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Zwöflter Band.
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Die Industrieausstellungen.

gemeinen deutschen Industrieausstellung" zur Pflicht machten. Die Billigkeit einer"solchen Rücksichtnahme war nicht zu leugnen, aber ebenso wenig die großen Schwie-rigkeiten, die der Verwirklichung dieses Plans entgegenstanden, in Abrede zu stellen.Man beschloß endlich, an den einfachern Plan einer östreichischen Ausstellung festzu-halten, „Deutschland immerhin als einen edeln Gläubiger ehrend und die Schuld einst-weilen im Erinnerungsbuche eintragend, bis sich Gelegenheit zur dankbaren Entgcltungfindet". Östreich hatte damals noch Ursache, eine jede Mitbewerbung des fremdenGewerbfleißes auf dem heimischen Markte zu fürchten.

Als Ausstellungsgebäude wurde das Polytechnische Institut benutzt; sowol aufder Esplanade vor dem Institute, als auch in dem Hofe des letztem wurden Zu-bauten errichtet, die mit deni Polytechnikum in Verbindung standen. Einen Haupt-theil bildete der Vorbau. Zur Aufstellung der Gegenstände standen 33232 Qua-dratsuß Tischraum und 69941 Quadratfuß Wandraum zugebote. Die Zahl derAussteller betrug 1868. Die Ausstellung wurde den 13. Mai'eröffnet. Der Vor-stand der Ausstellungscommission war Freiherr von Kübeck, der Vorsitzende desPreisgerichtes Herr von Baumgartner. Die Preise bestanden in einer goldenen,einer silbernen, einer bronzenen Medaille und einer ehrenvollen Erwähnung. DieGrundsätze, nach welchen die Beurtheil» verfuhren, waren folgende: Die goldeneMedaille kann beantragt werden für Den, welcher es in einem wichtigen Industrie-zweige so weit gebracht, daß früher als Seltenheit fabricirte Fabrikate currenteHandelsartikel geworden; oder welcher zu einer bessern Verwendung der Stoffe odereiner Veredelung der Form wesentlich beigetragen; oder welcher ein Erzeugniß der Indu-strie durch billigen Preis und Vervollkommnung zu einem Ausfuhrartikel gemacht hat.Wer sodann fabrikmäßig erzeugt, was früher nur gewerbartig erzeugt wurde, oder werein großes Jndustriewerk in einer Gegend eingerichtet hatte, wo ein solches frühernicht war, oder wer einen Artikel im Inlands erzeugt, der früher aus dem Aus-lande bezogen werden mußte, der konnte Anspruch auf die silberne Medaille machen.Geringere Verdienste zogen die bronzene Medaille oder die ehrenvolle Erwähnungnach sich.

Versuchen wir nun, die hervorragendsten Resultate der Ausstellung anzuführen.Die Erzeugnisse an Wolle überholten an Geldwerth selbst die Leinenerzeugnisse undnahmen im Activhandel Östreichs unmittelbar ihren Platz nach der Seide ein. DieProduction an Rohwolle betrug jährlich gegen 700000 Centner, wovon etwa einDrittel ausgeführt ward. Die ausgestellten rohen Vließe lieferten den Beweis, biszu welcher Höhe die Bemühungen der Landwirthe die Production hochfeiner Wollebringen können. Die Tuchmanufactur manifestirte ihren Hauptsitz zu Brünn und zuReichenberg in Böhmen; letztere Stadt fabricirte glatte und geköperte einfarbigeStoffe, erstere faconnirte Modeartikel. Die Tuchfabrikation hatte im Jnlande keineConcurrenz zu fürchten und der ausländische Handel nach der Levante war im Auf-schwünge begriffen. Die Shawlfabrikation zeigte sich der französischen kaum nach-stehend. Troß der gewaltigen Fortschritte waren es aber doch nur die Wohl-feilheit und die Nachahmung französischer Muster, .welche den Absatz dieser Fabri-kation sicherte». Die Seidenweberei, in Wien, Mailand und Como heimisch (sie be-schäftigte im Jahre 1846 in Wien über 7000, in Mailand 4500, in Como imJahre 1841 5000 Personen) war geeignet vertreten- um die hohe Stellung, welcheÖstreichs Seidenindustrie einnimmt, anschaulich zu machen. Wie weit die wienerSeidenmanufactur vorgeschritten, bewies deutlich der Umstand, daß bei der kurzvorher in Lyon stattgefundenen Ausstellung fremder Seidenwaaren, die alle fünfJahre daselbst stattzufinden Pflegt, um zu ermessen, welche Concurrenz die franzö-fische Seidenweberei im Auslande zu überwinden habe, die wiener Stoffe als die-jenigen bezeichnet wurden, welche in der Qualität und Arbeit den lyoner Erzeug-nissen am nächsten, stehen und deren Concurrenz am meisten zu beachten sei. DieBaumwollindustrie hatte in der neuern Zeit sehr bedeutende Fortschritte gemacht;allein nicht alle Zweige hatten gleichen Schritt gehalten, namentlich waren Spin-