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Zwöflter Band.
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306 Brasilien und Südamerika.

heil der Presse, eine progressive Steuer und andere, den socialistischen SystemenEuropas entnommene Einrichtungen wurden plötzlich eingeführt. Die Kirche wardvollkommen getrennt vom Staate; die Bischöfe und die übrigen Geistlichen mußtenwie in Nordamerika von» Volke gewählt werden; die stehende Armee sollte ganzaufgehoben sein; Abschaffung aller Zölle, unbedingte Handelsfreiheit und andere An-ordnungen ähnlichen Geistes wurden getroffen oder sollten in Zukunft zur Aus-führung kommen. „Wir wollen aus unsern Gesetzen", so sprach Präsident Lopezin einer Botschaft an die Legislatur (1. März 1881), „alle beschränkenden, dieFreiheit regelnden und überwachenden Ordnungen entfernen; wir können dem reinenSinne des Volks die Erhaltung der öffentlichen Ordnung überlassen. Das Reprä-sentativsystem vervollkommnet sich mit jedem Jahre; die Bevölkerung gewöhnt sichdaran und bewahrt in der Ausübung ihrer Rechte die gehörigen Schranken. Daherweg mit diesen für Unmündige geschaffenen Hindernissen. Die Einführung des all-gemeinen unmittelbaren Wahlrechts ist nothwendig; dies ist die erste Bedingung einerwahren Demokratie; das ist die Souveränetät der Zahl, die Herrschaft der Massen.Jedes andere System, welches sich hiervon mehr oder weniger entfernt, beruht aufeiner Täuschung; es ist das System der Vorrechte, die Fortsetzung der oligarchischenHerrschaft."

AufVorschlag derRegierung beschloß der Congreß im Jahre 183'1 die Durchsichtund Abänderung der Constitution nach den angeführten Grundsätzen und Normen, undführte sie auch aus. Die so reformirte Constitution sollte mit dem 1. Sept. 1883 voll-ständig ins Leben treten. Die vorzüglichsten Veränderungen und neuen Bestimmungenwaren: unmittelbares allgemeines Wahlrecht; das Recht auf Hülfe und Unterstützungvon Seiten des Staats und unentgeltliche Erziehung; jährliche Erneuerung des Kon-gresses; unbedingte freie Ausübung aller Religionen; Wahl der Provinzialbeamtenund einer großen Anzahl anderer Bediensteten; Vereinigungsrecht; das Recht inallen Dingen von Geschworenen gerichtet zu werden. Regierung und Congreß, wohlwissend, daß menschliche Bildung und volksthümliche Freiheit einen mächtigen Feindan Roms Kirchensystem haben, erließen vorzüglich nach dieser Richtung hin eineAnzahl Gesetze, um die Macht dieses Feindes zu brechen. Nur diejenigen geistlichenOrden, mit Ausrrahme des Jesuitenordens, welcher auf ewige Zeiten verbannt ist,wurden in der Republik gestattet, welche der Moral nicht widerstreben. Als un-moralische, der Menschlichkeit feindliche sind zu betrachten diejenigen Abtheilungender regulirten Geistlichkeit, welche auf Geheimniß, auf gegenseitige Angeberei und"unbedingten passiven Gehorsam beruhen. Die besondere geistliche Gerichtsbarkeit(kusi-o voolemsstioo) wurde aufgehoben und die Führung der Civilregister den Geist-lichen genommen. Die Wahl der Pfarrer ist unbedingt den Gemeinden überlassen.Die Zehnten wurden zum Theil aufgehoben und das Kircheneinkommen auch in an-derer Weise geschmälert. Man kann sich leicht denken, daß die Geistlichkeit und derrömische Stuhl gegen diese und andere ähnliche Vorkehrungen protestirten. Die Re-gierung ließ sich, obgleich selbst der neue Kaiser der Franzosen der Hierarchie dasWort redete, nicht beirren. Der Erzbischof von Bogota, Mosquera, dann dieBischöfe von Cartagena und Pamplona, welche mit Excommunication drohten, wur-den verwiesen. Die Regierung, ihrer Stärke und menschenfreundlichen Gesinnungsich bewußt, ging unbedingt fort auf dem betretenen Wege. Alle Geistlichen, welcheaus diesem oder jenem Grunde ihre Funktionen verweigerten, wurden von den Pfarr-genossen und Bezirken mit Geldstrafen belegt. Die Regierung Neugranadas warkräftig genug, die während des Jahres 1831 vom Fanatismus und der Oligarchieerregten Aufstände mit Gewalt niederzuschlagen. „Die zwei Lager", sagt PräsidentLopez in einer Proclamation vom 23. Juli 1851, „sind scharf geschieden. Wir,die Bekenner der neuen Idee, der neuen Zeit, wir Krieger der Volksherrschaft,müssen uns zu einem immerwährenden Kampfe bereithaltcn. Nur dann erst, wennder Fanatismus und die Vorrechte niedergeschlagen, wenn sie gebrochen sind, kön-nen wir das Schwert in die Scheide stecken. Wir sind die Vorkämpfer der Mensch-