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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika. 373

überstehenden Parteien der Colorados und Blanquos sich zu gemeinsamer Agitationgegen die Herrschsucht des Mannes vereinigten. Flores hoffte mittels Gewalt dieBefriedigung seiner Wünsche zu erhalten. Zunächst sollte die feindliche Presse un-terdrückt werden. Ein Redacteur wurde verhaftet, -der Zeitschrift ,, lubertsä" wur-den die Pressen versiegelt und am 16. Aug. 1855 ein Decret erlassen, welches, imWiderspruch gegen die Verfassung, die Preßfreiheit unter Zustimmung des dem Prä-sidenten ergebenen permanenten Kammerausschusses vernichtete.

Die Folge dieser Maßnahme war ein Widerstand, welchen die Partei des Ge-nerals Flores nicht ahnte. Die verbotene „llibsrtsck" fuhr fort, auf einer gehei-men Presse gedruckt, zu erscheinen, und bekämpfte in äußerst nachdrücklicher undleidenschaftlicher Sprache die Regierung. Mehre in Montevideo anwesende Mitglie-der des gesetzgebenden Körpers protestirten bei dem permanenten Musschuß gegen denErlaß des Präsidenten, und ein Gleiches „that die nach der Verfassung zur Controledes Steuerwesens niedergesetzte Junta. Überall zeigte sich ein Geist, dessen Gefah-ren für den Bestand der Regierung mit jedem Tage anwuchsen. In Würdigungdieser Lage der Dinge wendete der brasilische Gesandte zu Montevideo seinen ver-tragsmäßigen Einfluß an, um die Regierung zur Rücknahme des Decrets vom16. Aug. zu vermögen. Seine Vorstellungen blieben erfolglos. Statt ihnen nach-zugeben, richtete der Minister des Auswärtigen (17. Aug. 1855) an den Gesandtendie Auffoderung, für den Fall einer Volkserhebung die Regierung mittels des bra-silischen Jnterventionscorps unterstützen zu wollen. Der brasilische Gesandte über-reichte hierauf dem Cabinet des Generals Flores eine Note, worin er darstellte, derAllianztractat Brasiliens mit Uruguay verpflichte das Kaiserreich, seinen bewaffnetenBeistand für Aufrechthaltung der Verfassung und der darin festgestellten Grundsätzezu leihen. Demgemäß müsse von ihm eine Intervention zu Gunsten eines Cabi-nets, welches durch sein Decret vom 16. Aug. die Verfassung gebrochen habe, ab-gelehnt werden.

Unterdessen war in der Hauptstadt bekannt geworden, daß seitens der Regie-rung die Milizen des flachen Landes aufgeboten und organisirt würden. Niemandkonnte über den Zweck dieser Rüstungen im Zweifel sein. Es bedurfte nur nocheiner kleinen Veranlassung, und der offene Widerstand gegen den Präsidenten mußteausbrecheu. Sie ließ nicht lange auf sich warten.

Am Morgen des 26. Aug. erließ Flores einen Verhaftsbefehl gegen den De-putieren 0r. Jose Maria Munoz, Herausgeber der ihren Widerstand gegen dasPreßedict fortsetzenden „lubsrwcl". Kaum war die Kunde hiervon zur Bevölkerunggedrungen, so versammelte sich eine mit jeder. Minute wachsende Menschenmengevor der Wohnung des bedrohten Deputirten, entschlossen, jeden Versuch, ihn zuverhaften, mit Gewalt zu vereiteln. Der mit der Verhaftung beauftragte Polizei-dircctor konnte sie unter solchen Uniständen nicht bewerkstelligen. Nachdem mehrederlei Versuche vergeblich geblieben waren, erschien Flores selbst, von einer ZahlBewaffneter begleitet, im Hause des Munoz. Der Präsident fand diesen in Ge-sellschaft einer Menge der angesehensten Parteihaüpter der Republik; er erhielt vonihnen die bestimmte Erklärung, sie seien entschlossen, sich jedem Versuch der Ver-haftung zu widersetzen. Flores zog sich zurück. Nun erschienen der Minister desInnern, Don Salvador Fort, und der dem Präsidenten befreundete Don MuthesMagharinos bei den im Hause des Munoz Versammelten und federten sie im Na-men des Präsidenten auf, zum Endzwecke gegenseitiger Verständigung eine Deputa-tion zu senden. Man entsprach diesem Antrag: 15 Personen begaben sich nachdem Regierungsgebäude. Diese Deputation sollte vom Präsidenten Dreierlei erlan-gen: die Freigebung des am 16. Aug. verhafteten Redacteurs Don Antonio Tome;die Wiederherstellung. der durch die Verfassung festgesetzten Bürgschaften; und eineErklärung über den Zweck der militärischen Rüstungen auf dem flachen Lande.Sämmtlichen Fodernugeu gegenüber zeigte der Präsident sich nachgiebig. Um dieRüstungen zu erklären, gab er vor, sie seien durch das verletzende Auftreten des