Preußens Statistik. 391
»ischen Herrschaft seit 1466 angesiedelt, was auch in gleicher Weise für die evan-gelischen Kreise*) der südlichen Theile der Regierungsbezirke Königsberg und Gum-binnen (Masuren) theils aus der Nachbarschaft Masoviens, theils auS der polni-schen Lehnshoheit sich ableiten läßt. In Schlesien ist der Leche oder Pole Vorzugs-weise im Regierungsbezirk Oppeln mit 540000 Köpfen angesiedelt, und wird hierin der gemeinen Sprache des Volks als Wasserpole bezeichnet. Von den Elbslawen,die zusammen im preußischen Staate nur 102000 Köpfe zählen, finden wir 60000Wenden in der Mark Brandenburg und Lausitz, 38000 Wenden in Schlesien undetwa 4000 Kassuben in den Grenzkreisen zwischen Pommern und Westpreußen. DieCzechen und Mähren sind am schwächsten vertreten, und erst im 16. und 17. Jahr-hundert, zum großen Theil durch kirchliche Verfolgungen bedrängt, in den preußi-schen Staat eingewandert: wir finden 18000 Czechen oder Böhmen in Schlesienund einigen Städten der Mark Brandenburg (Berlin, Potsdam mit der ColonirNowa Weß), ebenso 40000 Mähren in Schlesien und Berlin. — Von den Ost-slawen besitzt Preußen nur einige Colonien Russen, wie die Philipponen bei Oktaim Kreise Johannisburg (Regierungsbezirk Gumbinuen), die kleine Colonie beiPotsdam und einige russische Familien in den größern Städten, zusammen gegen-wärtig nicht viel über 1200 Köpfe, da die Philipponen im Jahre 1826 erst einge-wandert, 1845 schon 1480 Köpfe stark, seit dieser Zeit wieder theilweise in ihrfrüheres Vaterland zurückkehren und bereits auf 850 Köpfe zurückgekommen sind.
Der lettische oder lithauische Volksstamm, im Mittelalter bis zur Ankunft deSDeutschen Ordens der Herr des Landes vorn rechten Weichselufer bis zum Riemen,hat sich nur noch in den nordöstlichen Kreisen der Regierungsbezirke Königsberg undGumbinnen erhalten, etwa 155000 Köpfe stark als Lithauer und Kure. Er bildetdemnach nicht mehr ein volles Procent der Gesammtbevölkerung, und verliert sichüberdies mit jedem Jahre mehr durch Vermischung mit dem deutschen Volksstummeund theilweise Übersiedelung nach andern Kreisen des Staats. — Die Mischstämmeder Romanen und Celto-Germanen haben in Preußen nur geringe Zweige theils inden französischen Colonien, die der große Kurfürst Friedrich Wilhelm »ach der Auf-hebung des Edicks von Nantes seit dem December 1685 aus Frankreich in die MarkBrandenburg und Preußen einwandern ließ (kokugios), theils in den Wallonen,welche in den beiden Regierungsbezirken Aachen (vorzugsweise im Kreise Malmedy)und Trier leben, etwa 30000 Köpfe stark, theils endlich zerstreut in den größernStädten, in gewerblichen Verhältnissen aller Art beschäftigt: überhaupt zusammengegen 50000 Köpfe oder 0,s"/» der Gesammtbevölkerung. — Der Jude ist überden ganzen preußischen Staat ausgebreitet, am schwächsten in Neuvorpommern(Regierungsbezirk Stralsund) und Sachsen, am stärksten im Großherzogthum Posenund denjenigen Theilen der Provinz Preußen, die bis zum Jahre 1772 zum König-reich Polen gehört haben. Während die Gesammtzahl der Juden in, December1852: 226868 Köpfe ausmachte, d. h. 1,s°/° der Gesammtbevölkerung des Staats,gab es im Großherzogthum Posen 74331, oder ein Drittheil sämmlicher Juden inPreußen, d. i. 5,5 "/> der Bevölkerung dieser Provinz; in Westpreuße» oder den bei-den Regierungsbezirken Danzig und Marienwerder wurden 24447 Juden gezählt,oder 2,25 '/« der Bevölkerung dieser Landestheile. Dessenungeachtet nimmt die jüdischeBevölkerung gegenwärtig in allen übrigen Provinzen verhältnißmäßig stärker zu alsin Posen, weil sie dort entweder gleichen Schritt mit dem Wachsthum bei der christ-liche» Bevölkerung hält oder selbst noch etwas stärker wächst, während sie in Posenentschieden nicht nur hinter der Zunahme der übrigen Bevölkerung zurückbleibt, svn»
*) Zm Allgemeinen fällt für die östlichen Provinzen Preußens die römisch-katholische Kirchemit der slawischen Abstammung zusammen, sodaß im gemeinen Leben hier der Slawe iden-tisch mit dem Katholiken genommen wird. Am generellsten findet dies in Posen statt. Abercn Preußen war das vormalige herzogliche Gebiet seit 1525 vollständig zur evangelischen-Kwche übergetreten und auch in derselben erhalten. Es find daher in den zu diesem Gebiete,gehörenden Kreisen alle Slawen in der Regel evangelisch.