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Brasilien und Südamerika.
sehr geringhaltige Münze auszuprägen. Die Piaster Bolivias hatten kaum dieHälfte des herkömmlichen Silbergehalts. Sie gingen in großer Masse nach Peruund brachten dort den ganzen Verkehr in Verwirrung. Die Regierung zu Limaerhob Beschwerde: ihr gutes Geld verschwinde und werde im Nachbarlandc umge-prägt. Nach langer Verhandlung kam 1847 zu Arequipa ein Vertrag zustande,in welchem Bolivia sich verpflichtete, diese Falschmünzerei aufzugeben und seilte imUmlaufe befindlichen' Piaster einzulösen. Bolivia dachte aber nicht an Erfüllungder eingegangenen Verpflichtungen und verwies den immer entschiedener auftretendenperuanischen Geschäftsträger Paradas (März 1833) in barscher Weise des Landes.Präsident Echenique ergriff allerlei Repressalien; er besetzte sogar den bolivianischenHafen Cobija. „Es sei dies keine Kriegserklärung; man habe sich blos ein Unter-pfand genommen, um den Nachbarstaat zur Vollziehung seiner Verpflichtungenzu zwingen."
Es fielen in Bolivia während der letzten Jahre eine solche Menge Aufstande,Revolutionen und Mordscenen vor, wie es kaum in den andern Ländern geschehen,die ehemals zu Spanien gehörten. Ballivan, der Sieger, über den Präsidenten Ga-marra in.der Schlacht bei Jngavi, ward endlich nach wiederholten vergeblichen Ver-suchen gestürzt (1848) und des Landes verwiesen. Er starb 1852 zu Rio de Janeiro. -An die Stelle des vertriebenen Generals Ballivan trat Velasco, gegen den GeneralDon Manuel Jsidoro Belzu sich erhob und nach der blutigen Schlacht von Aam-paray die Gewalt behauptete. Anfangs erschien Belzu als Dictator, dann nachVerlauf zweier furchtbar wirrenvoller Jahre (1850) als regelmäßiger Präsidentder Republik. Die Verfassung Bolivias stammt von 1839, aus dem Jahre -derAuflösung der peruanisch-bolivischen Conföderation. Sie gleicht beinahe durchgängigder peruanischen. Der Präsident wird jedoch blos auf vier Jahre gewählt. Re-gierungsbeamte können in der aus einem Senat und einer Deputirtenkammer beste-henden Legislative keinen Sitz haben. Jeder Wähler muß Lesen und Schreiben ver-stehen und ein Vermögen von 4000 Piastern oder ein Einkommen dieses Werthes
besitzen. Alle im Dienstesverhältnisse stehenden Personen können kein Wahlrecht aus-
üben. Im Jahre 1843 und 1851 wurden mehre Änderungen beliebt, vorzüglichin dem Sinne, um die vollziehende Gewalt zu stärken, damit sie entschiedener gegendie immer und immer sich wiederholenden Revolutionen verfahren könnte. Der Prä-sident bleibt jetzt fünf Jahre, kann außerordentliche Maßregeln ergreifen und nachVerlauf der gesetzlichen Zeit wieder gewählt werden. Dies Alles sind aber leerp
Worte; die Constitutionen der südamerikanischen Republiken sind in den meisten undwichtigsten Fällen nur auf dem Papier vorhanden.
In jenem Jahre, wo die letzte Revision der Verfassung vorgenommen wurde,ist auch ein Concordat mit Rom abgeschlossen worden (29. Mai 1851). Hiernachverbleibt der Nomanismus Staatsreligion; kein Anhänger anderer Religionen kannStaatsbürger werden. Die römische Kirche regiert und verwaltet in selbständiger
Weise ihre Anstalten; sie leitet und überwacht allen Unterricht, nicht blos den reli-giösen. Ihr gebührt die Censur aller religiösen Schriften. Der Erzbischof von Char-cas erhält vom Staate 8000, der Bischof von Lapaz 6000, die von Cochabambaund Santa-Cruz jeder 5000 Piaster. In allen geistlichen Angelegenheiten hat dieKirche ihre besondere Gerichtsbarkeit. Zum 'Unterhalt der Pfarrgeistlichkeit dienendie Zehnten, die Stolgebühren, das Messelesen und mancherlei zur Gelderpressungführender Unfug. Unter allen diesen staatlichen Wirrnissen und Volksbedrückungengeriethen die Finanzverhältnisse in den traurigsten Zustand. Präsident Belzu ließzwar 1850 dem Congresse ein Budget vorlegen, wonach die Einnahmen 1,976000und die Ausgaben blos 1,738000 betragen würden. Hierbei waren aber weder dierückständigen noch die laufenden Interessen für die Staatsschuld mitgerechnet. Dieerstem allein stiegen seit dem Jahre 1847 auf die bedeutende Summe von 392000Piastern. Die laufenden Interessen und der Tilgungsfonds erheischen jährlich 216000Piaster, welche mittels der regelmäßigen Einnahmen nicht bestritten werden können.