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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika.

nur die Stadt Montevideo leistete jahrelang einen glücklichen, aber verzweifelten Wi-derstand gegen die Land- und Seemacht des Gaucho Rosas. Brasilien und Eng-land sahen mit Besorgniß auf diesen ungleichen Kamps; die Vernichtung der Unab-hängigkeit der Banda-oriental und ihre Einverleibung in die Argentinische Confö-deration würde den staatlichen und Handelsinteressen dieser Reiche zum großen Nach-theil gereichen. Auch gegen Paraguay waren seit langer Zeit die Waffen des Ro-sas gerichtet. Dieser ehemalige Zesuitenstaat sollte ebenfalls dem blutigen Dictatorhuldigen, weil er ehemals (1776) zum Vicekönigreich Buenos-Ayres gehört hatte.

Paraguay ist die erste spanische Colonie, welche (15. Mai 1811) ihre Unab-hängigkeit vom Mutterlande in förmlicher Weise erklärte. Es ist dieses südameri-kanische Binnenland reich gesegnet in vielen Beziehungen. Der Paranä verbindetes mit dem Meere und mit allen seefahrenden Nationen im Westen. Die amStrome erbaute Hauptstadt Asuncion (1536) sollte, im Sinne der Begründer, dervorzüglichste Stapelplatz des Verkehrs mit Peru werden; gegen Südostcn sollten Cor-rientes, Santa-Fe und Buenos-Ayres als Anhaltepunkte des Handels dienen. DiesAlles ist in der Folge, namentlich durch hie Jesuiten, welche hier ihre religiöse undstaatliche Politik ungehindert zur Anwendung bringen konnten, ganz anders gewor-den. Paraguay wurde und blieb bis zu den letzten acht oder neun Jahren einevon der übrigen Erde vollkommen abgeschlossene Gemarkung. Es sollten die Men-schen, so wollte, so will es der Orden, getrennt, geschwächt und in einem gedanken-losen siechen Pflanzenleben erhalten werden. Nur den eingeweihten Ordensmitglie-dern ist die Verbindung mit der übrigen Welt, ist ein geistiges, ein menschliches Le-ben, dann alle Tugenden und Laster, wenn sie nur dem weltbeherrschenden Zieledieser großartigen und furchtbaren Conföderation nicht störend entgegentreten, gestat-tet. Für den Jesuiten schwinden nämlich alle die gewöhnlichen beschränkt bürger-lichen Begriffe von Recht und Unrecht, von Gutem und Bösem. Alle Gedanken,alle Handlungen werden an dem einzigen ausschließlichen Maßstabe: Herrschaft undKräftigung des Ordens, gemessen.

Die Grenze Paraguays bilden auf drei Seiten die Ströme Paraguay undParana, im Norden unermeßliche Wildnisse, durch welche noch eine Grenze gezogenwerden soll. Der Flächeninhalt kann daher nur annähernd geschätzt werden und be-trägt in keinem Falle viel unter 5000 geographische Gevierkmeilen. Die Einwohnerzahlwird sehr verschieden angegeben, doch dürste die Schätzung, welche 800000 annimmt,der Wahrheit ziemlich nahekommen. Hauptpunkte des innern Verkehrs sind: Asun-cion (12000 Einwohner), Villa rica (5000 Einwohner), Curuguaty und Pilar deNembuco. Der reichste angebaute Theil des Landes ist der südliche, an dem Ri°Tebicuary und seinen Zuflüssen. Bedeutende Gebirge besitzt das Land nicht. DieErhebungen, welche vorkommen, übersteigen kaum einige Hundert Meter den Horizon-talschnitt des wellenförmigen Bodens, welchen eine wundervoll reiche Vegetation be-deckt. Herrliche Wäldeb wechseln überall mit fetten Prairien.

Von dem Mineralreichthume des Landes weiß man zur Zeit noch wenig. Daserste Hüttenwerk ist erst seit einigen Jahren eingerichtet und soll ganz vortreffliches Ei-sen liefern. Die Eisenminen von Caapucu mögen 75°/°, die von Jbicui ä3°/„ ge-ben. Das Zink der kleinen Cordillera gewährt 22°/°, Silber aus denselben Bergendurch Schmelzung °/>. Blei kommt bei Jbitimi, Quecksilber in der Serra vonSanta-Maria de Fe, in den Missionen, Salzlager in den Distrieten von Luque undCapiata vor. Die Hauptquellen des Reichthums sind Viehzucht und Ackerbau, deraber noch großer Verbesserungen bedarf, wofür auch die gegenwärtige Regierungernstlich Sorge zu tragen scheint. Obgleich dem größten Theile nach der gemäßig-ten Zone, angehörend, erzeugt das Land doch alle werthvollen tropischen Products ingroßem Überflüsse. Kaffee, Zucker, Baumwolle, Indigo, Taback, Verba-de -malei (Paraguaythee), kostbare Färb- und Tischlethölzer, Gummi, Balsame, Copal, Kaut-schuk, Producte der Viehzucht, vorzüglich Häute, Hörner, Talg und Fleisch bilden.die Hauptausfuhrartikel. ^ -