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Zwöflter Band.
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340 - Brasilien und Südamerika.

Die Gcneralcapitania Chile erhob sich, gleich den andern spanisch - amerikani-schon Colonien, ebenfalls schon im Jahre 1810 gegen das Mutterland, kehrte abernach der Wiederaufrichtung des Throns Ferdinand's Vll. unter die spanische Ober-herrlichkeit zurück (1814). Chile würde diese Herrschaft wol noch längere Zeit ertra-gen haben, hätte nicht General Sän-Martin im Jahre 1817 an der Spitze einerargentinischen Armee die Kordilleren überschritten und die Spanier in den berühm-ten Schlachten von Chacabucv und Maypu aufs Haupt geschlagen und aus demLande getrieben. Diesen Siegen verdankt Chile seine Befreiung und Selbständigkeit.Ähnliche große Dienste leistete San-Martin der Republik Peru. In. der Ar-gentinischen Konföderation genoß darum der General ein großes, in Chile und Peruein überwiegendes Ansehen. In der Argentinischen Confoderation führte er denTitel General, in Chile hieß er Befreier und zu Peru Beschützer der Republik.Bolivar ward über das Ansehen San-Martin's eifersüchtig, und die Anzeichen einesoffenen Bruches mehrten sich, obschon es San-Martin dazu nicht kommen lassenwollte. Zu Euayaquil fand 1824 eine berühmte Zusammenkunft zwischen diesen ^beiden größten Männern Südamerikas statt. . Was hier verhandelt und besprochen !wurde, ist niemals bekannt geworden. Wir wissen blos, daß San-Martin infolge !dieser Zusammenkunft eine freiwillige Verbannung wählte, und ohne weitere Betheiligungan den amerikanischen Wirren alle die langen Jahre bis zu seinem Ende im dreiundsieb-zigsten Jahre seines Alters in stiller Zurückgezogenheit im engen Familienkreise verlebte.

Das Gebiet der Republik Chile zieht sich in einem längen Ländcrstrich von derWüste Atacama, welche Chile von Bolivia scheidet, bis zur Magellansstraße, 'von den Kordilleren-der Anden, die Scheidewand'im Binnenlands gegen die Argen- §tinische Conföderation, hin zum Stillen Meere, dessen zahlreiche Inseln vom RioNegro zum Cap-Hoorn noch zur Republik gehören. Dieser geographischen Trennungvon den übrigen wirrenvollen südamerikanischen Republiken verdankt Chile, nichtminder wie der glücklichen Leitung durch einige einsichtsvolle Männer seine Ruheund den langsamen, aber sichern Fortschritt. Die Insel Juan Fernandcz verdientunter den 64 Inseln jener erwähnten Gruppe einer besondern Erwähnung: sie bil-det eine historisch - literarische Merkwürdigkeit. - Dort lebte eine Zeitlang der schot-tische Matrose Selkirk, dessen Schiffbruch und Schicksal dem Engländer Defoe dieVeranlassung zu dem Leben und den Abenteuern des Robinson Crusoe gaben. Mandenkt in Chile neuerdings daran, auch das Binnenland von Biobio, die alte ver-tragsmäßige Grenze zwischen den Spaniern und den Araucanen, herab zur Ma-gcllansstraße zu erobern und ihre Bewohner, die Indianer, unter die chilenische Herr-schaft zu bringen. Die Araucanen hörten davon und beschlossen auf einem großenLandtage, an einem Orte Quempulemo oder Rundhügel genannt, der Sicherheitwegen alle unter ihnen ansässigen Spanier des Landes zu verweisen.- >

Diese bis in den äußersten Süden des Festlandes und auf seinen Inseln woh- ?nenden Indianer sind die kräftigsten und gebildetsten der Ursassen Amerikas. Vonallen Indianern haben die Araucanen allein ihre Unabhängigkeit bewahrt. Sie wer-den häufig in den frühern Werken der Spanier erwähnt und ausführlich beschrieben.Nach der Handschrift des spanischen Missionars Alday, wovon Chamisso im drittenBande der „Entdeckungsreise" von Kvtzebue mehre Bruchstücke mittheilt, werden dieAraucanen in vier Provinzen eingetheilt, welche sich wie vier Streifen vom Norden

nach Süden erstrecken. Ihre Anzahl kann sich auf ungefähr 80000 Seelen belau- ,

fcn. Sie sind von mehr als mittlerer Statur, kräftig und stark und von großer !Behendigkeit. Alle sind außerordentlich dein Trunke ergeben, und dies mag der ^Hauptgrund ihrer Verminderung sein, welche man bemerkt, wenn man ihre jetzigeVolksmenge mit der vergleicht zu der Zeit der Eroberung. Ihr berauschendes Ge- ^tränk ist Apfelwein, den auch arme Creolen trinken. Ein scharfsinniger Beobachterbemerkt deshalb, Don Garcia Hurtado de Mendoza habe den ärgsten Krieg gegen

die Indianer geführt, als er ihnen den Apfelbaum gegeben. Diese Bäume bilden

gegenwärtig ganze Wälder in ihrem Gebiete. Das Blut der Araucanen findet sich