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Zwöflter Band.
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374 Brasilien und Südamerika»

brasilischen Gesandten hervorgerufen, welcher sich in die innern Angelegenheiten ge-mischt habe. Ein neuer Erlaß des Präsidenten wurde veröffentlicht, welcher denvom 10. Aug. gegen die Presse zurücknahm, sodaß es einen Augenblick schien, dieRevolution sei beschworen. Da wurde es bekannt, daß unmittelbar nach der schein-baren Verständigung mit dem Dreizehnerausschuß der Bruder des Flores sich zudem Befehlshaber des brasilischen Jnterventionscorps begeben, um ihn darauf vor-zubereiten, daß Truppen vom flachen Lande in die Stadt einrücken würden, mitdem Beisätze, der Commandant möge den Gerüchten, dieselben hätten eine Brasilienfeindliche Bestimmung, keinen Glauben schenken. Sie seien einzig und allein zurBändigung des revolutionären Gebahrens der Stadt Montevideo gegen den Präsiden-ten bestimmt. Diese geheimen Mittheilungen erschienen am folgenden Morgen, sicher-lich auf Betrieb des brasilischen Gesandten, im Drucke, im halbamtlichen Blatte„Kseiousi". An demselben Morgen ließen die Freunde der Regierung bei sämmt-lichen Beamten und Offizieren eine Adresse circuliren, in welcher der Präsident auf-gefodert wurde, weder Mittel noch Opfer zu scheuen, um die Ruhe und Ordnungdes Staats wiederherzustellen — eine Adresse, welche trotz der Vorsicht in denWorten doch Niemanden über ihren wahren Zweck täuschen konnte. Es war klar,die vom Präsidenten der Deputation gegebene Erklärung über die Rüstungen hatteblos den Zweck, die Opposition hinzuhalten und Zeit zu gewinnen, um die Truppenheranzuziehen. Das Maß der Geduld war erschöpft, man suchte die Gewalt mitGewalt zu vertreiben. Am 28. stand ganz Montevideo unter den Waffen. GeneralFlores war geflüchtet. Als man den Präsidenten und Vicepräsidenten des Senatsaufsuchte, um sie zu bestimmen, der Verfassung gemäß in Abwesenheit des gesetz-lichen Regierungsvorstandes die Leitung der Geschäfte zu übernehmen, waren auchdiese Herren nicht aufzufinden. So führte die Nothwendigkeit zur Einsetzung einerneuen obersten Behörde. Don Luiz Lamas, der Urheber der Vereinigung der Co-lorados mit den Blanquos, ward zum provisorischen Präsidenten erhoben. Am29. Aug. des Abends ward die neue Präsidentschaft mit dem von ihm gebildeten,aus mehren Bürgern Montevideos bestehenden Cabinet förmlich eingesetzt. DieHauptpunkte des Programms dieser Fnsionsregierting waren: Unterstützung derverfassungsmäßigen und verfassungsmäßig handelnden Regierung; Feststellung derbrasilische» Allianz; Beseitigung und Vernichtung der alten Parteitrennungen; Un-verletzlichkeit des bestehenden Grundgesetzes und Anerkennung des durch den .Wi-derstand gegen das Willkürregiment von Flores hervorgerufenen Zustandes. Aufdieser Grundlage wollen sie die Ordnung und Freiheit wahren und Heil und Glückdes Vaterlandes weiterbauen.

General Flores hat sich seinem Geschicke nicht ruhig ergeben. Zu ihm hälteine starke Partei der Landbevölkerung, welche abgeneigt ist dem städtischen Wesen,der städtischen Herrschaft. Der vertriebene Präsident sammelte aus diesen seinen An-hängern Truppen und rückte gegen die Stadt. Lamas zog ihm an der Spitze sei-ner Streitkräfte entgegen, erlitt aber eine Niederlage, sodaß die Partei des Floresabermals Macht gewann. Die unglückliche Stadt Montevideo wurde nun wiederumund wiederholt der Schauplatz blutiger Aufstände und Mordbrennereien. Der ehe-malige Deputirte und Herausgeber der „llibsrtsä", vr. Jose Maria Mnnoz, tratvon neuem an die Spitze der Feinde des Flores und begegnete der Gewalt mit Ge-walt. Vier Tage lang, vom 24. — 28. Nov. 1855, führte man innerhalb derStraßen Montevideos eine Art von Guerrillaskrieg, wobei an 100 Personen getödtetund noch viel mehr verwundet wurden. Die Aufständischen unterlagen und muß-ten froh sein, daß ihnen durch Vermittelung der fremden Gesandten ein ungehinder-ter Abzug nach Buenos-Ayrcs, oder wohin sonst sie sich begeben wollten, gestattetwurde. Munoz und die Semizen wandten sich nach Bnenos-Ayres und fandendort freundliche Aufnahme. Die brasilischen Truppen, welche während der frühernKämpfe gegen Flores eine zweideutige Neutralität beobachtet, verließen auf Verlan-gen der wieder zur Herrschaft gekommenen Partei dieses Generals die Stadt (15. Nov.