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Zwöflter Band.
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372 Brasilien und Südamerika.

Partei eine bedeutende Übermacht zeigte/ und demnach aus der. Beilegung der'„Weißen" gerade das Gegentheil von Dem, was man erwartete, d. h. eine Re-gierung der „Weißen" hervorgegangen war. Der neue Präsident zögerte mitder Ratifikation der von seinem Vorgänger abgeschlossenen Verträge, wartetedie Rückkunft der orientalischen Truppenbrigade von Buenos-Ayres ab, und er-klärte sodann, daß er nicht eher unterhandeln würde, als bis die brasilischenBataillone die Stadt geräumt hätten. Die feindlichen Gesinnungen der Bewohneraber gaben sich durch öffentliche Verhöhnung der Brasilier so deutlich kund, daßman nicht im Zweifel darüber bleiben konnte, wie gering sie den Werth der kaiser-lichen Truppen anschlugen. Ein als brasilischer Soldat verkleideter Affe wurde unterAbsingung der Caxiashymne durch die Straßen geführt, dem brasilischen Ministerdie Fenster eingeworfen u. dergl. m., ohne daß hierbei selbst ein Volksauflauf oderein Conflict mit den Truppen stattgefunden hätte.

Präsident Juan Francisco Giro benahm sich in so mäßiger einsichtsvollerWeise, daß der Friede — ein seltenes Ereigniß in dem zerrissenen Lande Uruguay— während einiger Jahre erhalten werden konnte. Am 15. Juli 1852 schloßer die Session des Congrefses mit folgenden Worten: „Unser vor kurzem noch sounglückliches Vaterland konnte sich, dank euern patriotischen Bestrebungen und demtrefflichen Verhalten der ganzen Nation, erholen von den vielen Wunden, welcheihm der Bürgerkrieg geschlagen. Wir erfreuen uns jetzt des Friedens, der Freiheitund der Unabhängigkeit. Auf diesen sichern Grundlagen wollen wir das Wohl un-serer Mitbürger weiterbauen." Die nächste Zukunft zeigte bereits, daß diese Hoff-nungen vergeblich waren. Wie wäre es auch möglich gewesen bei einer Schulden-last von 17 Millionen Piaster und einem bedeutenden jährlichen Deficit — die regel-mäßigen Einnahmen betrugen 2,611000 und die Ausgaben 2,837000 Piaster —eine geordnete Regierung einzuführen und zu erhalten. Die Finanznoth und dermangelnde Credit des Staates stieg bald derart, daß man zu Montevideo froh seinmußte, ein Anlehen von 30000 Piaster» mit 8 °/o monatlich erhalten zu können.

Diese zerrütteten Zustände und die nie ruhende Feindseligkeit zwischen den beidenParteien, den Stadt- und Landbewohnern, zwischen den Weißlichen (Llanguillo)und den Dunkeln (Lolorsllo), führten am Jahrestag der Constitutionsfeier am8. Juli 1853 zu einem Aufstande, welcher eine vollkommene Änderung in der Re-gierung zur Folge hakte. Präsident Giro flüchtete sich (28. Sepk. 1853) auf einfranzösisches Kriegsschiff und gab später seine Entlassung. Der Bürgerkrieg ent-brannte an vielen Orten, zu Paysandu und Salto, zu Tacuarembo und zu CerroLango. Der jugendliche Hauptmann Flores, indianischer Abstammung und hervor-ragend unter den Genossen durch ein tüchtiges, redliches und einfaches Wesen,hatte thatsächlich seit der Flucht des Präsidenten die Regierung in Handen. Siewurde ihm auch von dem (12. März 1851) zu Montevideo zusammengetretenenCongreß gesetzlich verliehen, freilich nur bis zum gesetzlichen Ende der Präsidentschaftdes Generals Giro, d. h. bis zum 1. März 1856. Auch die glückliche Beendi-gung dieses Bürgerkrieges wurde durch die Intervention Brasiliens herbeigeführt.Es waren nämlich, auf Grund des Vertrags vom 29. Mai 1851, 1000 MannBrasilier in Uruguay eingerückt, die am 1. Mai 1854 Montevideo besetzten undhier auf Ordnung hielten. Dann verpflichtete sich Brasilien nochmals zu einer mo-natlichen Beisteuer für den Staatshaushalt der Republik. Brasilien brachte undbringt alle diese Opfer in der Absicht, einstweilen unter dem Namen des Flores,oder eines andern Häuptlings die Republik zu beherrschen, bis man das Land beiirgendeiner paffenden Gelegenheit unmittelbar mit dem Kaiserreich vereinigen könne.Diese Zeit scheint nicht mehr fernzuliegen. Flores verstand es nicht, sich populärzu machen, und hatte somit wenig Aussicht, bei der bevorstehenden Wahl eines Prä-sidenten gewählt zu werden. Sein immermehr zutage tretendes Streben, sich denBesitz der Macht auf weitere vier Jahre zu erhalten, rief im Gegentheil großenWiderspruch hervor. Bald sah er sich isolirt, während die bisher einander gegen-