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Zwöflter Band.
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414 Die Medicin.

an sich haben, liegt doch in ihnen, wie in der Annahme eines Spiritus rootordes Lebens, der Gedanke an die Einheit des Lebensproceffes und des durch dieKrankheit afficirten Gesammtorganismus. Mit der eindringlicher forschenden' Be-obachtung tauchte hierbei die Frage auf, welches das, womöglich wenigst gehcimniß-volle Band sei, welches die einzelnen Provinzen des Körpers zur Einheit verbinde,welches die mancherlei heterogenen Reize dem Körper in homogener Form übermittle,welches die unsichtbaren, oder wenigstens vorläufig unbestimmbaren Kräfte des Kör-pers vereine und im Krankheitsbilde zusammenhielte. Für die Reizbarkeit, für die,die einzelnen Theile verbindenden Sympathien wollte man einen Träger. Was laghier naher, als das in seinen Funktionen so räthselhaste Nervensystem als das Sy-stem anzusehen, welches von dem Krankheitsreize zunächst betroffen, dessen Beein-trächtigungen nächste Ursache der allgemeinen Erkrankungen wurden. Wir sahenauch schon früher, daß zunächst auf die reindynamischen pathologischen SystemeHoffmann's und Stahl's die Nervenpathologic Cullen's folgte welche dann ihrerseitswieder dem Brown'schen Dynamismus Platz machen mußte. Welche wunderbareAusläufer der Dynamismus in unserm Jahrhundert getrieben hat, werden wir nochspäter betrachten. Dem Dynamismus stehen zwei andere Systeme entgegen, welcheden Hauptgrund aller Erkrankungen, das eine in fehlerhafte Beschaffenheit odergestörtes mechanisches Verhalten der festen Theile des Körpers, das andere in die denKörper durchströmenden und durchtränkenden Flüssigkeiten verlegten. Das letztere,das System der Humoralpathologen, war schon vor Stahl in den Ansichten derJatrockcmiker gegeben, wenn auch wegen der unzureichenden Kenntnisse über daschemische und physikalische Verhalten der Säfte höchst einseitig und idealistisch ent-wickelt. Wir begegnen einer verbesserten Auflage derselben in den heutigen Humo-ralpathologen, welche, wenn auch nicht von fern jenen alten gleichnamigen zu ver-gleichen, in der chemischen Erforschung der thierischen Säfte die Stütze der medi-cinischen Theorie suchen. So dankbar jeder Beitrag dieser Richtung aufgenommenwerden muß, außer andern Verhältnissen der Erkrankung auch Licht auf die Mi-schungsverhältnisse zu werfen, welche im Organismus unter den Bedingungen derErkrankung zustande kommen, so wurde doch schon früher auf das Einseitigeauch dieser Richtung aufmerksam gemacht. Daß die Humoralpathologie über dieihr unmittelbar vorangehende Svlidarpathologie einen unzweifelhaften Sieg errungenhat, liegt in mehren Verhältnissen, und abgesehen von der scheinbar größerer Trag-weite der chemischen Grundsätze, wie wir glauben, besonders darin, daß sie irgend-einen Anhalt zur wesentlichen Begründüng einer Therapie gibt, welche freilich vonden Solidarpathologen vernachlässigt wurde. Zu diesen Letztem sind die frühernIatromechaniker mst Borelli, Baglivi und Andern zu zählen, welche dann von den Dyna-mistcn verdrängt wurden, bis sie sich aus der von Bichat angeregten Richtung neuer-lich entwickelten, ohne daß jedoch die pathologischen Anatomen, deren schnell sichverbreitende Lehre die Veränderungen der festen Theile zum Hauptinhalte der Krank-heitslehre machte, mit jenen im strengsten Sinne zu parallelisiren wären. Mirhaben hierbei der schon vorhin erwähnten ältern physiologischen Schule zu gedenken,als deren Vorläufer Bichat genannt wurde, welche sich aber sehr bald ziemlich ein-seitig entwickelte. Gründer derselben war Broussais. Er nahm noch von Browndie Wirkung der Reize als belebendes Element und sah daher in der Krankheitzunächst eine Modifikation des physiologischen Zustandes durch abnorme Reize, konntejedoch unter Bichat's Einfluß hierbei nicht stehen bleiben, sondern suchte nach derprimären Erkrankung eines mit dem ganzen Organismus direkt und innig verbun-denen Organs. Diese, und zwar allmälig dieselbe als Entzündung erkennend, fander im Magen, und seine Gastroenteritis wurde bald Herrscherin seines ganzen Sy-stems, welches, die andern essentiellen Fieber und Krankheiten leugnend, mit kräftigenBlutentziehungen heilend zu wirken gedachte. Nachdem Bouillaud noch eine zeü-lang diese Ansicht verfochten hatte, mußte sie den immer eindringlicher redendenThatsachen, weiche die pathologische Anatomie durch Corvisart, Laennec, Bayle,