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Zwöflter Band.
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512 Die Industrieausstellungen.

alte» Nuf. In hochfeinen Tuchen standen Rheinpreußen und Brunn obenan. Inder Seide und den Seidenwaaren trat auf der Münchener Ausstellung Östreich so-fort hervor, und zwar wesentlich mit den Erzeugnissen seiner deutschen Provinzen.Die Lederfabrikation war, was das Sohlenleder betraf, in ihrem deutschen Glanz-punkte nicht günstig vertreten, denn die rheinischen und luxemburger Fabriken hattensich nicht betheiligk; weit reichlicher zeigte sich die Erzeugung der andern Lederfür Schuhmacher, Sattler, Riemer u. s. w. vertreten. Ganz vorzüglich waren

die lackirten und gefärbten Leder, deren Fabrikation in Deutschland zu einersolchen Ausdehnung und Vollendung gebracht ist, daß sie nicht nur die Con-currenz der Franzosen in Deutschland beseitigt, sondern auch die Letzter» im Ex-port vielfach verdrängt und sich die erste Stelle in diesem Fache verschaffthat. Besonders reich waren die Thonwaaren vertreten, sowol in Porzellanen, reich-licher in Luxusartikeln als Currentgegenständen, als auch in Fayencen, Steinzeug,Öfen u. s. w. Als ein neuer Industriezweig zeigte sich die Fabrikation des Sidero-lith und Terralith— nicht glasirter, sondern einfach mit Firniß überzogener Thon-waaren, die namentlich als Schaustücke alle Beachtung verdienen. Als ein fortge-schrittener, sehr gut vertretener Zweig der Thonarbeiten, wo Kunst und Technik mitbestem Erfolg und unbeirrt von den herrschenden Geschmacksverirrungen zusammen-wirken, mußten die Terracotten bezeichnet werden, die sich auf der Ausstellung theilsin einzelnen speciellen Bildwerken, theils und vorzüglich in für das allgemeine Be-dürfniß berechneten Bauornamenten bewegten. Das Glas und zwar hauptsächlichdas Hohlglas bildete ohne Zweifel eine der glänzendsten Partien der Ausstellung,aber auch sicher ein unwahres Bild der Hohlglasfabrikation außerhalb des Glas-palastes in Bezug auf die absolute Ausdehnung und relative Vertretung und Ent-wickelung ihrer einzelnen Theile in dem Ansstellungsgebiete. Die ausgestellten Ge-genstände zeigten vielmehr, was die Aussteller anfertigen können, nicht, was sie an-zufertigen pflegen, Leistungen der Künstlerthätigkeit und nicht der Gewerbthätigkeit.Die Erzeugnisse des täglichen Bedürfnisses im Dienste der Haushaltung wie derWissenschaft entsprachen weder an Zahl der Aussteller noch an Umfang der aus-gestellten Producke Dem, was man im Sinne einer allgemeinen deutschen Industrie-ausstellung hätte erwarten sollen. Genügender als das Hohlglas war das Tafelglasvertreten: das Ausgestellte — der Glaspalast selbst lieferte den Beweis — gab Zeug-niß eines sehr anerkennenswerthen Fortschritts, sowol was Dimensionen als wasReinheit der Farbe, Glanz und die Beschaffenheit billiger Materialien anbelangt.Die Ausstellung in Papieren war vollständig und gewährte ein erfreuliches Bilddes Fortschritts. Mit den Resultaten der berliner Ausstellung vom „Jahre 181-Lverglichen, charakterisirte sich dieser Fortschritt nicht sowol in einem Übergänge zuneuen Fabrikationsmethoden, denn schon damals war der Sieg der Maschine überdie Schöpfarbeit entschieden, als in der staktgefundenen innern Ausbildung bekannterMethoden. Was damals nur einzelne Fabriken zu leisten vermochten, ist zur nor-malen Leistung einer großen Anzahl von Fabriken geworden. Ebenso reichlich warin der Ausstellung der Schriftguß und die Erzeugnisse deß Buch- und Kunstdrucksvertreten. Großes Aufsehen erregte der Naturselbstdruck der k. k. Staatsdruckerei inWien. Die höhere Bildhauerei war nicht so vertreten, wie es in dem an Kräftenund Leistungen so reichen Ausstellungsgebiete zu erwarten gewesen wäre, glänzendrepräsentirt waren dagegen die Kunstgüsse.

Sowie die Münchener Ausstellung die Leistungsfähigkeit eines großen Theilsder deutschen und östreichischen Industrie vor Augen geführt hat, bot sie aucheine günstige Gelegenheit, über den herrschenden Stil, die Entwickelung des Ge-schmacks, den praktischen Sinn und die technische Fertigkeit des deutschen Eewerb-treibenden Betrachtungen anzustellen und ein Urtheil zu bilden. Trat auch zuweilenetwas Geschmackloses zutage, so hatte man doch hinreichende Ursache, auch hier desFortschritts und der erreichten hohen Stufe sich zu erfreuen. Es sind in der Thatwenige Artikel, in denen der deutsche Industrielle nicht mit dem Auslande unbedingt