474 Die Industrieausstellungen.
werbserzeugnisse in den betreffenden Hauptstädten, so unter andern Antwerpen,Caen u. s. w.
Einige Zeit nach Beendigung der dritten Ausstellung wurde die „Gesellschaftzur Aufmunterung für vaterländische Industrie" gegründet, eine Gesellschaft, die dengünstigsten Einfluß auf die Fort- und Ausbildung der Industrie in Frankreich aus-geübt hat. Unter ihren Gründern befanden sich Männer wie Berthollet, Cadet deVaux, Chaptal, Decandvlle, Fourcroy, Guyton-Morveau, Monge, Montgolfier, Prony,Ternaux, Vauquelin u. s. w. Die ersten Preise, welche sie aussetzte, überstiegennicht die Summe von 3600 Francs: sie betrafen die Fabrikation von Fischernetzen,von Bleiweiß, von Berlinerblau, das Emailliren, von Metallgefäßen, die Herstellungvon Holzschrauben u. s. w. Gegenwärtig bietet sie für Erfindungen und Verbesse-rungen im Gebiete der Industrie und Technik mehre Hunderttausend Francs jährlich.
Die vierte Ausstellung des Jahres 1806 wurde durch ein Decret vom 15. Febr.1806 beschlossen. Es geschah dies nach der Schlacht von Austerlitz, und die Ausstel-lung sollte einen Theil der Feste ausmachen, die man zur Verherrlichung der Triumpheder Armee veranstaltete. Man errichtete auf dem Jnvalidenplatze 184 Porticusund verband damit elf Säle eines naheliegenden Gebäudes. 1423 Fabrikanten nah-men theil aus den damals zum französischen Kaiserreiche gehörenden 113 Depar-tements, denen 27 goldene Medaillen, 63 silberne erster Classe, 83 silberne zweiter Classe,den Bronzemedaillen der vorhergehenden Ausstellung gleich, im Ganzen also 143 Me-daillen, 326 lobende Erwähnungen und 84 einfache Anführungen im Juryberichtebewilligt wurden. Wer früher schon eine Medaille erhalten, empfing nicht wirklicheine neue, sondern blos die Erklärung, daß er derselben sich würdig -erhalten odersie durch neue Leistungen noch mehr verdient habe, ein Gebrauch, der mehre Aus-stellungen hindurch beibehalten wurde. Diese Ausstellung dauerte 24 Tage.
Während der ersten und der dritten Ausstellung wurden zwei Anstalten be-gründet, die blaols esntrsls äss trsvsux pudlios und die Avols pol^toobnigus,welche, obgleich sie wol zunächst allen technischen und wissenschaftlichen Kräften dieRichtung auf den Krieg gaben, doch durch die gründliche Beschäftigung mit allendenjenigen Fabrikzweigen, die der Krieg in Thätigkeit setzte, von großem Einflüsse aufdie Fabrikation waren. Außerdem bildete sich in den von Zöglingen dieser Schulengeleiteten Anstalten ein intelligenter Arbeiterstand aus, der in den Werkstätten desLandes sich vertheilte; und zugleich ertheilten nun die ausgezeichnetsten Lehrer denFabrikbesitzern Aufschluß und willigen Rath. Später erweiterte sich der segens-reiche Einfluß dieser Anstalten, als aus der Reihe ihrer Zöglinge Männer wieArago, Bist, Thenard, Gay-Lussac, Poissvn u. s. w. selbst als Lehrer thätig warenund viele Offiziere nach der Rückkehr aus den Feldzügen sich der Industrie widme-ten. Zu gleicher Zeit gab sich in den ersten Jahren der Errichtung des Kaiser-reichs in den untern Schichten der Bevölkerung von ganz Frankreich das Bestrebenkund, sich besser und geschmackvoller zu kleiden und anständiger zu wohnen. Diesblieb nicht ohne Rückwirkung auf die Industrie, welche von jetzt an, anstatt in derAnfertigung von Luxusartikeln ihre Aufgabe zu suchen, sich immer mehr auf dieHerstellung wohlfeilerer Waaren verlegte, wie sie das gewöhnliche Bedürfniß dergroßen Mehrzahl der Consumenten erheischte. So waren unter Anderm im Jahre 1789nur vier Porzellanmanufacturen in Paris, 1806 schon 33, welche meist geringere undwohlfeilere Sorten lieferten. Die Lederfabrikation, namentlich die Loh- und Saf-fiangerberei, hatte seit einigen Jahren die bemerkenswerthesten Fortschritte gemacht.Die Merinoheerde von Rambouillet verbreitete spanische Schafzucht in alle Departe-ments, sodaß die Jury vom Jahre 1806 erklärte, daß die in Frankreich seit meh-ren Generationen erzeugten Wollen den echtspanischen zum mindesten gleichkämen.Maschinen zum Spinnen des Streichgarns aus den Maschinenbauwerkstätten vonDouglas in Paris, Cockerill in Lüttich, Verviers und Rheims fanden immer mehrEingang. Die Kammgarngewebe und die Merinoshawls, welche im Jahre 1806auf der Ausstellung erschienen, waren noch aus Handgespinnst gewebt. Louviers