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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika. 375

1855) und zogen gegen den Rio Grande ab. Die Generale Flores und Oribe, deralte Freund des Rosas, wurden jetzt die faktischen Gewalthaber in Uruguay, wäh-rend ein »euerwählter Präsident, Don Bustos, dem Namen nach das Staatsruderführte. Die Feindschaft dieser Machthaber gegen die jetzigen Zustände in Buenos-Ayres und der ganzen Argentinischen Conföderation, vorzüglich aber gegen derenPräsidenten Urguiza ist bekannt. Eine neue Aussicht endloser Wirren ist eröffnet,welche überdies durch Meutereien in Buenos-Ayres selbst und an vielen andern Or-ten der Conföderation Nahrung findet. Hierzu kommt noch die Unordnung in denFinanzen. Das jährliche Deficit des argentinischen Staakenbundes soll sich (1834—55) auf einige Millionen Dollars belaufen. Die fremden Kaufleute, welche un-gestört ihren Geschäften nachgehen möchten, wünschen die Einfügung Montevideosin das benachbarte Kaiserthum. Brasilien würde dadurch seine vieljährigen Bestre-bungen gekrönt scheu. Werden die Bereinigten Staate», wird namentlich dieArgentinische Conföderation, deren Interessen, deren Selbständigkeit sogar dadurchgefährdet wären, dies gestatten? Nimmermehr! England und Frankreich sind we-gen des mit jedem Jahre steigenden Handelsverkehrs bei der Erhaltung der Ruheund dem Gedeihen der herrlichen Länder am La Plata, man kann sagen, unmittel-bar betheiligt. Sie wollen darum von neuem eingreifen, um im Verein mit Bra-silien einen Austrag zwischen den streitenden Parteien zu bewirken. Sollte diesihnen besser als in den vierziger Jahren gelingen? Wir bezweifeln es. Nur voninnen heraus kann diesen Ländern in bleibender Weise Ruhe werden. Eine fremdeBesatzung wird dies nicht vermögen, Brasilier am wenigsten; denn diese sind sogarsehr gehaßt im ganzen Stromgebiet des La Plata. Selbst ein Krieg gegen dasKaiserthum würde mit Jubel begrüßt werden in allen Staaten der ArgentinischenConföderation, in der Banda-oriental wie zu Paraguay. Das Land Paraguay hataus dem Sturze des Rosas die größten Vortheile gezogen. Man wußte sich über-dies vor den innern Wirren zu bewahren, welche in den beiden La Plata-Staaten,in der Argentinischen Conföderation und zu Uruguay, erfolgten. Paraguay ist seit-dem, ohne weitere Anfechtung, in die Reihe der unabhängigen Staaten getreten;seine Selbständigkeit ist von allen Seiten, von England und Frankreich, von denVereinigten Staaten sowie von der Argentinischen Conföderation selbst (1852) an-erkannt worden. Die Gesandten verschiedener europäischer und amerikanischer Regie-rungen, von England, von Frankreich und Sardinien, von den Vereinigten Staatenund Chile sind nach und nach (1852 und 1855), und zwar zum ersten male inAsuncion erschienen. Unterhandlungen über Freundschafts- und Handelsverträge ha-ben mit dem wenig bekannten Lande begonnen. Seinerseits schickte Präsident LopezAbgeordnete nach den Vereinigten Staaten und Europa. Der älteste Sohn dcSPräsidenten, General Franciscv Solano Lopez, ging als außerordentlicher Gesandterund bevollmächtigter Minister in Begleitung seines jünger» Bruders und vielerandern angesehenen Paraguaner nach London, und Paris. Sie haben im Sommerdes Jahres 1854 den Continent bereist, und sind dann, bereichert mit vielen Kennt-nissen und Erfahrungen, in ihr Vaterland zurückgekehrt. Die im Verlaufe des Jah-res 1855 mit England, Frankreich und Nordamerika geschlossenen Schiffahrts- undHandelsverträge gewähren diesen Staaten eine freie Schiffahrt auf dein Paraguaybis zur Landeshauptstadt Asuncion. Die Fremden können mit ihren Waaren nachBelieben frei aus-,und eingehen; sie können im Lande bleiben, Häuser und Grund-besitz erwerben. In Betreff der bürgerlichen Rechte, der Zölle und anderer Abga-ben sind sie vollkommen gleich den Eingeborenen; derselben Freiheiten und Rechte er-freuen sich die Paraguaner in den auswärtigen Vertragsstaaten. In dem Tractatemit England ist überdies bedungen, daß die Briten ihre Religion in den Häusernungehindert ausüben können und Paraguay keinen Sklavenhandel dulden werde.Aber auch hier, wie allenthalben in Amerika, sind es die Bürger der VereinigtenStaaten, welche die neugewonnene Stellung am schnellsten benutzen und am meistenVortheile daraus ziehen. Bereits im November 1855 dampfte ein amerikanisches