510 Die Industrieausstellungen.
Reuß. 32 Sachsen-Weimar-Eisenach 27
Sachsen.. 462 Schaumburg-Lippe ... 6
Sachsen-Altenburg ... 16 Schwarzburg. 13
Sachsen-Koburg-Gotha. 78 Würtemberg. 443.
Sachsen-Meiningen . . 26
Die Ausstellung ward am 15. Juli durch den König im Beisein der Königinfeierlich eröffnet. Die erste Gruppe der Ausstellungsgegenstände bildeten die Brenn-stoffe und Mineralien, die in engster Beziehung zueinander stehen, nicht allein weilverschiedene Brennstoffe zu den Mineralien gehören, sondern auch weil die Be-nutzung des Reichthums au Mineralien meist von dem Reichthum? an Brennstoffenabhängig ist. Sie haben außerdem Gemeinschaft in Bezug auf die Dienstleistung,indem in der Industrie der Gegenwart der Dampf, welcher vermittels des Brenn-stoffes erzeugt wird, nicht minder wie die Werkzeuge und Maschinen, die man ausdem Minerale fertigt, den meisten andern Industrien dienstbar ist. Wäre nicht die Ab-neigung einzelner norddeutscher Negierungewder Münchener Industrieausstellung entgegengewesen, und hätten alle deutschen Staaten gleich umfassend eingesendet wie Baiern,Sachsen, Würtemberg, Nassau und Hannover, so würde die erste Gruppe eine reicheund instructive Übersicht des deutschen Berg- und Hüttenwesens gewährt haben. Diemineralischen Brennstoffe einschließlich des Torfs waren in der Ausstellung gut ver-treten. Die Produktion Deutschlands an Mineralkohlen ist fortwährend im Steigenbegriffen. ,Jm Jahre 1853 betrug die Förderung an Steinkohlen:
Preußen 115 Millionen Centner.
Oestreich 30 „ „
Sachsen 20 „ „
Baiern 3 „ „
In der Gewinnung und Benutzung des Torfs geschieht in Deutschland mehrals in irgendeinem andern Lande, besonders ragen hier die Leistungen Baierns undÖstreichs hervor. Auf der Ausstellung war fast jede Sorte Torf, von der besten biszu der schlechtesten vertreten. In Baiern werden seit langer Zeit die Lokomotivenmit Tors geheizt, in Östreich und anderwärts wird Eisen damit gefrischt, d. h. esist ein Problem gelöst, den Torf zu denjenigen Zwecken anzuwenden, bei welchen dieQualität des Brennstoffs am meisten in Betracht, kommt, und es tritt dies als.einum so wichtigeres Ereigniß auf, als der Torf mit weit geringerm Capitalauf-
wande gewonnen werden kaun als anderes Brennmaterial. Erfreulich ist das inDeutschland sichtlich wahrnehmbare Streben nach vermehrter Roheisenproduction, na-mentlich auch von Coaksroheisen, und es läßt sich wol behaupten, daß Deutschlandim Betriebe der Coakshohöfen den darin vorangeeilten Staaten so rüstig nachschreibet,daß in nicht ferner Zeit die bisherige Einfuhr von jährlich zwei Millionen Centnerenglischen und belgischen Roheisens völlig entbehrlich sein wird. Der Eisenguß warziemlich gut vertreten, nur mangelten die preußischen Gießereien fast gänzlich; derStahl war in einer Mannichfaltigkeit repräsentirt, wie sie alle übrigen Länder Euro-pas zusammengenommen nicht auszuweisen vermögen. Der Gerb- und Schmelzstahl,der Cement- und Gußstahl war aus Steiermark, Kärnten und Tirol massenhafteingesandt. Siegen und Westfalen brachten hauptsächlich den Puddlingsstahl, vorallem aber zeichneten sich die Gußstahlsabrikate von F. Krupp in Essen aus. DieStabeisenproduction war mangelhaft vertreten, namentlich was die preußische Aus-stellung betraf. Mit dem enormen Aufschwünge der Eisengewinnung in Westfalenmag die Stabeisenproduction Preußens über vier Millionen Centner betragen, wovonmehr «als drei Viertel vermittels Steinkohlen erzeugt werden. Wie die Ausstellungbewies, gebührt dem deutschen Eisenwesen in Bezug auf dix Bedürfnisse der Eisen-bahnen (Schienen, Achsen, Tyres) die vollste Anerkennung: schon sind wir mittenEisenbestandtheilen für diesen Zweig vom Auslande nahezu unabhängig, ja einzelnederselben werden aus deutschen Werken bereits besser als im England und Belgien