Preußens Statistik. 39S
Preußen, relativ schwächer bevölkert find, die Propagativn in der Bevölkerung leb-hafter zunimmt.
In Pommern und Brandenburg ist die kirchliche Einheit am stärksten vertre-ten; in der erstgenannten Provinz ist die Zahl der Katholiken noch nicht 1 7»der Bevölkerung, nämlich 10912 (1852) auf 1,253904 Seelen, in der MarkBrandenburg auf nur 1,75/o mit 35071 Köpfen auf 2,205040 Seelen. Ein glei-ches Verhältniß findet für Ostpreußen statt (Regierungsbezirk Königsberg und Gum-binnen), wenn man das vormals polnische Ermland davon ausschließt, das fastausschließlich katholische Bewohner besitzt. In Sachsen sind die beiden RegierungsbezirkeMagdeburg und Merseburg fast ausschließlich evangelisch, Erfurt zu fünf Siebentel evan-gelisch und zwei Siebentel katholisch. Paritätisch im Glaubensbekenntniß erscheinen West-preußen und Schlesien, wenn man die Gesammtzahlen der Katholiken und Evangelischenvergleicht 504048-1- 1,520838 Katholiken mit 532936-j-1,617855 Evangelischen;aber in Westpreußen ist der aus dem rechten Weichselufer gelegene Landcstheil mitEinschluß von Danzig ebenso überwiegend evangelisch wie die nördliche Hälfte vonSchlesien, während die Bewohner des linken Weichselufers und der südlichen HälfteSchlesiens in ähnlicher Weise der katholischen Kirche in größerer Anzahl angehören.Im Großhcrzogthum Posen, Westfalen und der Nheinprovinz beträgt die Zahl derKatholiken mehr als das Doppelte der Evangelischen, indem jene (mit Einschluß der65500 katholischen Bewohner der Lande Hohenzollern) zusammen 3,952670, diese1,782439 ausmachen.
Die Evangelischen besaßen im Jahre 1849 8164 Pfarrkirchen (Mutter- undTochterkirchcn *) zusammengerechnet) und 837 gottesdienstliche Versammlungsorte,die keine Parochialrechte haben, also nach der oben angegebenen Zahl der Evange-lischen aus dem Jahre 1849 für jede Pfarrkirche 1227 Gemeindeglieder und fürjedes gottesdienstliche Gebäude überhaupt 1113 Glieder. Die Anzahl der evange-lischen Geistlichen betrug 6139, mithin für jede Parochialkirche 1627 Gemeinde-glieder. Aber die Vertheilung der Kirchen war in den einzelnen Provinzen sehrverschieden; während sie in den mittlern Provinzen mit Einschluß Pommerns wolausreichen und für 900 —1500 Seelen hier bereits eine Kirche besteht, bilden inPreußen und Polen durchschnittlich 2000 — 3800 Seelen eine Gemeinde und wohnenthcilweise so entfernt von der Kirche, daß das Bedürfniß nach neuen kirchlichen Ver-bänden sich als ein dringliches geltend gemacht hat. In anderer Weise leben inder Rheinprovinz die Evangelischen so zerstreut, daß hier für die Bildung neuer Ge-meinden auch weit unter der Durchschnittszahl gesorgt werden muß, auch wennnur eine Gemeinde von 3—400 Seelen für einen eigenen Geistlichen zusammenge-bracht werden kann. Es sind nun in den Jahren 1850 — 55 theils mehre neueKirchen begründet, wie 1850: 6, 1851: 7, theils ist durch die Vermehrung dergeistlichen Stellen in den Städten und durch Anstellung von Hülfsprcdigern gesorgt,welche zugleich die gottesdienstlichcn Handlungen für die in der Diaspora wohnendenEvangelischen zu übernehmen haben. Die Zahl der Kirchen ist gegenwärtig auf
8200, die der evangelischen Geistlichen auf 6215 gestiegen, also nach der letzten
Zählung im December 1852 eine Kirche für 1263 und ein Geistlicher für 1668
Evangelische.
Für die Katholiken finden wir 1849 5156 Pfarrkirchen, von denen 3927Mutterkuchen und 1229 Filialkirchen sind; außerdem besitzen sie 2082 Kapellen undandere gottesdienstliche Versammlungsorte ohne Parochialrechtt. Die Zahl der Pfarrer,Kaplane und Vicare betrug 1849 5605: mithin traf nach der oben genannten
Gesammtzahl der Katholiken aus dem Jahre 1849 eine katholische Kirche auf 1176
*) Die Zahl der Tochterkirchen ist nach den officiellen Tabellen nur im Allgemeinen zudrei Achtel der Gesammtzahl anzugeben; sie beträgt 2956 und die der Mutterkuchen 5268.Aber in den Regierungsbezirken Danzig, Gumbinnen, Liegnitz, Stralsund, Minden, Kölnund Aachen gibt es nur sehr wenige Filialkirchen, kaum eine auf 36 Mutterkirchen.