Brasilien und Südamerika. 333
und 2516 Chinesen, welch Letztere man vorzüglich zum Guanograben aus den Chincha-inseln verwendet. Sie werden dort mit der größten Grausamkeit behandelt, sterbenin Masse weg oder nehmen sich aus Verzweiflung das Leben.
Eine Gegenpartei des Echenique hatte den General Vivanco, denselben, welcherdie Verfassung beseitigte und als Dictator regieren wollte, zum Candidaten für diePräsidentschaft aufgestellt; eine andere sich zu dem reichen Grundbesitzer DomingoElias gewendet. Die Anhänger des Vivanco wollten sich der Mehrheit nicht fü-gen: sie griffen in Arequipa zur Jnsurrection (April 1851), wurden aber in weni-gen Tagen niedergeschlagen. Vivanco selbst entfloh; Elias aber blieb im Lande, umalle Bewegungen des Präsidenten scharf zu überwachen.
Die Regierung Echenique's suchte nach Niederschlagung dieses Aufstandes mitden auswärtigen Staaten in vertragsmäßige Verbindungen zu treten, um sich nachaußen hin sicherzustellen und mittelbar die Ruhe im Innern fester zu begründenMit Chile ward ein Freundschafts-, ein Handels- und Schiffahrtsvertrag (9. Juli1851, ratisicirt 14. Nov. desselben Jahres) abgeschlossen, auf dem freisinnigstenGrunde einer vollständigen Gegenseitigkeit.. Mit Brasilien hat man sich über die Be-schiffung des Amazonenstroms verständigt, und mit der nordamerikanischen Union ist manin Betreff des Handels und der Schiffahrt vertragsmäßige Bestimmungen eingegan-gen (1851). Der Vertrag mit Chile bildet allenthalben die Grundlage bei der Fest-setzung der völkerrechtlichen Beziehungen mit den amerikanischen wie mit den euro-päischen Staaten, mit England und Frankreich, mit Spanien und Sardinien. ZurBeförderung der Industrie und des Verkehrs im Innern griff man zu den verschie-densten Mitteln, welche die moderne Civilisation darbietet. Neben dem Ankauf vonDampfschiffe» verwendete die Regierung auf die Anlegung von Eisenbahnen einevorzügliche Sorgfalt. Mit der Eisenbahn, welche Tacna und den Hafen Arica ver-bindet, ward begonnen und sie schreitet jetzt (1855) rasch ihrer Vollendung entgegen.Auch die Eisenstraße, welche Arequipa mit Jslay in Verbindung bringt, ward inAngriff genommen.
Die Eisenbahn von Tacna nach Arica ist für Bolivia von noch größerer Be-deutung als für Peru. Um von diesem Lande an den Stillen Ocean zu gelangen,muß man die Anden überschreiten, was die Transportkosten so sehr steigert, daß nurkostbare Gegenstände, die edel» Metalle und die Fieberrinde auf diesen langen undschwierigen Wegen mit Vortheil transportirt werden können. Nun ist aber Boliviain jeder Beziehung eines der reichsten und herrlichsten Länder der Erde, dem eSbisher nur noch an Verbindungsmitteln zur übrigen Welt fehlte, um seine Fülleandern Völkern mitzutheilen. Sein mannichfacher Reichthum in allen Gebieten derNatur wird dann erst, wenn Straßen vorhanden sind, erschlossen und der Mensch-heit zum Wohle über alle Länder ausgegoffen werden. Der so äußerst belohnendeAckerbau, welcher dort bis zu 13000 Fuß Höhe mit Vortheil betrieben werden kann,fand bisher zu spärliche Pflege. Man beschränkt sich auf den heimischen Bedarf.Dies wird sich ändern, sobald die Eisenbahn von Tacna zum Meere führt und, vor-derhand wenigstens, sich ihr nur fahrbare Straßen in östlicher Richtung anschließen.Viele der kostbarsten Erzeugnisse: Baumwolle, Zuckerrohr und Taback, werden jetztnoch in den östlichen Departements Bolivias ohne alle oder nur mittels geringermenschlicher Cultur gewonnen. Und dann denke man an die zahlreichen Minen,welche keineswegs erschöpft sind, sondern wahrscheinlich noch viel ergiebiger als frühersich erweisen werden, wenn nur erst europäische Arbeitskräfte, europäisches Capitalund europäische Maschinen nach Bolivia und Peru gelangen, deren beinahe ganz un-bekannte Landstrecken am Ostabhange der Anden von Reichthümern aller Art strotzensollen. Die Spanier arbeiteten ohne Ordnung, ohne Regel, ohne irgendeine Vor-sicht, welche man, um das Eindringen der Gewässer fernzuhalten, sonst zu nehmenpflegt. Von dem Augenblicke an, wo die Gewässer eindrangen, verließen die Spa-nier die Mine, indem sie sehr selten Galerien oder kostbare Schachte anlegten. Zudiesen Ursachen der geringen Ausbeute gesellten sich der allgemeine Aufstand der Ein»