Preußens Statistik. 407
gelegenheiten (namentlich für Unterrichtsanstalten). Unter den außerordentlichen Ve»walcungsausgaben befindet sich nur ein geringer Unterschied zwischen den Budgetsder Jahre 1852 und 1855, aber ein recht bedeutsamer zwischen den Zähren 1853und 1854 mit 1,460000 Thalern in abgerundeter Summe, vorzugsweise mit Mehr-ausgaben für das Kriegsministerium, da allein die Ergänzung des Naturalverpfle»gungsfonds einen Mehrbetrag von 1,059138 Thalern im Jahre 1854 gegen 1853erfoderte. Überdies nahm im Jahre 1854 das Ministerium für landwirthschaftlicheAngelegenheiten einen außerordentlichen Mehrbedarf von 126645 Thalern in Anspruchfür die erhöhten Getreide- und Futterpreise bei den Landgcstüten sowie zur Dotirungdes kösliner Meliorationsfonds (67000 Thaler), das Ministerium für innere Ange-legenheiten 136166 Thaler zur Verstärkung des Baufonds zu Strafanstaltsgebäudenund das Finanzministerium gegen 120000 Thaler zur Ablösung von Forstservituten(50000 Thaler), sowie zur Umprägung der nicht vollwichtigen Friedrichsdor und deralten ungeränderten Silbermüuzen (70000 Thaler).
Bei den Dotationen, die außer der Verzinsung und Tilgung der Staatsschuldjetzt nur noch die geringen und jährlich sich wenig verändernden Ausgaben für beideKammern mit 236000 Thalern im gesammten Betrage enthalten, war die Haupt-summe von 10,762407 Thalern im Jahre 1852 bis auf 11,075727 Thaler gestiegen,also um 313000 Thaler vergrößert. Diese Erhöhung ergibt sich als eine nothwen-dige,Folge der beiden neuen Anleihen. Im Jahre 1853 wurde der Nest der zurVollendung der oben angeführten drei Staatseisenbahnen bewilligten Anleihe mit5 Millionen Thaler zu 4"/» Zinsen und 1°/» jährlich für den Tilgungsfonds aufge-nommen und brachte nur 4,650000 Thaler, da die Papiere su portsur bei dendamaligen politischen Verhältnissen nur zu 93 "/-> durchschnittlich verkauft werden konn-ten. Diese nationalökonomisch so überaus günstig wirkende Erhöhung der National-schuld zur Förderung gewichtvoller materieller Interessen wurde in allen Provinzenbeifällig aufgenommen, weil jede dieser Eisenbahnen einem wirklich gefühlten Ver-kehrsbedürfnissc entsprach. Aber die orientalische Frage und ihre vielseitige Verwicke-lung, das drohende Herannahen eines allgemeinen europäischen Kampfes nöthigten,bei aller Vorliebe der Staatsregierung für Aufrechthaltung ihrer neutralen Stellung,jede europäische Großmacht angemessene Vorkehrungen zu treffen, um die vollstän-dige Bereitschaft der Kriegsmacht für jede Eventualität in dem großen Entwickelungs-gänge der politischen Ereignisse verwenden und dadurch die einmal erworbene undfür die Nationalwohlfahrt nothwendige Autorität eines selbständigen politischen Ge-wichts behaupten zu können. Der Ausbruch des Kriegs zwischen den verbündetenMächten und Rußland im März 1854, die starken Rüstungen von östreichischer Seite,außerdem die noch in Berlin damals versammelten Kammern beschleunigten wol dieVorlage vom 18. März 1854, nach welcher ein außerordentlicher Credit von 30 Mil-lionen Thaler für den Bedarf der Militärverwaltung verlangt wurde. Die Bewilli-gung der Kammern erfolgte ohne Schwierigkeit. Die erste Hälfte mit 15 MillionenThaler wurde zu 47, '/» Zinsen und 1'/» jährlich für die Tilgung schon im Sommerrealisirt; die zweite Hälfte mit 15 Millionen Thaler ward erst unmittelbar vor derEröffnung der neuen Kammersesfion im November 1854 vermittels einer Prämien-anleihe zu 37-7» Zinsen und einer jährlichen Prämienzichung (wozu I V» ersparterZinsen in Prämien von 110 bis zu einer von 100000 Thalern verwandt werden sollte)nebst 1'/° zu jährlicher Tilgung ausgegeben. Die Erhaltung der neutralen StellungPreußens in dem orientalischen Kampfe schaffte mindestens den finanziellen Nutzen, daßdie Staatsregierung zu möglichst Vortheilhaften Bedingungen die Anleihe realifirte,die erste zu 98°/>, die Prämienanleihe durchschnittlich selbst zu 997», mithin über-haupt aus beiden Anleihen 29,550000 Thaler baar Geld zur Verfügung erlangte.Aber man verwendete bis zum Beginn des Jahres 1856 noch nicht die Hälftedieses Geldvorraths. Nach einem in der zweiten Hälfte des Januar 1856 dmrHause der Abgeordneten vorgelegten Gesetzentwürfe soll zur Deckung des außer-ordentlichen Geldbedarfs der Militärverwaltung im Lause des Jahres 1856 der Kriegs»