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Die Medicin.
Körper zusammensetzenden Molecule nur eine, und zwar die palpabelste Form ihrerKraftentwickelung ist, daß infolge oder, was wahrscheinlicher scheint, als Ursacheder chemischen Umsetzung Erscheinungen an ihnen ablaufen, welche jenem, in Bezugaus lebende Körper kaum angedeuteten, vielleicht sicher nachgewiesenen, aber keines-wegs mit nur einem leisen Grade wissenschaftlicher Exaclheit bestimmten Kreise an-gehören, deren Mittelpunkt die Elektricitätslehre bildet, von wcscher die sich ver-schlingenden Strahlen der Erscheinungen der Wärme, des Chemismus, die Contact-erscheinungcn sowie die der elektrischen Spannungsverhältnisse selbst ausgehen. Wirsind der festen Überzeugung, daß, werden sich einst die hierauf bezüglichen Unter-suchungen über die Fehlergrenzen erhoben haben, sie die jetzt physiologisch-chemischgenannten Erklärungen weit überflügeln werden. Endlich, die chemische Natur einesTheils bedingt zwar den physiologischen Werth, sie bedingt aber auch dessen Form,und wie alle Naturkräste gegenseitig wirken, wird auch die Form auf die Mischungund deren lebendige Veränderung Einfluß haben. Eine noch weiter gehende Analyseder thierischen Formen und ihrer Elementarzusammensehung wird daher ihren sichernAntheil an dem Weiterbau der Physiologie haben.
Die Lehre von der Zusammensetzung des menschlichen Körpers aus einzelnenFormendestandtheilen ist aber unterdessen nicht wenig als selbständige Wissenschaft ge-pflegt worden und zwar ohne irgendwelche Rücksicht auf ihre etwaige Abhängigkeitvon der Kenntniß der Mischungsbestandtheile. Es lag ja seit den ältesten Zeiten sonahe, daß man nicht blos die Werkstätte des gesunden- Lebens näher kennen zulernen versuchte, sondern auch nach Antworten in Bezug auf den Sitz und denVerlauf der Krankheiten in der Leiche suchte. Die Stellung der pathologischenAnatomie und ihr Einfluß wird uns gleich mehr beschäftigen; hier wollen wir nurerwähnen, daß weder diese noch die Physiologie Fortschritte zu machen im Standegewesen wäre, ohne daß die Anatomie ihnen vorausgegangen wäre. Die einzelnenanatomischen Entdeckungen aufzuzählen und in ihrem Verbände mit den speciellenphysiologischen Fragen zu verfolgen, müßten wir System für System, Organ nachOrgan durchgehen, und es wäre sicher an der Zeit, die betreffenden Thatsachen nicht,wie es gewöhnlich geschieht, einfach nacheinander aufzuzählen, sondern an derengeschichtliche Entwickelung zu knüpfen. Doch glauben wir uns nicht zu täuschen,wenn wir voraussagen, daß gar bald das Interesse für derartige Forschungen wiedererwachen wird, daß Lehrer wie Lernende, von der Menge von Specialitäten über-flutet, sich nach einem Halt umsehen und denselben theils in einem geschichtlichenRückblick, theils in einem Anklammern an spekulative Allgemeinheiten suchen undfinden werden. Die Anatomie nahm in diesem Jahrhundert eine doppelte Richtung,weiche jede für sich, jedoch die eine früher als die andere, ihren Einfluß aus die Phy-siologie und Medicin ausübten. Beide entstanden, freilich wol unbewußt, aus'der Überzeugung, daß der menschliche Körper viel zu zusammengesetzt sei und ausviel zu verschiedenartigen Theilen bestehe, als daß man ohne weiteres an eine Erklärungder Lebenserscheinungen gehen könne. Man suchte daher nach einfachern Verhältnissen,und zwar einmal insofern, als man nach Organismen sich umsah, welche gleicheLebcnsäußerungen an einem verhältnißmäßig mehr einfachen Körperbau erkennenließen, und andererseits, indem man die verschiedenartigen Formbcstandtheile desmenschlichen Körpers in mehr oder weniger gleichartige Gruppen sonderte und unterMithülfe der mittlerweile verbesserten Mikroskope nach gleichartigen Elementartheilenforschte. Es sei ferne von uns, von dem Erwachen dieser beiden Richtungen dieneuere Geschichte der Anatomie beginnen zu wollen; Männer wie Mascagni, Scarpa,Wrisberg, Sömmerring, Z. und Eh. Bell, I. Hunter, Portal, Vicq d'Azyr stehenuns, obschon dem Ende des vorigen Jahrhunders angehörig, durch ihre Vervoll-kommnung der Anatomie zu nahe, als daß wir sie in schon ganz vergangene Zeitenverlegen könnten. Doch ist nicht zu leugnen, daß die Physiologie sich infolge desWiedererwachens der vergleichenden Anatomie und der Begründung der mikroskopi-schen Anatomie und Gewebelehre um zwei wesentlich fördernde Handhaben für