Die Industrieausstellungen.
501
Italien vertreten. Die verwendeten Stoffe selbst übten durch ihre Kostbarkeit undSeltenheit an und für steh einen so allgemeinen Zauber aus, daß schon hieraus dasallgemeine Interesse, welches diese Abtheilung vor andern fand, sich erklären läßt;außerdem aber lieferte Auffassung und Behandlungswcise in diesen Werken einenMaßstab für die moralische und künstlerische Ausbildung der verschiedenen Nationenund warf ein Licht auf deren eigenthümliche Gebräuche und Bedürfnisse. Ausgezeichnetwaren die französischen Arbeiten der Goldschmiede; nicht allein im Guß, auch in dergetriebenen Arbeit, im Ciseliren und Nielliren, in galvanischer Darstellung, in Jncrusta-tionen und Oxydationen sah man Vollendetes. Die französischen Arbeiten zeigten denfeinsten Renaissancestil. Filigranarbeiten waren aus Piemonl, namentlich aus Genua,wo die Bearbeitung des Filigran ganze Straßen von Goldarbeitern in Anspruch nimmt,ausgestellt. Als besonders charakteristisch für die Metallwaarenausstellung mag dasFortschreiten der Mechanik und der Galvanoplastik zu Arbeiten, welche bis dahin mitder Hand verrichtet werden mußten, und die mächtig fortgeschrittene Nachbildung vonKunstwerken, auch in geringern Metallen, hervorgehoben werden. Die Thonwaaren-industrie war auf der Ausstellung reich vertreten. Vom gewöhnlichsten Ziegel undder llsrrs cotls an bis zu den prachtvollsten Vasen aus Porzellan eröffnete sich demBeschauer eine Reihe der interessantesten Darstellungen aus fast allen Zweigen derThontechnik. Die Ziegelfabrikation bot interessante Arbeiten, besonders aus demStadium dar, wo sie aus dem Kreise des Gewöhnlichen heraus und in den derOrnamentik übertritt. In der Porzellanindustrie waren säst alle Länder vertreten.Bei der englischen that sich das Bestreben kund, die eigenthümliche, dem Elfenbeinähnliche Masse zur Geltung zu bringen: die Mehrzahl dieser Arbeiten zeigte Feinheitund Geschmack. Die Porzellane Frankreichs überragten alle andern bei weitem; nichtnur das weltberühmte Porzellan von Sevres, sondern auch das aus den Privatsabrikenzeichnete sich aus. Die Abtheilung der gröber» und feinern Holzarbeit trug gleich-falls einen glänzenden Charakter: man bemerkte Möbel und Ornamente von voll-endeter Arbeit und von höchster, dem Gebiet der Plastik angehörender Schönheit.In geringerer Vollständigkeit waren die Bedürfnisse des Massenverbrauchs und desHandels vertreten. Es machte sich bemerkbar, daß in den meisten europäischen Staatengrößere Fortschritte in der Verzierung der Luxusmöbel und der feinen Holzmöbelstattgefunden als in der Construction und Ausstattung der gewöhnlichen Haus»geräkhe. Die Abtheilung der chemischen Production zeigte, daß in Beziehung aufLeistungen im Gebiete der Chemie nur England, Deutschland und Frankreich wesent-lich in Betracht kommen, obgleich nur das Bild der chemischen Fabrikation Englands,wie sie sich im Krystallpalaste darstellte, ein großartiges genannt werden konnte.Die außerordentliche Ausdehnung der mechanischen Fabrikation erfodert entsprechendeQuantitäten von der chemischen, und letztere hat in England durch die Begünstigung,theils des leichten Absatzes, theils der beispiellos billigen Anschaffung der wesentlich,sten Rohmaterialien — Steinkohlen, Schwefel und Kochsalz -— in vieler Hinsichtgroßen Vorsprung über die chemische Fabrikation anderer Länder gewonnen. Frank-reichs chemische Fabrikation war in einigen Zweigen ebenfalls im Aufschwung begriffen;die Deutschlands zeigte eine große Mannichfaltigkeit der Producte in jeder einzelnenFabrik, während in den andern Ländern, namentlich in England, die Productionmehr in einzelne Zweige vertheilt ist und größere Quantitäten im Einzelnen er-reicht werden.
Ebenso wie für das gründliche Studium der einzelnen Industriezweige die zu-gleich ausgestellten Rohmaterialien sehr förderlich waren, hat sich auch der bei die-ser Ausstellung leitende Gedanke, die bildende Kunst, welcher die Formen und Mu-ster zur Schmückung der Jndustrieproducte entnommen werden müssen, in ihreneigenthümlichen Werken neben den Fabrikaten vor Augen zu führen, als außer-ordentlich nützlich, sowol zur Förderung der Industrie als auch zu reicherer undumfassender Arbeit der Künstler selbst erwiesen. Der Fabrikant und der Gcwerb»treibende überhaupt bedarf in der gegenwärtigen Zeit, um dem wechselnden Ge-