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Zwöflter Band.
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, Die Medicin.

Nces von Escnbeck, Kiclmeyer und Anderer (die Ärzte sollen gleich genannt werden)mehr als historisch werthvoll. Die vorhin erwähnte Antinomie sowie die übrigenlöste Schelling damit, daß für das speculative Wissen das Ideale gleich dem Realensei, daß die Wahrheit dem Sein wie dem Ich immanent, daß die Natur gleich demIch ist. Präciser als Kant es ahnen ließ entwickelt Schelling, daß die Natur-gesetze sich auch unmittelbar im Bewußtsein als Gesetze des Bewußtseins und umge-kehrt nachweisen lassen müssen. Dürfen wir hier daran erinnern, daß Kant's obencikirter Ausspruch (aus der Vorrede zu den ,,Metaphysischen Ansangsgründen der Natur-wissenschaft") ähnlich klingt! Freilich gcriethen aber eine Anzahl späterer Forscher, be-sonders durch Hegel's Dialektik gereizt, in die Meinung, man könne nun Naturgesetze,sogar Begriffe von Naturgegenständen, construiren, ohne weder an die Kant'sche Fe-derung der mathematischen Begründung, noch auch nur an einen Vergleich mit derNatur selbst zu denken. Doch haben sich die Ärzte im Ganzen hiervon freigehalten.Unmittelbar auf die Medicin wirkte die Naturphilosophie, allerdings bei Vielen nichtgerade aufklärend, schon bei Troxler, C. I. Kilian sich in leeres Spielen mit Be-griffen verlierend, im Ganzen aber doch mächtig anregend. Rvschlaub's und Marcus'Annahme der Erregungstheorie wurde bereits erwähnt. Als Arzt gewiß am geistvoll-sten verarbeitete Kiefer die neue Lehre, dem Ph. F-von Walter würdig zur Seite steht.

Wir wollen jedoch noch nicht auf die Leistungen einzelner Männer eingehen.Wir bezeichneten Kant's Eintritt in die denkende Welt als den Beginn der neuenZeit. Sollte dies nicht von gewissen Leuten, denen der handelnde ärztliche Beruffern außerhalb des Bereichs der Speculation zu liegen scheint, perhorrescirk werden?Wird uns die Appellation an die Foderung einer mathematischen Begründung vorjedem Vorwürfe schützen? Glücklicherweise können wir uns in mehr als einer Be-ziehung rechtfertigen. Der Arzt tritt dem in seinem Verlaufe gestörten Lebensprocessegegenüber und soll diese Störung durch ein heilendes Eingreifen oder durch Leitungdes Processes selbst zum Gesundheitsgemäßcn zurückführen. In der flüchtig skizzirtenGeschichte der Medicin des vorigen Jahrhunderts sahen wir die Medicin sich all-mälig aus der Form einer rein empirischen Lehre, die als nach den formalen Regelnder Krankheitsformen u. s. w. handelnd eine Kunst genannt zu werden verdiente, ineine von mancherlei obersten Ideen beherrschte systematische Form übergehen. ZurGründung eines wissenschaftlichen Gebäudes gehört aber nothwendig eine philoso-phische Methode; welche theils das bisher erworbene Thatsächliche planmäßig ordnet,unter gegebene oder erschlossene allgemeine Gesichtspunkte ordnet und die Erweiterungder Kenntnisse ebenso planmäßig leitet. Wir ließen oben einige der medicinischcnSysteme vergangener Zeiten an uns vorüberziehen. Jedenfalls ist diesen Systemen nichtabzusprechen, daß sie werthvolle Entwickelungszustände waren, welche umsowenigerzu verachten sind, als sie nach den herrschenden philosophischen Ansichten und dendamgligen Kenntnissen in den Hülfswissenschaften der Medicin das Möglichste leisteten.Doch ist ebenso wenig zu verkennen, wie wir der Lösung der Aufgabe der wissen-schaftlichen Medicin nur dadurch näherrücken, daß die philosophische Methode ge-läutert wird; und dies ist entschieden durch Kant, direct und indirect, geschehen.Philosophische Kritik, wissenschaftliche Skepsis haben sich seitdem schärfer und sichererentwickelt, und dadurch sind die Erkcnntnißmethoden, welche uns die Philosophie andie Hand gibt, zur Anwendung fähiger geworden, dadurch ist auch der immer stärkeranschwellende Strom naturwissenschaftlicher Thatsachen zweckmäßig geleitet und zur Be-fruchtung des weiten Feldes ärztlichen Wissens geschickt gemacht worden. Jedenfallsist der Aufschwung der Philosophie seit Kant, das lebhafte Erwachen echten Forscher-geistes, wahrer Speculation, als einer der Haupthebel. des Umschwungs in dem Zu-stande der Medicin anzusehen.

Der andere Hebel wird von den Naturwissenschaften gebildet, und auch derenStellung beim Beginn des Jahrhunderts müssen wir darum kurz zu schildern ver-suchen. Die Naturwissenschaften werden für eine 'sichere Begründung der Heil-

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