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Zwöflter Band.
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. Die Medicin.

neuesten pathologischen Anatomen noch leitet und leiten wird. Die „läimtomis gsns-rsls" Bichat's gab dann erweitert einen Blick in das wirklich den organischen Einzel-heiten zugrunde liegende Allgemeine, indem sie, nach eingehenden Untersuchungen,die in ihrem feinern Bau übereinstimmenden Formbestandtheile des Körpers alsGewebe desselben zusammenfaßte. Bichat's theoretischer Standpunkt entspricht vielleichtnicht ganz seinen Leistungen: er huldigte den; Äitalismus wie sein Vorgänger Pinel,wurde aber dadurch vor seinen eigenen Consequenzen gesichert, daß er denselben nichtmit an seine Beobachtungen nahm, sondern vorurtheilslos der pathologischen Ana-tomie die Räthsel nach dem Wesen der Krankheiten vorhielt. Hierdurch gelangteer zunächst zur Bestätigung des Satzes, daß der Bau eines Theils mit seinerFunction nothwendig zusammenhänge, und damit zur Begründung der Gewebelehreeinerseits und zu einer Physiologie der Krankheit andererseits. Gehört er auch nochnicht der Reihe von Männern an, welche, allerdings an ihn sich anlehnend, dieältere physiologische Schule bildete, so ist er gleichwol der erste Repräsentant derältern sowol als der neuern; denn seine Richtung ist bis auf Das, was neuere Ver-vollkommnungen der Untersuchungsmethode und neue durch diese möglich gewor-dene Entdeckungen etwa modificirten, dieselbe, . wie wir sie von Corvisart undLaennec bis zu Rvkitansky und andern deutschen Ärzten, wir nennen Hasse, Frerichs,Wunderlich u. s. w., finden. Auf Bichat's Arbeiten fußend, wurde nun mit denimmer weiter verbesserten Mikroskopen der feinere Bau des Körpers untersucht; undeilte auch, wie gewöhnlich, die Kenntniß des gesunden Zustandes der des krankenvoraus, so wird doch gegenwärtig von vielen strebsamen Forschern das Versäumtenachzuholen versucht, und neben der normalen Gewebelehre wird sich bald ebensoabgerundet eine pathologische erheben. Besondern Aufschwung nahm die mikrosko-pische Anatomie durch den von Schleiden für die Pflanzen, von Schwann für dieThiere gegebenen Nachweis der Zusammensetzung der organischen Körper aus ur-sprünglich gleichartigen Elementartheilen, den seitdem zur wol nicht ganz gerecht-fertigten Alleinherrschaft gelangten Zellen. Durch sie hat nicht blos die Erklärungdes entwickelten Körpers eine wesentliche Neugestaltung erfahren, sie hat zugleich dieEntwickelungsgeschichte wesentlich reformirt, da es jetzt auch auf den Nachweis desAufbaus des Thierkörpers aus diesen Zellen ankommt. Endlich hat die pathologischeAnatomie auch vermocht, die Producte mancher Krankheitsformen auf Metamorphosenjener Elementartheile zurückzuführen.

Daß gegenüber diesen Fortschritten in unserer Kenntniß vom Bau des todtenKörpers, d. h. des stückweise unter das Mikroskop gebrachten, auch die Wissenschaftvom lebendigen Körper nicht zurückbleiben konnte, liegt auf der Hand. Es konntesich keine Stahl'sche Seele, kein Hoffmann'scher Äther, aber ebenso wenig eine Lebens-kraft als nur im lebenden Körper nach ganz eigenthümlichen Gesetzen wirkend inAnsehen erhalten. Wie der chemische Unterschied zwischen organischen und anorga-nischen Körpern wegfiel, mußte auch die noch viel weniger haltbare Ansicht schwin-den, daß die den thierischen Körper zusammensetzenden Theile den allgemein gültigenNaturgesetzen nicht in derselben Weise wie überall in der Natur unterworfen wären.Es stellte sich heraus, daß nur der Zusammenfluß gewisser Bedingungen die Theiledes Körpers zur Lebensäußerung befähigt, und das Hauptaugenmerk der Physiologenrichtete sich auf die Erforschung jenes Theils von Lebenserscheinungen, welche nocham ehesten als den allgemeinen Gesetzen unterworfen nachzuweisen waren, um sodurch allmälige Elimination das complexe Leben analysiren und wissenschaftlich re°construircn zu können. Die Leistungen der modernen Physiologie haben bereits indiesem Werke eine so umfassende und tiefgreifende Darstellung erfahren, daß wir unsjeder weitem Erörterung in dieser Beziehung enthalten können*), um so eher, als

*) Vgl. „Die Physiologie des Menschen auf dem Standpunkte der heutigen Wissenschaft",im vierten Bande der „Gegenwart", S. 646 — 767; ferner: „Die neuere Physiologie inBezug auf Fortpflanzung der Thiere, insbesondere des Menschen", im zehnten Bande,S. 479—526. D. Red.