Die Industrieausstellungen. 481
verfünffacht, und bei weitem mehr als die Hälfte verdankte man der Anwendung derSteinkohle. Trotz dieser scheinbar vortheilhaftcn Resultate stellte sich doch die fran-zösische Eisenproduction gegenüber der des Auslandes in weniger erfreulichem Lichtedar, indem das Land infolge des Eisenzolles (im Jahre 1822 hatte man den Ein-gangszoll auf Schmiedeeisen aus Ländern, die es mittels Steinkohle und auf Walz-werken herstellten, von 28 Francs auf 80 erhöht) für die Eisenproduction einejährliche Prämie von mehr als 40 Millionen Francs zahlte. Die Fabrikation derSensen und Feilen hatte abgenommen, die der Nähnadeln (Frankreich besitzt erst seit1820 Nadclfabriken) sich mehr und mehr ausgedehnt. Seit der mannichsaltigen An-wendung der Metallgewerbe in der Spinnerei und Papierfabrikation und in denMühlen zeigte sich deren Production vermehrt und verbessert, und dies hatte auchauf die Drahtziehereien günstig zurückgewirkt. Die Anwendung des Neusilbers (unterden Benennungen Minofor und Maillechort) zu Löffeln, Tellern u. dergl. tritt 1839zum ersten male hervor. Die Plaquewaaren und Goldarbeiten (letztere von Odiot,Wagner und Mansion) zeigen Vorzügliches. Die Tableterie, diese echtfranzösischeIndustrie, zeichnet sich durch Geschmack, Reichthum und Vielseitigkeit aus. DerMaschinenbau hat einen großartigen Aufschwung genommen, mehr als fünfzig Werk-stätten bauen Dampfmaschinen. In der Ausstellung von 1819 traten die Maschinennoch schwach auf, auch 1823 war die Zahl der ausgestellten Maschinen noch klein;doch fanden sich bereits Spinnmaschinen. Unterdessen hatten sich aber immer mehrKenntnisse in Chemie und Mechanik verbreitet, und was tiefere Bildung vermag, wennsie in demselben Individuum mit Erfindungsgeist zusammentrifft, bewies jetzt Poncelet'sWasserrad und Fourneyron's Turbine. So war denn Frankreich 1839 auf einemPunkte des Maschinenbaus angelangt, wo es in einigen Zweigen England bereitsgleichstand, z. B. in Spinn - und Webemaschinen, und vielleicht in andern, wie z. B.in Spinnmaschinen zu gemischten Gespinnstfasern, sogar übertraf. Auch das Urtheil derMasse über die volkswirthschaftliche Bedeutung des Maschinenwesens hatte sich vor-theilhasc geändert. Die Beleuchtungs- und Heizuugsmethoden zeigen sich bereits 1839in ein neues Stadium getreten, die Gasbeleuchtung ist in die Werkstätten und Haus-haltungen gedrungen, die Carcellampe steht als ein Muster von Eleganz und Zweck-mäßigkeit da; Stearinkerzen sind bereits von mehren Fabriken ausgestellt. Das Feuer-zeug dagegen verräth noch nicht seine spätere Umwandlung. Die Destillir- undZuckersiedeapparate bekunden große Fortschritte. Die Verbreitung des Irrthums, daßGelatine ein Nahrungsmittel sei, datirt von der Ausstellung vom Jahre 1839. DieRübenzuckerindustrie zeigt sich üppig entwickelt. Unter den chemischen Fabrikatenmachen Ultramarin (von Guimet und von Bergcrat und Letellier) und Borax, austoscanischcr Borsäure erzeugt, Aufsehen. In der Lederfabrikation sind wichtige Ver-besserungen gemacht. Im Jahre 1830 noch bezog Frankreich sein lackirtes Leder ausEngland, jetzt führte es dahin aus. Großartige Fortschritte der Glasfabrikation ver-dankte Frankreich den Preisen der 8osisls 6'snoourggsmsnt, so der gefärbten Glä-ser, des Rubinglases, des strengflüssigen Glases zu chemischen Zwecken. Im Jahre1838 gab die pariser Akademie dem Fabrikanten Guinand in Paris den astrono-mischen Preis für die Verbesserung des optischen Flint- und Crownglases, durchwelche er es frei von Blasen und Wellen herzustellen vermochte. Die Ausstellungvon 1839 zeigte deutlich, daß im Allgemeinen die Industrie im Aufblühen begriffenwar; eine große Anzahl von Gewerbszweigen hatte sich vervollkommnet und ihr Fa-brikat wohlfeil zu erzeugen gelernt.
Die zehnte Ausstellung des Jahres 1844 fand in einer eigens hierzu gebau-ten großartigen Halle auf den Champs Elyse'es.statt. Das Gebäude — le palais6s l'inckustris — bestand aus einem Vierecke von verbundenen Galerien, welcheeinen Flächenraum von 16000 Quadratmetern einnahmen und dazu einen innernHof von 6000 Quadratmetern umfaßten. Die Ausführung des Baus kosteteetwa 600000 Francs. Die Ausstellung von 1844 zeigte ein sicheres FortschreitenDie Gegenwart. XU. 31