Band 
Zwöflter Band.
Seite
331
JPEG-Download
 

Brasilien und Südamerika. 33k

bildung unsers Volks; wir sollten Kanäle bauen zur Überrieselnng der zahlreichen un-fruchtbaren Küstenländer; wir sollten endlich unsere Staatsschulden zahlen, deren In-teressen im Verlaufe von 25 Jahren dem Nennwerthe des Capitals gleichkommen.Wir müssen deshalb, zum Vortheile unsers Schatzamtes, den schnellern Verkauf desGuano betreiben. Nach den zuverlässigsten Berechnungen beträgt der Vorrath12,070152 Tonnen (peruanischen Maßes), welche bis zur Verkaufszeit auf 11,670152Herabkommen möchten. Der reine Gewinn hat bisjetzt von dem an England ver-kauften Guano 23,05, von dem nach Nordamerika verkauften blos 21,os Dollars fürdie Tonne betragen. Hiervon müssen aber °/> abgezogen werden, welche Peruan Verlusten zur See, beim Laden und bei Überführung des Guano zutragen hat."Der Gesehvorschlag geht nun dahin, diese 11,670152 Tonnen nach einem Zeitraumevon neun Monaten zu Lima. in öffentlicher Versteigerung, die Tonne zu 30 Piastern,loszuschlagen. Wenigstens ein Viertel der ganzen Ertragssumme müßte vom Käuferalsbald baar eingezahlt werden, die übrigen drei Viertel in kurzen Fristen. DasGeld soll in der Englischen Bank niedergelegt und nach und nach zur Emporbringungder Nation verwendet werden. Nach den amtlichen Rechenschaftsberichten sind wäh-rend der letzten zwei Jahre (1854 und 1855) 80000 Tonnen Guano verschifft wor-den. Die Staatsschuld würde, wenn das Unternehmen glücklich vonstatten ginge,alsbald getilgt werden können. Diese Staatsschuld betrug nach einer amtlichen An-gabe am Ende des Jahres 1855: 46,698889 Dollars, wovon an jährlichen Inter-essen 2,101750 Dollars bezahlt werden.

Die ausführliche Botschaft, welche Präsident Castilla bei der Niederlegung sei-nes Amts am 20. März 1851 an den Congreß richtete, entwirft ein klares underfreuliches Bild der während seiner Verwaltung getroffenen Verbesserungen. Vorallem mußten die finanziellen Zustände, die Grundlage der Macht und Selbständig-keit im Leben des Einzelnen wie des Ganzen, in Ordnung gebracht werden. Dieöffentliche Schuld erregte zuerst die Aufmerksamkeit des Präsidenten; mit ihr ist,wie man sehen wird, das Geschick des ganzen Freistaats innig verbunden. DieSchuld aus den Zeiten vor der Unabhängigkeit, welche im Jahre 1831 anerkanntwurde, betrug bereits 12 Millionen Piaster. Seit der Zeit wurden, unter sehr er-schwerenden Bedingnissen, in England große Summen aufgenommen. Nach einemÜbereinkommen des Präsidenten (1849) mit den Gläubigern zerfällt die Schuld ineine active und passive. Die active Schuld beträgt 1,816000 Pfund Sterling,welche 4^"/, Interessen zahlt, die im Monat Oktober 1853 aus 6°/, steigen sollten.Die passive Schuld belauft sich auf 1,900000 Pfund Sterling, wovon im April1852 1°/, Zinsen bezahlt wurden, die aber allmälig bis zum October 1856 auf3"/» steigen sollen. Für die sichere Entrichtung dieser verschiedenen Zinsen ward einTheil der Guanoerträgnisse angewiesen, oder richtiger, verpfändet. Überdies ist be-stimmt worden, daß vom April 1853 an für die active Schuld ei» jährlicher Til-gungsfonds, dann im April 1856 einer für die passive Schuld von wenigstens 9500Pfund Sterling in jedem Jahre eingerichtet werden soll.

An Nordamerika schuldete Peru 402000 Piaster, welche nach festgesetzten Nor-men abgetragen werden sollten, was auch in der That geschehen ist. Überdies bliebeine bedeutende innere Schuld, aus Schatzanwcisungen bestehend, die von den frü-hern Regierungen ausgegeben wgren. Auch diese Schuld ward fundirt, und zwarin der Weise, daß bereits 1850 3°/, bezahlt wurden, die bis 1854 auf 6°/° stei-gen sollten. Es dauerte nicht lange, so erhoben sich mit den Gläubigern in Eng-land über die Auslegung des in manchen Theilen dunkeln Vertrags allerlei Strei-tigkeiten, zu deren Schlichtung Präsident Echenique, der Nachfolger Castilla's, sei-nen Finanzminister Manuel de Mendiburu im Jahre 1853 nach Europa sandte.Mendiburu ncgvcirte in London ein neues 4'/,procentiges Anlehen von 13 Millio-nen Piaster und deckte hiermit die ganze active Schuld des peruanischen Staats.Sie hat sich, weil ein Theil des. Guanoeinkommens zur Zahlung der Zinsen ange-wiesen ist, unter allen den Wirren in den peruanischen Landen auf ziemlich hohem