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Brasilien und Südamerika.
zielen. Die Copiapo-Eisenbahn, von kaum 60 englischen Meilen in der Länge, trägtden Actionären neun vom Hundert des Anlagecapitals im halben Jahre. Überdiesist Hoffnung vorhanden, daß, sobald nach und nach die verschiedenen zahlreichenHülfsquellen des Landes in Fluß gerathen, die Erträgnisse sich immer mehren. DieKupferminen allein, wovon immer neue ergiebigere entdeckt werden, gewähren einenkaum erschöpflichen Stoff zur Ausfuhr." Die Santiago- und Valparaiso-Eisenbahnist am 17. Sept. 1855 eröffnet worden. Bei der Bahn von Santiago und Tacuahat sich der Staat mit einer Million Dollars betheiligt. Auch für Straßen undKanäle sind bedeutende Summen bewilligt worden. Und so sucht die Republik Chilein der That nach diesen und nach andern Richtungen der großen Schwester imNorden nachzueifern. *)
Die Chilenen sind mit gutem Grunde stolz auf das Wachsthum und Gedeihenihres Vaterlandes. Sie betrachten sich als die Vorkämpfer und den Hort der spa-nisch-amerikanischen Nationalität, gegenüber der anmaßlichen nordamcrikanischen Macht-entwickelung. Wo immer die Aankees im Süden Fuß fassen wollten, suchte Chile ihnenentgegenzutreten. Auch lassen es die mit vielem Talente redigirten Zeitungen nicht anerweckenden und aufreizenden Leitartikeln fehlen. In der letzten Zeit hat vorzüglich
die vermöge des Vertrags vom 20. Nov. 1854 ganz veränderte Stellung der Ver-
einigten Staaten zu Ecuador ihre Aufmerksamkeit erregt. „Das Protectorat derNordamerikaner über Ecuador, welches sie durch jenen Vertrag und in anderer Weiseerlangten", sagt der „Usssagsro" von Santiago, „ist das größte Ereigniß in Süd-amerika seit den Tagen seiner Unabhängigkeit. Diese legte mit vielem Aufwandvon Unkosten und Blut den Grund zu einer Anzahl von freien souveränen Staa-ten; das Protectorat der Vereinigten Staaten führt einen gewaltigen Hieb zur Fäl-lung jener so mühsam begründeten Nationalitäten. Die Heldenkraft unserer Väterhat das Sklavenjoch entzweigebrochen und uns ein Vaterland gegeben. Es wirdvon neuem bedroht durch die ehrlose und unredliche Regierung in Ecuador. Die
nach Herrschaft strebenden Nationen bleiben dieselben, mögen sie von Königen oder
Präsidenten regiert werden. Wir sahen und sehen, welch grenzenlosen Appetit dernördliche Adler besitzt, wie er zu seiner Befriedigung nach jedem Mittel greift, nachGewalt und Betrug. Über Ecuador hat er bereits seine Flügel ausgebreitet. Vonhier wird er um sich schlagen und einen Staat nach dem andern mit seinen blu-tigen Klauen ergreifen. Unsere Nationalität ist gefährdet, ist ernstlich gefährdet undhiermit jeglicher Fortschritt. Völker ohne selbständiges Volksthum sind dem Unter-gänge geweiht, sind der Verwesung preisgegeben."
Nach der letzten Botschaft des Präsidenten wurde die auswärtige Schuld wäh-rend seiner Verwaltung derart gemindert, daß sie beim Ende des Jahres 1854 blos6,705500 Piaster betrug. Die innere Schuld belief sich auf 1,507875 Piaster.Die Einnahmen des Jahres 1854 betrugen sechs Millionen und überstiegen die Aus-gaben. Die veranschlagten Ausgaben für 1855 waren berechnet, ungeachtet der vie-len auf Verbesserungen verwendeten Summen, blos auf 5,530000 Piaster. Nochmehr zeigt sich der steigende Wohlstand des Herrüchen Landes in der Handelsbewe-gung, welche sich mehrt mit jedem Jahre. Die Einfuhr betrug 1854 über 17 Mil-lionen und die Ausfuhr 15, zusammen über 32 Millionen, während der Werth desganzen Handelsverkehrs im Jahre 1855 sich blos auf 23 Millionen belaufen hat. ImJahre 1854 sind 2526 Fahrzeuge nach den chilenischen Häfen gekommen, Mit einem
„ *) „In Betreff der frühern Geschichte des Reichs Chile", sagt Pater Alday in dem schon ange-führten handschriftlichen Werke, „hat Garcilaso de la Bega in seiner Geschichte von Peru dasBeste gelieferch Unser berühmter Ercilla verherrlichte sie bis zu dem Ende seiner eigenen Sen-dung in heroischen Versen. Auf das treffendste schrieb in Rom der Pater Oralle die Thatenund Schicksale dieses Reichs von dessen Begründung an bis zu seiner Zeit, und endlich derAbate Molina vollendete das Werk und führte die Geschichte in allen ihren Theilen aus.Dieser gelehrte Erjesuit handelt, was das Mineral- und Pflanzenreich betrifft, auf das vor-züglichste, sodaß Dem, was er darüber sagt, nichts hinzugefügt werden kann."