Die Medicin. 437
- aber dadurch in der Medicin ganz außerordentlich genutzt, daß sie ihr in den all-
i mäiig verbesserten Mikroskopen ein Untersuchungswerkzeug an die Hand gab, welches,
t von derselben Bedeutung für sie wie die Teleskope der Astronomen, in gleicher Aus-
r dehnung auf gesunde und krankhafte Theile anzuwenden ist. Und wenn auch Das,
i was uns das Mikroskop liefert, nur Bilder aus der organischen Bewegung heraus-
e gerissener Theile darstellt, so ist doch mit dem Verständniß der Theile, an denen das
r Leben abläuft, ein großer Schritt geschehen zur Erklärung des Lebens selbst. Der
a Physik verdanken wir ferner alle genauern Meß- und Wägungsmethoden. Die
!- Wärmeerzeugung wurde durch die verbesserten Wärmemesser unter eine genaue
e Comrsle gebracht, überhaupt eine genauere Untcrsuchungs- und Beobachtungsmethode
eingeführt. Wie weit endlich die vielen glänzenden Entdeckungen in der Elektricitäts-n lehre und in der Kenntniß von jener wahrscheinlich untereinander aufs innigste
d übereinkommenden, wenn nicht identischen Trias: Wärme, Magnetismus, Elektricität,
noch führen werden, und in welche wunderbare Verbindung manche Erscheinung desei Lebens mit andern in und außer dem, Körper treten werde, ist vorläufig noch gar
s nicht zu übersehen. Männer wie Orsted, Ampere, Dsvy, A. von Humboldt,
ie Seebeck, Ritter, Erman werden auch dem Arzte theurer werden, wie sie es jetzt den
ce Physikern sind. Die Benutzung des Elektromagnetismus als Heilmittel ist das Ge-
e. ringste, was Physiologen und Ärzte von dieser Seite der Physik werden erlangt haben,
r- Dieser Zweig der Physik, sowie besonders die sich allmälig verbreitende Ans-ät schließung der Molecularkräfte, zu welcher die Arbeiten von Fourier, Lame, Gauß,
ui Weber und Andern treffliches Material geliefert haben, führt uns von selbst aus die
ie Chemie. Wir verließen dieselbe da, wohin sie Stahl gebracht hatte. Sie war nicht mehr
je ausschließlich ärztlichen Zwecken Unterthan, hatte sich zu einer selbständigen Wissen-
r- j schaft consolidirt, war aber von einem Grundgesetz ausgegangen, welches, wie wir
n andeuteten, mit der Natur in directem Widerspruch - erscheinen mußte, sobald die
m Wage zur Hand genommen wurde. Und wenn auch schon in der Mitte des vorigen
r- Jahrhunderts einzelne Männer zu wägen begannen, so betraf dies doch nur unter-
-n geordnete Verhältnisse. Lavoisier wies zuerst durch sorgfältige Wägungen die Un-
e- gereimlheit praktisch nach, daß ein schwererer Metallkalk als Element in dem absolut
>t- leichtern Metalle enthalten sein solle, und stürzte damit die Phlogistontheorie. In
en Deutschland war es vorzüglich durch Klaproth's Bemühungen gelungen, der anti-
h- phlogistischen Theorie Eingang zu verschaffen. Durch genaueres Beobächten, auf-
merksam auf Das, was man nach der nun verbesserten Ansicht etwa erwarten konnte,wurde besonders die chemische Analyse entwickelt, welche denn- sehr bald zur Er-in kennung des durch Zahlen ausdrückbaren Verhältnisses der chemischen Verbindungen
ivl führte. Berthollet in Frankreich, I. B. Richter in Deutschland bildeten, Ersterer
d. die chemische Affinitätslehre, Letzterer die Lehre von den stöchiometrischen Gesetzen,
m Es fehlte jedoch immer noch eine Grundanschauung, um welche als Erklärungsgrund
>e- sich die verschiedenen Thatsachen gruppiren konnten. Diese führte Berzelius ein,
w, indem er die von Dalton und Higgin ausgesprochene Ansicht von der atomistischen
ld- Zusammensetzung der Körper durch Anwendung der von Davy gegebenen Er-
eit klärung des chemischen Processes als eines Ausgleichens elektrischer Polaritäten
>er wissenschaftlich zu begründen und weiter auszuführen suchte. Die bisherigen Arbeiten
en > der Chemiker bezogen sich vorzugsweise auf anorganische Körper. Es waren zwar
en schon den Alten manche organische Verbindungen bekannt, wie Fette, Öle, Harze,
>§- Zucke.r, Gummi, Stärkemehl, auch führten die, die reinmetallurgischen Arbeiten der
je- Alchemisten verdrängenden Jatrochemiker auf manche neue organische Verbindung,
nd wie Benzoesäure, Holzessig, die Ätherarten u. s. w.; doch wurden durch Begründung
en einer ersten chemischen Theorie durch Stahl die Bestrebungen wieder fast ausschließ»
n> üch aus anorganische Verbindungen gelenkt, da hierin die Verhältnisse einfacher,
ge leichter zu constatiren und zu fixiren waren als in den lebenden Körpern entnom-
el, menen Stoffen des labilsten Gleichgewichts. Allmälig, und zwar schon vor Lavoisier,
)Lt wendet sich die Untersuchung wieder organischen Körpern zu und beginnt sogar, sich