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Brasilien und Südamerika.
Jahr 1853 auf 1854 zu 68 Millionen Dollars gerechnet waren, haben blos 6!Millionen betragen. Ein Überschuß der Einnahmen konnte erzielt werden. Nicht sozu Uruguay!
Steigt man von der brasilischen Provinz Nio Grande herab zur Banda-oricntal,so merkt man alsbald einen großen Unterschied in der natürlichen Gestaltung desLandes. Bergzüge mit scharfen charakteristischen Formen trennen bereits den Laufder Gewässer: Hoch und Tief wechselt rascher und in weniger langsamen Übergängen.Auch die Cultur ist eine andere. Man sieht es den freilich noch immer spärlichenWohnsitzen an, daß sie mehr sind als Hütten von Nomaden. Heerden wilderPferde, welche keinem Besitzer anzugehören scheinen, werden nicht mehr angetroffen.Dies ist der Unterschied diesseit und jenseit der brasilischen Grenze, oder des eigent-lichen südlichen Camplandes zu dem wechselnden Terrain des Nio Grande. Größeraber noch als der Unterschied der Länder ist der Unterschied zwischen den Charakterenihrer Bewohner. Die Provinz Rio Grande ist das Erbtheil der Nachkommen por-tugiesischer Einwanderer, die Banda-oriental gehört den Abkömmlingen der Spa-nier. Die Namen Brasileiros und Castelhanos, welche sie sich selbst beigelegt haben,bezeichnen die Verschiedenheit zweier Racen, welche trotz der nahen Verwandtschaftihrer Sprachen die Zeit nie in eine Einheit zu verschmelzen vermag. Denn derBewohner der Provinz Nio Grande ist Brasilier in allen seinen Eigenthümlichkei-ten, so sehr auch die gesonderten und eigenthümlichen Verhältnisse seines speciellenVaterlandes zwischen ihm und den übrigen Brasiliern Unterschiede geschaffen haben,welche ihn höher als diese zu stellen scheinen. Seine kriegerischen Gewohnheiten,seine freiere und ungebundene Lebensweise, die Nachbarschaft und die ununterbroche-nen feindlichen oder freundlichen Beziehungen zu dcu wilden spanischen Gauchoshaben ihn manche der bessern Eigenschaften der spanischen Nace unwillkürlich anneh-men lassen, ohne daß er der Wildheit derselben hätte fähig werden, ohne daß er anihrem vollkommenen Nomadenleben hätte Geschmack finden können. Der Bewohnerder Provinz Rio Grande ist in Sprache und Charakter Brasilier geblieben. Trotzseiner ritterlichen Gewohnheiten, trotz seiner Kühnheit und Geschicklichkeit als Reiter,Schwimmer und Jäger, ist ihm jene unverkennbare Weichheit des Charakters,jene unbeschreibliche Indolenz geblieben, welche der ganzen brasilischen Bevölkerungeigenthümlich ist, und von der portugiesischen Abstammung her auch jene Mischungvon jüdischer Pfiffigkeit und Unzuverläsigkeit. Die Reste der Indianer, hier Chinengenannt und in einzelne sogenannte Colonien zusammengedrängt, haben zwar dieSprache und Sitten der Brasilier angenommen, aber dennoch den eigenen Typusihrer Gesichtszüge bewahrt. In der Banda-oriental dagegen scheinen sie in derNationalität der Castelhanos aufgegangen. Hier sieht man unter den Besitzern dersogenannten Estancien häufig das wahre Specimen des echten spanischen Hidalgo,in seiner vollen Grandezza und in all der indolenten Gedankenlosigkeit und vollkom-mensten Unwissenheit, welche ihm eigen sind. Wenn man bedenkt, daß eine solchespärliche, weit zerstreute und unruhige Landbevölkerung mit der großen und blühen-den, zum dritten Theile von Fremden bewohnten Handelsstadt Montevideo zu einemStaate verbunden ist, so wird man sich über die vielen oft raschen und unerwar-teten Umwälzungen nicht wundern können, welche auf diesem offenen Tummelplätzealler Leidenschaften stattgefunden haben und stattfinden. Die freie Ungebundenheitdes Volkscharakters, die Kampf- und Raublust werden jedem einflußreichen Häupt-linge schnell eine Schar von Reitern zuführen, welche die Durchführung persönlicherPlane über die dunkeln Interessen des- Gesammtwohls stellt.
Die Interessen Brasiliens waren, trotz seiner siegreichen Intervention, trotz derEntfaltung seiner ganzen Militärmacht gerade jetzt in Montevideo aufs Äußerste ge-fährdet.. Die Besetzung der Stadt und des ganzen Landes durch die brasilischeArmee hatte in der That so wenig Eindruck auf die Gemüther der Bewohner ge-macht, daß in der ersten ueugewa'hlten Nepräsentantenversammlung die Oribe'sche
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