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Die Industrieausstellungen.
nicht weiter berücksichtigte, wenn man in Erwägung zieht, daß jene Industrie selbstdie Erfindung verkannte. Die Geschichte derselben gibt mehr als Eine nützliche Lehre.Jacquard war ein unbekannter Strohhutfabrikant in Lyon. Neigung lenkte ihn ausMaschinenconstruction; lange zuvor besaß er eine Vorrichtung, um Netze zu stricken —man achtete wenig darauf. Einst geschah jedoch seiner Erwähnung gegen Bo-naparte, der mit gewohnter Hast sofort befahl, den Erfinder zu arretiren. Von ei-nem Gendarmen escortirt, wurde Jacquard nach Paris transportirt und sogleichvor Napoleon geführt, der an ihn die rauhen Worte richtete: „Sind Sie der Mann,der da vorgibt, Das ausführen zu können, was selbst Gott der Allmächtige nicht imStande ist zu thun, einen Knoten in einen gespannten Faden zu machen?" Jacquardzeigte seine Maschine und ihre Bewegungen und ward mit einem reichlichen Geld-geschenk entlassen, was später noch bedeutend erhöht wurde. In der Einführungseines Webstuhls stieß er jedoch auf die größten Schwierigkeiten bei den Seiden-webern seiner Vaterstadt. Mehre male befand er sich in Lebensgefahr; der Gewerbe-rath zertrümmerte seine Webmaschine aus öffentlichem Markte, verkaufte Holz undEisen und bezeichnete auf diese Weise Jacquard dem Volkshaß. Kurze Zeit darauffand die Seidenindustrie von Lyon in dem Jacquardstuhl das einzige Mittel, dieausländische Concurrenz zu besiegen. Jetzt ist ihm in Lyon ein Standbild errichtet.
Preise erhielten auf der Ausstellung des Jahres IX unter Andern Gvdet undDelepine für Sammet, Lignereux und Jacob für Möbeln, Bouvier für Kunstgüsse,Sevennes für Baumwollsammet.
Die dritte französische Ausstellung fand im Jahre X (1802) statt. In demkurzen Zeiträume eines Jahres konnte kein bedeutender gewerblicher Fortschritt ge-macht werden; der Friede hatte jedoch die vorhandenen Kräfte consolidirt und Künsteund Wissenschaften nahmen raschen Fortgang. Die Ausstellung des Jahres X ent-sprach den durch die vorhergehende erweckten Erwartungen. Fremde strömten vonallen Orten herbei und nahmen mit Erstaunen den Aufschwung der französischenIndustrie seit dem Ausbruche der Revolution wahr. Man erblickte aus dieser Aus-stellung zum ersten male die neueingeführten Maschinen zum Spinnen und We-ben der Wolle. Minister Chaptal hatte die Engländer Douglas berufen, um ihreConstruction und ihren Betrieb in Frankreich zu lehren und zu verbreiten. Fer-ner begann eine nach Frankreich verpflanzte Fabrikation aufzukeimen, die der Kasch-mirshawls aus spanischer Wolle durch Ternaux, die einer ähnlichen Art von Shawlsaus Vigognewolle durch Decretok. Pouchet aus Rouen legte auf verbesserten Ark-wright'schen Maschinen gesponnenes Baumwollgarn vor; Besancon und Troyes mach-ten sich durch Fortschritte in der Strumpfwirkern bemerklich. Man begann die Seidemit Vaucanson'schen Maschinen zu spinnen; die Werke der lyoner Seidenwirkereirissen zur Bewunderung hin. Die Gold- und Seidenstickereien wetteiferten mit denErzeugnissen des Orients, und die Methoden in der Seidenfärberei zeigten sich alsbedeutend fortgeschritten. Die Vervollkommnung in der Thonwaarenfabrikation wurdemit vier goldenen Medaillen anerkannt (Utzschneider, Merlin-Hall, Potter und Fourmy).Montgolfier zeigte seine neuerfundene, sinnreiche Maschine, den „hydraulischen Wid-der". Jeannetty benutzte zuerst das Platin für chemische Apparate. Man bemerktedie Meisterstücke der Uhrenfabrikation von Breguet, Janvier, Berthoud, die mathe-matischen Instrumente von Lenoir, Lerebours, die Goldarbeiten von Odiot u. s. w.Diese dritte Ausstellung fand ebenso wie die zweite im Louvre statt; sie dauertesechs Tage. Es nahmen an ihr 540 Manufackuristen theil, die zusammen 95 Me-daillen erhielten, wovon 20 goldene, 51 silberne und 42 bronzene. Obgleich Chap-tal im Jahre IX (1801) verfügt hatte, daß die Industrieausstellungen in den letz-ten fünf Tagen eines jeden Jahres stattfinden sollten, meinte doch das Gouverne-ment nach Beendigung der dritten Ausstellung, daß es für die Industrie Vortheilhaftsein würde, wenn die Ausstellungen nicht zu schnell aufeinanderfolgten. Es wurdedemgemäß beschlossen, daß die vierte Ausstellung erst im Jahre 1806 stattfindensollte. Einige Departements veranstalteten jedoch früher Ausstellungen ihrer Ge-