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Die Industrieausstellungen.
fanden sich im Jndustrieausstellungspalaste Tableaux — namentlich ein Bild, den Aus-bruch des Vesuv darstellend — in lebhaften Farben aus Zündholzköpfchen zusammen-geseht, «die man selbst in der Nähe für starke Straminstickerei zu halten versucht ist.
Einen ehrenwerthen Platz in der Ausstellung nimmt die Kunst Gutenberg's ein.Schon in London und München hatte die kaiserliche Staatsdruckerci aus Wiengroße Erfolge errungen, und im Krystallpalast waren eigentlich nur Englands Po-lyglotte Alphabete und seine Missionsbibeln in 58 Sprachen zu bekämpfen. Beider pariser Ausstellung hatte die französische Staatsdruckerei auch ihrerseits äußersteAnstrengungen gemacht und für die Ausstellung besonders ein Prachtexemplar vonThomas a Kempis' „Nachfolge Christi" angefertigt. Dieses in der That vollendete Er-zeugniß der Typographie zerfällt in zwei Theile, deren erster den lateinischen Textund der zweite die metrische Übersetzung von Corneille enthält. Gewiß hat dieneuere Typographie kein Werk von gleicher Pracht, von größerer Vollendung desDruckes auszuweisen. Wenn die pariser Staatsdruckerei ihre Hauptsorgfalt derHerstellung von Prachtdruckert und Werken in außereuropäischen Sprachen zuwendet,so hat die wiener Staatsdruckerei sich das Ziel gesteckt, in ihrem Etablissement allegraphischen Künste zu vereinigen und gleicher Entwickelung zuzuführen. Die Aus-stellung dieses Instituts im pariser Jndustriepalast legte allein schon ein rühmliches Zeug-niß ab von der hohen Ausbildung der Typographie in Deutschland. Zn eigenthümlichpraktischer Weise war auf dem typographischen Gebiete die Firma F-. A. Brockhaus inLeipzig vertreten. Dieselbe hatte die Anfertigung eines für die Ausstellung berechnetentypographischen Kunstwerks unterlassen. Dagegen suchte sie ein ungezwungenes Bildihrer Leistungen zu geben, indem sie eine Reihe der vorzüglichern Werke eigenen Ver-lags ausstellte, welche in neuerer Zeit aus ihren Pressen hervorgegangen waren. Dieseausgewählte Sammlung — eine Bibliothek von 162 Werken in 407 Bänden — reprä-sentirke alle Hauptfächer der Literatur, und veranschaulichte die umfängliche und viel-seitige Thätigkeit der Firma nicht nur nach der typographischen, sondern besonders auch nachder buchhändlerischen Seite hin. Man erkannte an, daß weder Frankreich noch Englandein Institut auszuweisen habe, welches in jeder Richtung und in allen Fächern zu-gleich so Bedeutendes leiste.
Die londoner Weltausstellung brachte im Gebiete des Buchdrucks eine derinteressantesten Erfindungen zu allgemeiner Kenntniß: die Circularschnellpressen, aufwelchen „ Illustiatell Uonclon bls>vs" im Krystallpalaste selbst gedruckt wurden, diesinnreiche Erfindung des Mechanikers Applegath. Etwas Neues und Bedeutendeslieferte an Buchdruckerpressen die pariser Ausstellung nicht. Zwar fanden sich manchePressen, namentlich französische, im Annex aufgestellt, aber sie waren nach längst be-kannten Systemen gebaut. Viel Aufmerksamkeit erregte eine andere Erfindung, welchedurch die pariser Ausstellung zum ersten male zur allgemeinen Kenntniß gelangte: eineSetzmaschine. Die Erfindung ist keine ganz neue; seit Jahren schon wurden in dieserRichtung Versuche gemacht, die aber wenig Vertrauen erhielten, da die Arbeit desSchriftsetzers, bei allem „Mechanischen, das sie enthält, doch eine solche ist, welcheunausgesetztes Denken, Überlegung und Urtheil erfodert. Und doch scheint auch hierdie Maschine dem Menschen einen Theil seiner Arbeit abnehmen zu wollen, sodaßin der Zukunft ein Mann gewisse Arbeiten mit der Maschine zustande bringen dürfte,wozu ohne die Maschine in derselben Zeit drei, vier oder noch mehr geübte Setzererfoderlich sind. Die Ausstellung enthielt vier Setzmaschinen, darunter eine dänischevon Eh. SLrensen. Mit Ausnahme der dänischen vereinigten diese Maschinen dasSetzen, das Wiederablegen des Satzes und das Umbrechen des durch die MaschineGesetzten. Obgleich versichert ward, daß die dänische Maschine bei dem kopenhagenerBlatte „Fädrclandet" gebraucht würde, so möchte in die praktische Bauchbarkeit geradedieser am meisten Zweifel zu setzen sein.
In der Classe der graphischen Künste hatten auch die Erzeugnisse der Photo-graphie Platz gefunden. Man hatte geschwankt, ob man diese Producte der Kunst-oder der Industrieausstellung zuweisen solle, und entschied sich endlich mit Recht für