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Zwöflter Band.
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Die Medicin.

es uns hier nur darauf ankam, die Grundsteine zu bezeichnen, auf denen das Gebäudeder heutigen Medicin errichtet werden konnte.

Der Leser wird vielleicht in Vorstehendem manchen nähern Hinweis auf ein-zelne Momente in der Entwickelung der neuern Medicin vermissen. Bisjetzt wares unsere Absicht, den Gang der wissenschaftlichen Bewegung im Ganzen in Um-rissen zu schildern, zu zeigen, wie sich auf die künstlerischen Bestrebungen frühererZeiten die reformatorische Richtung des vorigen Jahrhunderts geltend zu machenversuchte, wie endlich das in diesem letzten liegende, wir mochten sagen, vorzeitigewissenschaftliche Element auf die natürlichen Grundlagen einer wirklich wissenschaft-lichen Heilkunde von selbst hinführte, um unter gleichzeitiger Einwirkung einer wieder-erzeugten Methodik und einer sich mächtig aufschwingenden Naturkenntniß das sichzwar langsam, und wie es sich herausstellen wird, nicht ohne Störung entwickelndeGebäude einer wahren Heilwissenschaft entstehen zu lassen. Nach den Anfoderungen,welche wir an eine Wissenschaft im strengen Wvrtsinne machen, zweifeln wir, daßdieser Bau bald vollendet sein wird, wenn überhaupt; jedenfalls wird es aber er-freulicher sein, die regsamen Werkleute an diesem Bau etwas näher in ihrer Arbeitzu beobachten, als die einzelnen Versuche früherer Ärzte eingehender zu verfolgen.

Wenn wir jetzt versuchen wollen, die neueste Geschichte der Medicin zu schil-dern, so glauben wir am übersichtlichsten zu verfahren, daß wir die heutigen An-sichten als Ausgangspunkt nehmen und zusehen, wie sie sich in den letzten Jahr-zehnden entwickelt haben. Wir haben hierdurch den Vortheil, nicht durch Schilderungder einzelnen Schulen und der Eigenthümlichkeiten einzelner Länder zu ermüden,und auf der andern Seite die einzelnen Richtungen in einem natürlichern Zusammen-hange schildern zu können. Es wird sich dabei herausstellen, daß die einzelnen Theileder Heilkunde äußerst ungleich entwickelt sind, indem manche Seiten sich einer exacienAusbildung nähern, andere dagegen, und gerade die für die hülfesuchenden Kran-ken wichtigsten, noch sehr zurückstehen. Es hilft dem Patienten nichts, von einemberühmten Arzte als ein schöner interessanter Fall betrachtet und besprochen zu wer-den, noch nützt es ihm, in den jetzt so üppig wuchernden populären Schriften einigeBelehrung über seinen oder einen dem seinen ähnlichen Fall zu finden: er will geheiltsein und soll deshalb dem Arzte, welchem er seine Gesundheit, sein Leben anvertraut,mit Vertrauen entgegenkommen. Wie ist dies aber möglich, wenn der Arzt zu sichund zu seiner Wissenschaft selbst kein Zutrauen hat, und er leichtsinnig genug ist,dies den Kranken mitzutheilen? Die Heilwirkungen erfolgen allerdings nicht inallen Fällen mit der Sicherheit, mit welcher eine chemische Reaction in einem vor-bereiteten Probirgläschen erfolgt; über manche Krankheitsproceffc sind wir noch sehrim Dunkeln; darf uns dies aber veranlassen, über die Erfahrungen, welche frühereGenerationen gerade über diese dunkeln Gebiete des ärztlichen Wissens sammelten,vornehm hinwegzusehen, um nur unsere eigene Unwissenheit desto leucht/nder hervor-treten zu lassen? Auch hier stehen wir auf den Schultern Derer, welche vor unswaren, deren Kenntnisse wir vollständig beherrschen müssen, wenn wir sie über-flügeln wollen.

Das Ziel und die Ausgabe des Arztes ist zwar eine einzige untheilbare, dieBestrebungen, sie zu erfüllen, trennen sich aber in mehre Zweige, und namentlich istdie theoretische Ausbildung noch nicht hinreichend mit der Praxis verschmolzen, umaus letzterer allein sicher die erstere beurtheilen zu können. Wir wollen daher zunächstuntersuchen, wie sich die Theorie der Krankheit, die Ansichten über das Wesen der-selben geläutert haben. Die Krankheitsform zu erkennen ist dann die nächste Auf«gäbe des Arztes, sie zu heilen die letzte, wichtigste.

Wesen der Krankheit.

Ein jeder Laie glaubt wol davon überzeugt sein zu dürfen, daß er sehr scharfunterscheiden kann, wenn er gesund ist und wo ein krankhafter Zustand bei ihm