einfluß in den nördlichen Län-dern, in Venezuela, Neugranada und selbst in Mittelamerika zu gewinnen. Dies derGrund der wiederhelken Missionen nach Caracas und Bogota. Brasilien ist jedochoffenbar in einer höchst gefährlichen Richtung begriffen: es vergeudet seine Kräftedurch fruchtlosen Ehrgeiz. Die Monarchie bereitet sich überdies durch diesen gehei-men Jntriguenkrieg gegen die nordamerikanische Union allerlei Gefahren, welche leichtihren Sturz herbeiführen können. Dann ist die historische Feindseligkeit zwischenSpaniern und Portugiesen keineswegs erloschen: die Nachkommen der stolzen Casti-lier werden sich die verhaßte Schutzherrschaft nicht lange gefallen lassen.
Am 3. Mai 1853 wurde die erste Session der neunten Legislatur zu Rio deJaneiro eröffnet. Die Wahlen fielen, freilich nicht selten infolge gewaltsamer undschamloser Regierungseinflüsse, für das Ministerium sehr günstig aus. Die Oppo-sition war nur schwach vertreten. Man hätte demnach glauben sollen, der Be-stand der Verwaltung wäre auf längere Zeit gesichert gewesen. Dem war abernicht so. Unter der herrschenden Partei der Saquarema trat eine Spaltung ein,welche alsbald die Auflösung des Ministeriums zur Folge hatte. Das neue Mini-sterium, an dessen Spitze der Unterhändler der Verträge mit den La Plata-Staaten,Hermeto Carneiro Leao, Vicomte von Parana, gestellt wurde, suchte eine Ver-schmelzung der Parteien zustande zu bringen. Die höhern Stellen wurden ohneUnterschied an conservative wie an liberale Mitglieder verliehen. Im Übrigen gingBrasilien fort auf der monarchisch-herrschsüchtigen Bahn, sodaß sein immer offenerhervortretendes Benehmen in den La Plata-Staaten selbst die Eifersucht der eure-