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Die Industrieausstellungen. ^
Handelsstraßen des Rhein nnd der Weser durch Mittel- und Süddeutschland nach >
Italien und nach der Levante ging. Sie gaben dem Handel und der Industrie !
jene Anregung, welche den Erfindungen und der Ausdehnung derselben, wie wir sie ^jetzt kennen, fördernd vorausgehen mußten. Da boten sich den Blicken des Käufersdie gesuchten Artikel nebeneinander aus allen Ländern; hier lernte der Fabrikant vomFabrikanten durch Vergleichung; hier machte man die ersten Studien über denProductenreichthum und die Culkurstufe entfernter Länder; hier begann durch denKaufmannsstand neben dem Austausche der Produkte der von Sitten, Gebräuchenund Kenntnissen aller Nationen. Hier schöpfte man die Einsicht in die gesarnmteProduction und Konsumtion damaliger Zeiten, in Nachfrage und Angebot allerArtikel der Welt. Je mehr aber die Grenzscheiden zwischen den einzelnen Ländern weg-fielen, je mehr die Handelsstraße zu Wasser und zu Lande verbessert und sicherer, unddas Zoll- und Abgabensystem geregelt wurde, desto mehr verloren die Messen anBedeutung. Man kannte die Güte der Waaren, man kannte die Hauptproducenten;der große Geschäftsverkehr wurde mehr und mehr ein schriftlicher, und die Waarenzügegingen direct vom Erzeugungsorte an den Ort der Konsumtion. Dazu kam der Ver-fall des Levantehandels und die Verlegung der Handelsstraßen und Weltmärkte durchdie Entwickelung des modernen Seeverkehrs. Die Messen des Kontinents wurden vonnun an immer mehr zu großen Jahrmärkten, wo der Detailverkauf hervortrat oderdoch der Detailhändler allein als Käufer erschien. Infolge der durch die Eisenbahnenherbeigeführten Eransporterleichterung scheint selbst dieser Handelsverkehr zweiter Ord- .nung nicht mehr nothwendig an die Messen gebunden zu sein. Die früher kaumgeahnte Erleichterung jeglicher Communication läßt das persönliche Zusammentreten desProducenten und des Kaufmanns in Betracht des dafür erfoderlichen Aufwandes wenigerwerthvoll erscheinen. Der Güterumsatz ist außerdem gegenwärtig so massenhaft gesteigert,daß auch eine scheinbar enorme Concentration von Gütern zu bestimmter Zeit an einembestimmten Orte nur einen kleinen Bruchtheil derselben darstellen kann. Der Verkehrselbst hat solche Dimensionen angenommen, es nehmen an demselben ganze Reihenvon Nationen und Ländern Antheil, daß der Meßverkehr in der Stadt eines ein- ^
zelnen Landes nur ein Miniaturbild von ihm darbieten kann. Es lassen sich gegen-wärtig die auch in wenigen großen Landstrichen zum Umsatz gelangenden Güter nichtmehr aufstapeln; dagegen aber hat sich das Bedürfniß ergeben, Muster und Waa-ren der Producenten aller an dem lebhaften Verkehr betheiligten Nationen zu prü-fen und zu vergleichen, und dies ist eben der Zweck der Industrieausstellungen, welchemit der gegenwärtigen Erleichterung und Steigerung des Verkehrs durch die Eisen- !
bahnen ebenso correspondiren, wie der Meßverkehr den Leistungen der frühern Ver- !
kehrsmittel entsprach. Daß die Musterkarte des Handlungsreisenden die Industrie- ^
ausstellung nicht ersetzt, bedarf keines Beweises; umgekehrt macht aber auch diese. ^
den reisenden Commis nicht entbehrlich. Beide Einrichtungen ergänzen vielmehr ein-ander; der Reisende des Großhändlers ist aber jetzt häufig durch den Agenten desProducenten ersetzt. Beide bilden zusammen vollständigen Ersatz für Das, was dieMessen früherer Zeiten waren und, unter gegebenen Verhältnissen, in einzelnenLändern noch sein können. Das Aufhören oder Sinken der Messen in vielenLändern macht Industrieausstellungen nothwendig, die übrigens vor jenen den Vor-zug besitzen, daß man alle Produkte ungestört betrachten kann, während das !
Publicum keineswegs veranlaßt und eingeladen ist, blos zu seiner Belehrung dieVerkaufsgewölbe der großen Städte zu besuchen, es auch dort, ohne etwas zu kau-fen, nicht gern gesehen werden würde. Die Ausstellungen umfassen ferner vieleGegenstände, wie Rohprodukte des Mineral- und Pflanzenreichs, Maschinen, größereGewerbsvorrichtungen, neue Entwürfe aller Art, die sämmtlich von den Messen aus-geschlossen sind. Endlich — und dies ist ein gar wichtiger Umstand — verschaffen jdie Ausstellungen dem eigentlichen Producenten die Anerkennung, welche ihm auf derMesse der Großhändler vorenthalten möchte, der es natürlich ungern sieht, wenn An-dere gleich gute Waare finden und ausbieten wie er selbst. Die Ausstellungen sind