322
Brasilien und Südamerika.
Weise gefördert. Die- öffentliche Presse zu Quito und Guayaquil erhob sich ein-stimmig gegen dieses allen Normen des Völkerrechts zuwiderlaufende Benehmen; dieMassen wie die Regierung hegten den bittersten Groll gegen die Franzosen. Manließ es Montholon und Genossen in mannichfacher Weise fühlen, wie man sie undihre verrätherischen Handlungen verabscheue. Der Consul fühlte sich beleidigt undnahm seine Pässe. Nun verlangte das mächtige Frankreich von der kleinen hüls-losen Republik unbedingte Genugthuung. Ecuador mußte sich zwar der Gewaltfügen; doch konnte Frankreich dadurch weder an Einfluß, noch an Ehre und Ruhmgewinnen. Contreadmiral Febvrier-Despvintes erschien am 1. Mai 1853 im Auf-trage seiner Regierung an der Spitze eines mächtigen Geschwaders vor Guayaquilund verlangte, die Regierung Ecuadors solle alsbald ihr Bedauern ausdrücken überdie Borfälle, welche die Abreise Montholon's hervorgerufen haben, mit den! Zu-sätze, im Falle ähnlicher Borfälle sich wiederholten, würden sich die Behörden einessehr tadelhaften Benehmens schuldig machen. Die Antwort des Ministers des Aus-wärtigen ließ nicht lange auf sich warten. Alles, was die Franzosen nur begehrenkonnten, ward unbedingt zugestanden' (8. Mai 1853). Der Groll über jene frü-here unberechtigte und die spätere gewaltsame Handlungsweise der Franzosen bliebdagegen im Lande zurück und wird ihnen keine guten Früchte bringen. Solche undandere ähnliche Vorfälle tragen viel dazu bei, ganz Amerika dem alten Europa zuentfremden und einen Haß des Westens gegen den Osten zu entzünden und zu er-halten. Hierzu kommen die Anmaßungen der römischen Hierarchie, welche, wie wirschon mehrmals bemerken konnten, im principiellen Widersprüche steht mit bürger-licher Freiheit und geistiger Selbständigkeit. Der Romanismus liegt mit allen Frei-staaten Amerikas im offenen Kampfe, und so auch mit Ecuador. Der Congreß zuQuito entfernte den reactionären Bischof von Guayaquil, Aguirre, und ernannteeinen andern, welchen der Papst nicht bestätigte. Hierauf wurde der hierarchischge-sinnte Geschäftsträger der Republik in Rom, Marquis Lorenzana, zurückgerufen.Eine Stelle des bei dieser Gelegenheit bekannt gemachten Erlasses zeugt überdies vondem durchgängig demokratischen Geiste, welcher jetzt in Ecuador herrscht. „Die Zurück-berufung Lorenzana's wird vom ganzen Volke Ecuadors gewünscht. Ein Mann, wel-cher sich nach Abschaffung aller Adelskitel, im Widersprüche mit den Gesetzen seinesLandes, noch immer Marquis nennen läßt, kann überhaupt nicht in Diensten derRepublik bleiben. Jener Marquistitel allein ist ein hinlänglicher Grund seiner Zurück-berufung." ,
Über die innern Verhältnisse,. Zustande und Bestrebungen der Republik wäh-rend der letzten Jahre erhalten wir durch die verschiedenen Botschaften des Präsi-denten Urbina mancherlei Aufschlüsse. In der Botschaft vom 17. Juli 1852, er-lassen an die zu Guayaquil tagende constituirende Nationalversammlung, spricht Ur-bina in begeisternden Worten von der vollbrachten Revohltion. „Das Volk hat sicherhoben, es hat die Ungesetzlichkeit entfernt; ein erleuchtetes Volk täuscht sich nie-mals, wenn es sich um Freiheit handelt. Der Congreß mag nun darauf hinarbei-ten, die Einheit in der Gesetzgebung herzustellen. Die Gesetze „müssen in Überein-stimmung mit der demokratischen Grundlage des Staats, in Übereinstimmung mitden vorhandenen demokratischen Sitten gebracht werden." Die Sonderrechte derrömischen Hierarchie ständen diesem Bestreben vorzüglich entgegen; gegen sie müßtendeshalb eine Anzahl Verordnungen erlassen werden. Die Jesuiten und ihre Ge-nossen in Frankreich, welche die Geschichte unserer Tage schrieben, haben aus diesemGrunde in ihrer Weise gewaltige Rache genommen. Ecuador und sämmtlichen demo-kratisch regierten Republiken der Neuen Welt wird alles mögliche Böse nachgesagt. DieVersammlung zu Quito folgte der vom Präsidenten vorgezeichneten Richtschnur. Siearbeitete im Jahre 1852 eine entschieden demokratische Verfassung aus, oder vielmehr,sie resormirte die Constikution von 1845 in diesem Sinne. Nach dem abgeändertenGrundgesetze wird der Präsident durch 600 aus den drei Distrikten, in welche dieRepublik zerfällt, gezogene Wahlmänner gewählt. Wahlmann kann jeder selbständige