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Die Industrieausstellungen.
bedeutende Industriezweige, wie Eiftnproduction, Nähnadelfabrikation, Maschinen undKrystallglaswaaren, nur sehr schwach vertreten waren, wurde allgemein beklagt. Wasvon Gespinnsten in Leinen, Baumwolle, Wolle und Seide ausgestellt war, gab Zeug-niß von den großen Fortschritten, welche England Besorgnisse erregen und Frank-reich von dem deutschen Markte fast ausschließen mußten, sobald Deutschland ent-schlossen, die Gesetze der Mode nicht von dorther zu empfangen. Die Richtung desGeschmacks in jenen Metallgewerben, welche nicht blos der Mechanik dienen, zeigtesich bereits als eine künstlerische. Allgemeine Bewunderung erregten die berliner Zink-güsse. Was an musikalischen Instrumenten vorhanden war, entsprach ganz den ge-steigerten Anfoderungen der modernen Kunst. Mit einer Beurtheilung und Auszeich-nung der Aussteller hatte man sich bei der Mainzer Ausstellung nicht eingelassen.
Von den 715 Ausstellern kamen 222 auf Hessen, 155 auf die übrigen Staa-ten Mitteldeutschlands, 202 auf die süddeutschen Staaten, 86 auf Preußen, 59auf Ostreich und 15 aus Oldenburg und Hannover.
Mußte man nun aber auch die deutsche Ausstellung von 1842 als beschränktund lückenhaft bezeichnen, so blieb sie doch, als der erste Versuch zur Ausführungeiner nationalen und folgenreichen Idee, immer von großer Bedeutung. Diese erste-Ausstellung brach wenigstens den Weg für die Nachfolge; denn alsbald nahm Preußendie Sache wieder auf, und zwar diesmal schon mit überraschendem Erfolge.
Die deutsche Industrieausstellung zu Berlin von 1844.
Die deutsche Industrieausstellung zu Berlin vom Jahre 1844 war ein Ereignißin der industriellen Welt, das nicht ohne gewichtige Folgen bleiben sollte. In einem Er-lasse des-Finanzministers vom 10. Febr. 1844 wurden die Gewerbtreibenden sämmtlicherZollvereinsstaaten unter Zusicherung verschiedener Begünstigungen aufgesodert, Einsen-dungen zu machen, und diese Einladung ward in einer spätern Bekanntmachung der„Commission für die Gewerbeausstellung in Berlin" auf sämmtliche deutsche Bundes-staaten ausgedehnt. Die Eröffnung der Ausstellung wurde auf den 15. Aug.und ihre Dauer auf acht Wochen festgesetzt. Die Commission hob in einer Ver-öffentlichung vom 15. Mai hervor, daß das Unternehmen, ursprünglich nur auf dasGebiet des Zollvereins berechnet, nun eine deutsche Angelegenheit geworden sei. Siemachte darauf aufmerksam, daß die regste Theilnahme an dieser Ausstellung eineFrage der Ehre für die deutsche Industrie sei, wogegen das Zurückbleiben wichtigerGewerbszweige oder die Lauheit einzelner Theile Deutschlands zu Angriffen auf diedeutsche Industrie tausendfache Gelegenheit darbieten würde. Denjenigen Fabrikan-ten, deren Erzeugnisse sich auf der bevorstehenden Ausstellung besonders Vortheilhaftauszeichnen würden, waren Preismedaillen, nach Umständen auch andere persönlicheAuszeichnungen in Aussicht gestellt. Die Zahl der Aussteller betrug 5040. DieAusstellung ward im Zeughause abgehalten, einem Gebäude, welches ein Oblongumbildet von 288 Fuß in der Hauptfronte und 295 Fuß in den Seitenfronten undaus zwei Geschossen besteht. Jeder Flügel hat eine Tiefe von 84 Fuß; der vonden vier Flügeln eingeschlossene Hof enthält 120 Fuß ins Geviert. Die gesammteGrundfläche des Ausstellungslocals betrug im untern Geschoß 54750 Ouadratfuß,im obern Geschoß 55951, im Ganzen 68661 Quadratfuß. Der Standpunkt,von welchem aus die Ausstellung betrachtet wurde, kann nicht besser als durch einenAuszug aus der Eröffnungsrede des Finanzministers Flottwell bezeichnet werden.„Es handelt sich nicht blos darum", heißt es darin, „dem gesummten deutschenVaterlande Rechenschaft zu geben von den Fortschritten, welche der Kunst- und Ge-werbfleiß seiner Bewohner, die Segnungen eines vieljährigen Friedens und eines dieSchranken des Handelsverkehrs lösenden Vereins gemacht haben, sondern es kamauch darauf an, daß unmittelbar nach der pariser Ausstellung auch unsere Aus-stellung sich Geltung verschaffe und dem deutschen Namen Ehre mache. Der heu-tige Tag wird hoffentlich Allen die volle Überzeugung gewähren, daß ungeachtet dervielen eigenthümlichen Schwierigkeiten, mit welchen die Gewerbthätigkeit in Deutsch-