Die Zrr-ustrieausstellmtgeir. 479
kation. Die Roheisenproduction und die Verarbeitung des Eisens hielt Schritt mitdem Bedürfniß; die Hohofen hatten sich vermehrt; die Verwendung der Steinkohlenwar im Wachsen. Viel war in der Metallverarbeitung im Allgemeinen geschehen:die Anwendung des Zinks war verbreitet, der Verbrauch einheimischer Sensen undSicheln zeigte Zunahme, die Metallgewebe waren ungemein vervollkommnet, Zeug-und Messerschmiede sowie Schlosser zeigten Fortschritte, an den Feuergewehren wa-ren viele Modifikationen versucht. Bronze- und Plaquearbeiten fanden sich vongroßer Schönheit. Dampfmaschinen und große Betriebsvorrichtungen erschienen inFülle, Dampfmaschinen mit oscillirendem Cylinder, Spinnmaschinen, Apparate fürdie verbesserte Zuckerfabrikation, besonders Vacuumpfannen von Derosnes und Brame-Chevalier, Druckerpressen und Prägmaschinen zogen mit Recht Aller Augen aufsich. Unter den chemischen Präparaten ragt als neu das künstliche Ultramarin vonGuimet in Lyon hervor. Die Thonwaarenfabriken bringen neue Fabrikate; die Glas-und Spiegelfabriken liefern Vorzüglicheres als je. Wenn auch die Kunstschreinereisich nicht durch reinen Geschmack in den Formen auszeichnet, so zeigt sie sich dochbedeutend fortgeschritten in der eingelegten Arbeit. Auf dieser Ausstellung erscheintauch aufs neue der so lange und mit Unrecht vernachlässigte Holzschnitt, der seit-dem in der Typographie eine ungemein große Anwendung gefunden hat.
Im Jahre 1830 war verfügt, daß in Zukunft alle fünf Jahre eine Ausstellungsein sollte. Demzufolge fand die nächste französische Ausstellung im Jahre 1839statt. Dieselbe beschickten 3348 Aussteller, und die Zahl der vertheilten Preise beliefsich auf 878, zahlreiche ehrenvolle Erwähnungen ungerechnet. Da auf der Placede la Concorde verschiedene Arbeiten ausgeführt worden', so eignete sich der Ortnicht mehr zur Aufnahme der Ausstellungsgebäude, welche selbst den schönstenPlatz Europas entstellt haben würden. Es wurde daher in den Champs Elyse'es,welche fortan der Platz für die Ausstellungsgebäude blieben, eine Galerie mit achtlangen Sälen, welche einen Raum von 16500 Quadratmetern bedeckten, errichtet.Zwischen den Sälen waren Höfe, von denen der neben dem Maschinensaal befindlichegleich anfangs zur Ausstellung solcher Geräthe und Gegenstände diente, welche durchden Regen keinen Schaden leiden konnten. Der dritte Saal der Gewebe reichteaber nicht aus, weshalb denn ein zweiter Hof zur Aufstellung der Gewebe hinzu-genommen wurde, und zwar für Wolle und Wollwaaren aller Art. Doch auch diesgenügte nicht, und so wurde von dem dritten Hose noch ein Theil zu einem Saaleeingerichtet, in welchem fast nur Produkte der mühlhauser Woll- und Baumwoll-industrie lagen. Die Ausstellung von 1839 gab zum ersten male, seit überhauptAusstellungen existirten, ein ziemlich vollständiges Bild von der französischen In-dustrie. Von den reingehaltenen Schafheerden aus hatte sich bereits die Veredelungder einheimischen Schafe so verbreitet, daß 'die Regierung fortan die Staatsschäfereienauf zwei beschränken konnte. Die Spinnerei der Streich - und Kammwolle hatte de»Punkt erreicht, welchen die Production auch der feinsten Gewebe crfodert; die meistenSpinnereien arbeiteten mit französischen Maschinen. Die Fabrikation der gewalktenZeuge zeigte sich vervollkommnet; die Vorzüge der englischen ganz feinen Tuche in derAppretur waren erreicht. Die Fabrikation von »»gewalkten Zeugen und Streichgarnhatte sich durch Färbung und Verschönerung dem Gebrauche so sehr empfohlen, daßderen Production seit der letzten Ausstellung ungemein zugenommen und an die Stellemancher andern Arbeit getreten war. Die Merinosabrikation und Ausfuhr hatte etwasabgenommen, aber die Production von Wollmusselinen und gemischten Zeugen, beson-ders solchen, die zum Drucke dienten, war weit bedeutender als 1834. Man hatte beiGelegenheit der letzten Ausstellung eine Lnqusts oowmsroisls darüber angestellt, obsich nicht die Wollfabrikation besser befände, wenn man das bestehende Verbot der Ein-fuhr fremder Wollwaaren in einen Einfuhrzoll umänderte, vorausgesetzt, daß eine ge-nügende Herabsetzung des Eingangszolles auf Wolle erfolgte. Die Majorität derWollfabrikanten erklärte aber, daß bei jeder Art von Zoll die bloße Möglichkeitfremder Einfuhr die einheimischen Fabriken vernichten würde. Denn jetzt schon be-